Mohart's Blog

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Der Dalai Lama war nicht in Wacken


Autor: Jutta DITFURTH

Verglichen mit dem Auftritt des Dalai Lama in Frankfurt/Main und der unterdrückt-aggressiven Hysterie seiner Anhänger ist das jährliche Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken ein Hort der Sanftheit, Freiheit und Emanzipation. Der Dalai Lama war in Frankfurt/Main und 50000 lagen zu seinen Füßen, Promis buhlten um Privataudienzen. Einnahmen: 1,75 Millionen Euro plus Spenden und Eso-Kommerz. »Der reale Humanismus hat in Deutschland keinen gefährlicheren Feind als den Spiritualismus…« schrieben Marx und Engels 1845 und sie hatten Recht.

Die Aussagen des Dalai Lama besitzen die Präzision eines Horoskops: Irgendwas passt immer, jedenfalls sofern man den kritischen Verstand ausschaltet. Dazu sind zehntausende deutscher Mittelschichtler ohne Skrupel bereit. Warum?1987 war ich in Tibet. Ärmste, offensichtlich mangelernährte gläubige Tibeter krochen demütig auf dem Bauch durch den Dreck vor den Tempeln, während Touristen die Edelsteingeschmückten goldenen Statuen der Paläste anhimmelten. Die soziale Lage der Tibeter war ihnen völlig gleichgültig. Es ging nur um ihr »spirituelles Heil«. In einem Kloster sah ich Dutzende von tibetischen Kindern, wie hospitalisiert schaukelnd, stundenlang im Halbdunkel und bei stinkenden Yakbutterlampen, Sprüche von Tafeln ablesen, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Das nannten die Mönche »Ausbildung«. So zerstört man Gehirne.

»Was ist« fragte ich einen leitenden Mönch, »wenn eines dieser Kinder eines Tages doch anders leben will, vielleicht in eine Schule gehen und studieren?« Seinen Zynismus werde ich nie vergessen. Er sagte, dass sie sich aus den tibetischen Familien die viel versprechendsten Kinder holen, im Alter von vier bis fünf Jahren. So hält man sich die weltliche Konkurrenz vom Hals. Da es für die meist sehr armen Eltern von hohem Prestige war (Karma! Karma!), wenn eines ihrer Kinder auserwählt wurde, würden die Kinder aus ihren Familien verstoßen werden, falls sie fliehen. Der Mönch grinste selbstzufrieden als er hinzufügte, dass die Jungs ja auch kein Geld hatten und keine Schuhe. »Wie soll so einer über die hohen Berge die Tibets fliehen – ohne Nahrung und barfuss durch den Schnee?«

Die soziale Lage der Tibeter ist den Anhängerinnen des Dalai Lama nicht nur vollkommen egal – sie verlangen sogar die »Bewahrung der tibetischen Kultur«. (Das fordert auch die Linkspartei). Woraus bestand diese »Kultur«? Unter der Herrschaft des Dalai Lama und seiner Vorgänger lebten 95 Prozent der Tibeter in Leibeigenschaft, tyrannisiert von Adel und Kirche. Tibet war eine feudalistische Sklavenhaltergesellschaft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es keine Prise Demokratie. Hände abhacken bei Diebstahl, Folter vielfältiger Art bei oppositionellem Verhalten, Gefängniszellen in den Klöstern. Von der abgrundtiefen Frauenverachtung ganz zu schweigen. Aber auch die Sozialgeschichte Tibets interessiert die Dalai Lama-Fans nicht.

Im indischen Exil des Dalai Lamas wird noch heute abweichendes, kritisches Verhalten bestraft. Es herrschen Angst und Anpassung. Die deutschen Untertanen lieben Begriffe wie »Seine Heiligkeit« und »Seine Exzellenz«. Manche unserer Großeltern hätten geglaubt, Kaiser Wilhelm II. ist zurückgekehrt (Wiedergeburt!).

Von seltsamer Gleichgültigkeit bleiben die Dalai-Lama-Gläubigen auch gegenüber der Zusammenarbeit des Dalai Lama und seiner Familie in (seit?) den 1950er Jahren mit der CIA. Bis heute gehört es zu den geostrategischen Interessen der USA, die westliche Staatsgrenze Chinas in Frage zu stellen. Aber völkerrechtlich gehört Tibet zu China so wie Bayern zur Bundesrepublik. Für die Grenzaufweichung wird der Dalai Lama gebraucht, als eine Art »kalter Krieger«. Aber angesichts der starken Stellung Chinas gegenüber den USA in der Weltwirtschaftskrise müssen die USA zur Zeit ein bisschen vorsichtiger agieren. Vielleicht gibt es deshalb hie und da endlich ein paar kritische Töne, z.B. im stern, der wie der Spiegel jahrelang dem Dalai Lama gehuldigt hat? Gleichgültig sind die deutschen Dalai-Lama-Fans auch gegenüber den nachgewiesenen jahrzehntelangen freundschaftlichen Kontakten des Dalai Lama zu Nazis (SS-Oberscharführer Heinrich Harrer), Rechtsextremen (Jörg Haider, Miguel Serrano) und Shoko Asahara, dem Anführer der giftgasmörderischen AUM-Sekte. Von den engen Beziehungen Lhasas zu Himmlers SS-Ahnenerbe (NS-Tibet-Expedition auf der Suche nach einer arischen Elite) hat sich der Dalai Lama nie distanziert.

Er ist ein raffinierter Diplomat und kennt seine Jünger aus den Zentren des Kapitalismus genau, ihre soziale Ignoranz und ihre Sucht nach kritikloser Gläubigkeit, Hauptsache sie haben ein gutes Gefühl. Das Nützliche am lamaistischen Buddhismus, wie an den meisten Religionen, ist, dass sie privilegierten Menschen und Herrschaftsstrukturen Absolution erteilen. Oben bleibt oben und unten unten. Kein Widerstand, keine soziale Befreiung, nicht die kleinste Revolte. Auf’s Jenseits vertröstet. Alles ist Karma, auch Profit und Erfolg. Wie äußerst nützlich ist diese Ideologie in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und Massenverelendung!

Bevor nun die organisierten AnhängerInnen des Dalai Lama ihre üblichen stereotypen Schmähbriefe losschicken (ihr Mantra: Alle Kritik am Dalai Lama wird von der chinesischen Regierung bezahlt!) noch eins: Man kann den Dalai Lama, seine Kirche und seine Anhänger kritisieren UND die inhumane Diktatur der chinesischen Regierung – unter der übrigens auch andere Chinesen leiden.

Dienstag, 4. August 2009

52.500 Besucher sahen den Dalai Lama in Frankfurt am Main

Seine Heiligkeit beendet seinen Besuch in der Commerzbank-Arena / Veranstalter ziehen positives Fazit / Kostendefizit soll voll kompensiert werden

Frankfurt am Main, 3. August 2009. Mit dem Abschlussvortrag Die Kunst des Lebens endete gestern der viertägige Besuch des Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. 52.500 Besucher nutzten in diesen Tagen die Gelegenheit, dem spirituellen Vorbild von Millionen Menschen ganz nahe zu sein. Begleitet wurde der Besuch des Dalai Lama von einem interessanten Rahmenprogramm mit vielen prominenten Teilnehmern aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

Insgesamt zogen die Veranstalter, die gemeinnützige Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 GmbH mit ihren Gesellschaftern Deutsche Buddhistische Union, Pagode Phat Hue und Tibethaus Deutschland, eine positive Bilanz und dankten allen Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Jörg Ulmer, Projektmanager der Großveranstaltung, bedankte sich vor allem bei der Commerzbank-Arena, den Mitarbeitern der drei veranstaltenden buddhistischen Gruppen, dem Kommunikationsteam rund um Geschäftsführer Mike Kuhlmann, den 408 Volunteers, den über 220 Sicherheitskräften und der Polizei sowie bei seiner Frau Simone, mit der zusammen er die Veranstaltung seit rund zwei Jahren vorbereitet hatte. Der Dank der Veranstalter ging weiterhin an das Land Hessen, die Stadt Frankfurt sowie an alle Künstler, die sich im Rahmen der Veranstaltung engagiert haben.

Rund 1,75 Millionen Euro konnten durch Ticketverkäufe und Spenden eingenommen werden, damit fehlen aktuell noch 150.000 Euro bis zur vollständigen Deckung der Kosten.

„Durch die unermüdliche Arbeit des gesamten Teams konnten wir das Kostendefizit in den vergangenen Wochen bereits reduzieren. Natürlich arbeiten wir weiter daran, diesen Betrag zu optimieren und sind zuversichtlich, dass uns dies auch gelingt. Die positive Resonanz des Dalai Lama hallt nach und wir sind optimistisch, noch weitere Spendengelder generieren zu können“, so Mike Kuhlmann, Geschäftsführer der Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 gGmbH. „In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch einmal betonen, dass ein möglicher Verlust auf keinen Fall auf Dritte übertragen wird – alle Rechnungen werden beglichen.“

Vajramala, Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union, ergänzte: „Falls wir am Ende tatsächlich einen Verlust bilanzieren müssen, werden wir als Veranstalter diesen zu gleichen Teilen tragen – und wir tun dies gerne. Seine Heiligkeit hat uns vier Tage seines Lebens geschenkt, das war und ist es uns auf jeden Fall wert.“

Weitere Informationen und Bilder unter www.dalailama-frankfurt.de

Quelle: http://dalailama-frankfurt.blogspot.com/


Quelle: http://www.was-sache-ist.de/2009/08/der-dalai-lama-war-nicht-in-wacken/

Originalartikel veröffentlicht am 5.8.2009

Über die Autorin

Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8289&lg=de

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Written by mohart

7. August 2009 um 12:57

Veröffentlicht in Asien / Ozeanien

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