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Iran-Irak: Verständnis und Missverständnis

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AUTOR: Malcom LAGAUCHE

Übersetzt von Einar Schlereth. Lektoriert von Fausto Giudice

Meine vergangene Kolumne ”Was sagte eigentlich April Glaspie zu Saddam?” hat viele Antworten von Lesern erfahren. Die meisten waren positiv und meinten, dass sie die genauen Umstände des Treffens zwischen April Glaspie und Saddam am 25. Juli 1990 nicht kannten. Aber einige wenige stellten meine Versicherung in Frage, dass Iran zu der Atmosphäre damals beitrug, die zum offenen Krieg führte. Einer insbesondere sagte, dass Iran ”NICHTS” getan habe, um Irak zu provozieren.

Seit einer ganzen Weile wird die Auffassung, dass Irak den Krieg begonnen habe und der Aggressor war, vom grössten Teil der Welt für wahr gehalten. Die westliche Propaganda, nachdem Irak mit den US-Wünschen in Kollision geriet und Kuweit nach dem Iran-Irak-Krieg begann, die irakische Ökonomie zu unterminieren, ist erfolgreich gewesen, und so gut wie niemand stellt die US-Version vom Irak als den bösen Buben, die das unschuldige Iran attackierten, in Frage.

Als Antwort auf diese Neu-Schreibung der Geschichte durch den Westen habe ich den Link zu einem ausgezeichneten, 1981 geschriebenen Artikel geliefert, der sich mit der Aggression Irans befasst, die beide Länder veranlasste, offen Krieg zu führen. Unglücklicherweise haben nur wenige wenigstens versucht, die Sache genauer zu untersuchen. Die sogenannten Progressiven Gemeinden im Westen sind überzeugt, dass Irak den Krieg begann. Die kriegshetzenden Gegner brauchen die Angelegenheit nicht einmal erwähnen, weil die linken Narren die Unwahrheiten viel besser verbreitet haben als es die politische Rechte konnte.

Im Mai 2005 haben die Quislinge in Bagdad Saddam Hussein dafür verantwortlich gemacht, den Krieg begonnen zu haben. Aber man schaue sich nur die betreffenden Leute an. Viele sind in den 70-er und 80-er Jahren aus Irak geflohen und haben auf der Seite Irans gekämpft. Ahmed Chalabi, der allgemein beliebte Superschwindler, rief aktiv zur Besiegung Iraks im Iran-Irak-Krieg auf. Wenn Sie sich nicht erinnern: Chalabi ist jener grosse irakische Patriot, der 1958 Irak verliess und erst wieder 2003 dorthin zurückkehrte. Er lieferte der US-Regierung die abscheulichsten Lügen über Saddam Hussein und die Ba’ath Partei, und er erhielt von der Clinton-Administration 97 Millionen $, um weiter zu lügen.

Inmitten all der abscheulichen Lügen tauchte ein Hoffnungsschimmer und ein integrer Mann auf: Jude Wanniski. Viele Jahre lang hat er die Version des Westens von der irakischen Geschichte in Frage gestellt. Als er zum Beispiel über die Afal-Kampagne und die behaupteten 182 000 Morde an Kurden durch das Bagdad-Regime schrieb, stellte er immer dieselbe Frage und erhielt keine Antwort: Wo sind die Leichen?

Wanniski ist weit davon entfernt, ein radikaler politischer Subversiver zu sein. Einmal war er sogar Mitherausgeber des Wall Street Journal. Er war Wirtschaftsberater von Ronald Reagan von 1978 bis 1981 und sein Buch ”The Way the World Works” (Wie die Welt funktioniert) wird von vielen als die Vorlage für die Wirtschaftsprogramme von Ronald Reagan angesehen.

Aber irgendetwas hat mit der Zeit die Ansichten Wanniskis über viele Dinge verändert. Am 24. Oktober 2004 verurteilte er öffentlich George Bush. Wannisks sagte: ”Mr. Bush ist ein Imperialist geworden – einer, dessen Entscheidungen als Oberkommandierender die Welt zu einem gefährlicheren Platz gemacht haben.”

Kurz vor seinem Tod am 29. August 2005 gestand Wanniski, dass, hätte er gewusst, dass die Information in seinem Bestseller von dem US-politischen Establishment benutzt werden würde, um die Reichen in der Welt reicher zu machen und die Armen ärmer (eine Tatsache, die er einräumte), so hätte er es nie geschrieben.

Tatsächlich war es Jude Wanniski, der mich auf die Details über Tony Blair brachte, der am 18. Juli 2004 vor der britischen Presse eingestand, dass er sich im November 2003 ”versprach”, als er der Welt verkündete, dass mehr als 400 000 Iraker in Massengräbern aus der Zeit mit Saddam Hussein an der Macht gefunden worden seien. Auf dieser berühmten Pressekonferenz am 18. Juli 2004 gab Blair zu, dass weniger als 5000 Leichen gefunden wurden, und dass die Hälfte aus dem kurdischen Gebiet waren, die in dem Bürgerkrieg 1990 zwischen kurdischen Parteien in Irak getötet wurden und nicht von der Ba’ath Regierung. Vor ein paar Tagen, als ich alte e-Post-Mitteilungen durchging, stiess ich auf eine, die Jude mir über Blairs neue Zahlenangaben geschickt hatte. Er kannte Blairs Aussage, bevor sie in England veröffentlicht wurde, und schrieb es mir. Unglücklicherweise gelangte Blairs Stellungswechsel niemals in die US-Presse. Nicht ein Wort wurde in den USA über die revidierte Zahl der Leichen geschrieben, und die US-Regierungsbehörden wie USAID benutzen die 400 000 Zahl heute noch in ihrer Literatur.


The hungry Gulf crocodile, von John Wagner,
http://strangemaps.wordpress.com/

Unten sind zwei Artikel angefügt, die detailliert die Ereignisse durchgehen, die dem”offiziellen” Beginn des Iran-Irak-Krieges vorausgingen. Wanniski spricht von offenbaren Fakten, die in der Darstellung der dem Kriegsausbruch vorangegangenen Ereignisse durch das amerikanische Establishment und die Mehrheit der US-Bevölkerung, untergingen. Die Propagandamaschine arbeitete intensiv und erfolgreich. Ausserdem gibt es, nachdem Saddam tot ist sowie viele der Führer des irakischen Ba’ath Regimes, niemanden mehr, der die revisionistischen Lügen, die jetzt als Geschichte verkleidet sind, in Frage stellen könnte.

Der andere Artikel wurde 1985 von der irakischen Botschaft in Washington D.C. geschrieben. Man könnte sagen, ”er sei parteiisch, weil er von den Irakern selbst geschrieben wurde”. Jedoch, egal wer ihn geschrieben hat, werden darin genug Fakten, Zitate, Daten und Orte genannt, die über die Ereignisse von damals berichten.

Statt zu sagen, dass Iran nach seiner Revolution ein gutartiges Gebilde war, lasst uns die Fakten von damals ansehen. Und denken wir dran, dass die iranische Revolution unter Teilnahme von Sozialisten, Kommunisten, Säkularisten und Bürgerrechtsaktivisten sowie Islamisten durchgeführt wurde. Nachdem aber der Shah das Land verlassen hatte, übernahmen die Islamisten unter Leitung von Ayatollah Khomeini die Führung jener Millionen von Iranern, die auf die Strasse gingen, und machten Iran zu einem islamistischen Staat. Viele Linke, Intellektuelle und Menschen der Arbeiterklasse wurden ermordet oder flohen aus dem Land, trotz ihrer Teilnahme bei der Befreiung Irans vom Shah.

Begann Irak den Iran/Irak-Krieg?
Von Jude Wanniski
25. Mai 2005

Wer sich immer noch wundert, warum die ”Aufständischen” in Irak sich weiterhin in die Luft jagen, um zu verhindern, dass die Interims-Regierung in der Bevölkerung Glaubwürdigkeit gewinnt, möge den Bericht zur Kenntnis nehmen, dass die neue ”Interims-Regierung” zugegeben hat, dass Saddam Hussein den achtjährigen Krieg mit Iran 1980 begonnen habe. Während all dieser Jahre glaubte das Volk von Irak, dass der Krieg durch Khomeinis Aufruf entstand, dass die irakischen Shi’iten Saddam stürzen sollten, um eine sektiererische schiitische Regierung in Bagdad zu installieren. Und die Vereinigten Staaten dachten während des achtjährigen Krieges ebenso oder? Weshalb sonst den Irak im Krieg unterstützen, diplomatische Beziehungen mit Bagdad wiederherstellen und Don Rumsfeld zu einer Besprechung mit Saddam zu schicken, um militärischen und finanziellen Beistand einzuleiten?

Kann es sein, dass praktisch jedes Mitglied der neuen ”Interims-Regierung” in Bagdad entweder im Krieg auf Irans Seite kämpfte oder sich im Exil befand so wie Achmed Chalabi, der offen für die Niederlage Iraks durch die Iraner eintrat? Hat nicht die New York Times, die sagt, ihr sei die Entschlossenheit der Aufständischen schleierhaft, die ihr Leben opfern, um das Chaos aufrechtzuerhalten, nicht bemerkt, dass das neue Bagdad-Regime eine Regierung von Quislingen darstellt?

Es heisst, dass es im Krieg gegen Iran eine Million irakische Tote gab. Praktisch jede irakische Familie – ob Shi’iten, Sunni oder Kurden – verlor einen Vater, Bruder oder Sohn durch iranische Waffen (konventionelle und Giftgas). Dies ist, nebenbei gesagt, die offizielle Schätzung der US-Regierung und nicht meine oder die der Medien. Aber die Frage, die ich stelle, ist, wie die Times den Aufstand als ”Mysterium” betrachten kann, wenn sie bemerkt haben muss, dass es nicht einen echten Nationalisten in der neuen Regierung gibt, einen, der mit Hand und Herz gegen Teheran gekämpft hat. Das Volk von Irak überblickt den Haufen und sieht drei Dutzend Kopien von Benedict Arnold – handverlesen von der Besatzungsarmee.

Was die Frage, wer den Krieg begann, angeht, braucht man sich nur zu fragen, warum Saddam ein Land angreifen sollte, dreimal so stark wie Irak, 60 Millionen gegen 20 Millionen, und ohne jemals die geringste Absicht zu zeigen, den Krieg nach Teheran zu tragen. Als das zunehmende Geplänkel in offenen Krieg überging,, marschierte die irakische Armee ein paar Dutzend Kilometer in Iran ein und machte Halt, scheinbar bereit für ein Abkommen. Es war der geistesgestörte Ayatollah Khomeini, dessen Gefolgsleute den Shah von Iran stürzten (ein Satrap der US-Regierung im Kalten Krieg), der nach seiner Rückkehr aus seinem Exil in Paris nach Teheran verkündete, dass Saddam Hussein an der Spitze seiner Liste von Feinden stünde … und er war es, der seine schiitischen Gefolgsleute im Irak aufforderte, das weltliche Regime in Bagdad zu stürzen und mit einem fundamentalistischen Regime zu ersetzen, das ihn glücklich machen würde. Der Ayatollah ist natürlich nicht mehr am Leben und hat den Krieg mit Irak im August 1988 verloren, aber wäre er es, wäre er erfreut, den Regimewechsel vom amerikanischen Volk ausgeführt zu sehen, das seine Söhne und Töchter schickte, um Saddam zu stürzen und eine Marionetten-Regierung zu installieren, die mit seligem Blick von Iran gesehen wird.

Welch ein Mysterium.

Goodbye, Life, Dir Ensieh Shah Hosseini, Iran 2006
Aus dem Film Goodbye, Life, von Dir Ensieh Shah Hosseini, Iran 2006

WIE DER IRAN-IRAK-KRIEG BEGANN
Veröffentlicht von der Botschaft der Republik von Irak, Washington D.C. Januar 1985

Eine der ersten Fragen, die Irakern gestellt werden, lautet ”Warum habt ihr den Krieg angefangen?”

Streitpunkte zwischen Irak und Iran sind in der Vergangenheit durch friedliche Gespräche beigelegt worden und nicht durch Krieg, wie kürzlich 1975, als Algerien half, ein Abkommen über die internationalen Grenzen, den Zugang zum Shatt-al-Arab Wasserweg und nicht-Einmischung in die wechselseitigen internen Angelegenheiten zu schliessen.

Die Reibungen zwischen Iran und Irak haben in Wirklichkeit nicht am 4. September 1980 begonnen. Dieses Datum bezeichnet nur den Beginn der bewaffneten Feindseligkeiten in dem Iran-Irak-Konflikt. Die gegenwärtige Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern steht in direkter Beziehung zu Khomeinis Aufstieg zur Macht. Khomeini schlug einen neuen Weg im alten Streit über Grenzen, Territorium und nicht-Einmischung ein, indem er empfindliche Punkte benutzte, um Zwietracht zu säen.

Grundlegend für den gegenwärtigen Konflikt sind die ideologischen Differenzen zwischen Iran und Irak. Unter Khomeini ist Iran einem Weg des religiösen Fanatismus gefolgt, der keine politischen oder geographischen Grenzen anerkennt für die Ausdehnung seiner Kontrolle und seines Einflusses. Irak auf der anderen Seite vertritt eine Politik des Nationalismus, lehnt die Herrschaft religiöser Elemente in der staatlichen Verwaltung ab und tritt für Freiheit des Glaubens und seiner Ausübung ein und für die Einheit seiner Völker. Diese diametral entgegengesetzten Ideologien sind der Kern des Iran-Irak-Krieges.

Beinahe unmittelbar nach seiner Machtergreifung begann Khomeini, sich auf den Sturz der irakischen Regierung als den ersten logischen Schritt seiner expansionistischen Politik zu konzentrieren. Es folgte eine langsame, aber wohl überlegte Serie von Provokationen, die im Juni 1979 mit der Ablehnung des Abkommens von Algier 1975 begann. Khomeini befreite sich von den Einschränkungen dieses Abkommens unter dem Vorwand, dass es von dem Shah getroffen und von den Vereinigten Staaten gesponsert wurde. Das Abkommen von Algier und die folgenden Protokolle sahen eine definitive Festlegung der Grenzen und die strikte Einhaltung der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten vor durch gemeinsame, zu diesem Zweck eingerichtete Komitees. Khomeini missachtete das Abkommen von Algier, die auf ihm beruhenden Bestimmungen und weigerte sich, sie durchzuführen. Khomeinis Missachtung für dieses Abkommen brachte die Arbeit der Komitees zum Stillstand.

Während die irakische Regierung ihre Gesten des guten Willens gegenüber der neuen iranischen Regierung vermehrte und die Entwicklung guter Beziehungen ermutigte, verurteilten die Vertreter Khomeinis öffentlich die irakische Regierung und verlangten die Treue der irakischen Moslems, wodurch sie Zwietracht unter den Moslems von Irak säten und zwischen irakischen Moslems und Nicht-Moslems. Als Irans Rhetorik gegen die irakische Führung weiterging, schlugen irakische Vertreter vor, sich mit iranischen Führern zu treffen, um die bilateralen Beziehungen zu diskutieren. In seiner Ansprache vom 17. Juli 1980 hob Präsident Saddam Hussein seine Unterstützung für das iranische Volk hervor und gab seinem Wunsch Ausdruck für gegenseitige Kooperation zwischen den beiden Ländern. Die irakische Regierung lud den Premierminister der iranischen provisorischen Regierung zu Gesprächen ein. Diese Einladung wurde zwei Wochen später vom Vize-Vorsitzenden des irakischen Revolutionsrates, Izzat Ibrahim, erneuert.

Auf der Gipfelkonferenz der Blockfreien im Herbst 1979 traf Präsident Saddam Hussein mit dem iranischen Aussenminister bei zwei Gelegenheiten zusammen, um erneut Iraks Anstrengungen zu bekräftigen, Beziehungen der Kooperation zwischen den beiden Ländern herzustellen. Bei den Vereinten Nationen sprach der irakische Aussenminister gegenüber seinem iranischen Kollegen eine weitere Einladung zu Gesprächen über die iranisch-irakischen Beziehungen aus. Der irakische Botschafter in Teheran besuchte den iranischen Präsidenten, überbrachte Iraks Grüsse und seine eigenen besten Wünsche zum Erfolg des Präsidenten, die Beziehungen zwischen Iran und Irak in die richtige Richtung zu lenken, das heisst Nichteinmischung in einheimische Angelegenheiten des anderen Landes.

Trotz Iraks freundlichen Annäherungsversuchen bestand die iranische Führung auf ihrer feindlichen Haltung. Den ganzen März 1980 hindurch blieben iranische Regierungsvertreter dabei, das irakische Volk zu warnen: ”Hütet euch vor der Ba’ath Partei und der irakischen Führung!” Khomeini gab Ende März eine Erklärung ab, in der er die Jugend und das Militär in Irak aufforderte, gegen ihre Regierung zu rebellieren und Helden in einer Schlacht zu werden, Irak von der Ba’ath Partei zu befreien und den arabischen Nationalismus auszulöschen.

In einer Rede, die sein Sohn vortrug, am 21. März 1980 legte Khomeini Irans Position fest: ”Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um unsere Revolution in andere Teile der Welt zu exportieren. Lasst uns die Idee aufgeben, unsere Revolution in unseren eigenen Grenzen zu halten..”

Iran überliess seine Botschaft jedoch nicht dem Zufall. ”Irak ist persisch,” sagte Irans Präsident am 7. April 1980, mehr als fünf Monate vor Beginn des Krieges. ”Aden und Baghdad gehören uns,” sagte der iranische Aussenminister Qotob Zada am 8. April. Zada ging in seinen Bemerkungen am folgenden Tag noch einen Schritt weiter, als er sagte, dass seine Regierung ”beschlossen (habe), die irakische Regierung zu stürzen”.

Khomeini wiederholte und erweiterte dieses Thema jede Woche im April. In einer leidenschaftlichen Radio-Ansprache griff er Präsident Hussein heftig an und forderte die irakische Armee auf, zu rebellieren und ihre Regierung zu stürzen. Er klagte die irakische Armee an, den Islam zu bekämpfen und erklärte erneut die Notwendigkeit der Revolution, auf Bagdad zu marschieren. In einem direkten Aufruf sagte Khomeini: ”Das irakische Volk sollte sich selbst aus den Klauen des Feindes befreien. Es sollte seine nicht-islamische Partei in Irak stürzen.”

Die Unversöhnlichkeit der iranischen Position zeigte sich bei mehreren Gelegenheiten. Anfang Mai 1980 behauptete der iranische Präsident, dass es keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Iraks wäre, nach Bagdad zu gehen, um das irakische Volk ”zu befreien”, weil ”wir die islamische Nation als unteilbar ansehen, und der Imam (Khomeini) ist der religiöse Führer für uns wie für Irak und für alle islamischen Völker. (Der Imam) fühlt, dass er sowohl für Irak als auch für Iran verantwortlich ist”.

Der Aussenminister Zada sprach auf einer Pressekonferenz in Abu Dhabi, wo er an seiner Position gegenüber dem Irak festhielt und sagte: ”Wir akzeptieren keine Vermittlung oder einen Dialog mit dem kriminellen (irakischen) Regime … es muss verschwinden, und das Volk von Irak will seine Regierung stürzen.” In einer Radioansprache in Teheran ein paar Tage später sagte Zada, dass ”wir uns mit dem Ba’ath Regime nicht einigen können … weil es Unterdrückung gegen das moslemische Volk im Irak praktiziert”.

Seit das iranische Regime an der Macht ist, hat es in der Tat eine Serie provokativer Akte gegen die Regierung und das Volk von Irak unternommen. Ende 1979 zum Beispiel begann Iran eine Serie von Angriffen auf diplomatische, konsularische, kulturelle und Handels-Missionen des Irak. Das Personal der irakischen Botschaft in Teheran, seine Konsulate in Muhamara (Khorramshahr) und Kermanshah, irakische Schulen im Iran und das Büro der irakischen Luftfahrtgesellschaft in Teheran waren alle verbalen und physischen Akten von Aggression ausgesetzt.

Viele Demonstrationen, stillschweigend oder auf andere Weise von den iranischen Behörden gebilligt, fanden vor der Botschaft statt, wobei Fotos von Präsident Hussein verbrannt wurden und ”Tod den irakischen Führern und der Ba’ath Partei” gerufen wurde. Mit diesen Szenen sind die Amerikaner vertraut, die sahen, wie ihre Botschaft von eben diesen gewalttätigen und fanatischen Mengen übernommen wurde.

Am 7. Oktober 1979 verlangten die iranischen Behörden von Irak, seine Konsulate in Muhamara und Kermanshah innerhalb von drei Monaten zu schliessen. Weniger als eine Woche darauf wurde das Generalkonsulat in Muhamara einer derben Behandlung unterzogen. Türen und Fenster wurden zerschlagen, Angestellte wurden angegriffen und Akten beschädigt. Ähnliche Angriffe geschahen bei drei anderen Gelegenheiten. Am 1. November wurden die irakische Fahne und die Fotos von Präsident Hussein herabgenommen und zerrissen und die diplomatische Posttasche gewaltsam entwendet. Am 11. Januar 1980 beschlossen die iranischen Behörden, die Konsulatsangestellten in diesen beiden Städten zu deportieren, bevor die genannte Frist abgelaufen war. Viele Angestellte wurden misshandelt und brutal geschlagen.

Ähnliche Provokationen fanden an irakischen Schulen im Iran statt. Die Aufenthaltserlaubnisse für irakische Lehrer wurden nicht erneuert, Schulen wurden von den Revolutionären Garden gestürmt und sowohl Studenten als Lehrer wurden angegriffen. Die Lehrer wurden deportiert und daran gehindert, ihre persönlichen Besitztümer mitzunehmen; und einige wurden sogar verhaftet und verhört, bevor sie für die Deportation freigegeben wurden.

Als Irak den iranischen Behörden Proteste gegen diese feindlichen Akte überreichte, ging die Aggression unvermindert weiter, sogar innerhalb irakischen Territoriums. An den östlichen Grenzen des irakischen Territoriums und Luftraums gab es Verletzungen; Bombardierungen von Aussenposten und Grenzdörfern, einschliesslich Entführungen, Sabotage, Angriffe auf irakische Patrouillen und Grenzwachen, sowie Verletzung irakischer Territorial-Gewässer sowie Aggressionen gegen irakische und ausländische Schiffe.

Terroristische Akte tief in Irak verursachten Tod und Verletzung unschuldiger Bürger, einschliesslich von Frauen und Kindern. Allein im April 1980 wurden Handgranaten auf dem Campus der Al-Mustansiriyah Universität, in der Hauptstadt Bagdad gegen eine Studentenversammlung geworfen; Bomben wurden auf die Beerdigungsprozession für die Opfer von der Versammlung an Al-Mustansiriyah geschleudert; Mordanschläge wurden auf den stellvertretenden Ministerpräsidenten Tariq Aziz und den irakischen Minister für Kultur und Information Latif Jassim verübt.

Von Februar 1979 (als Khomeini an die Macht kam) bis zum Ausbruch des bewaffneten Konflikts im September 1980 gab es 941 Übergriffe gegen den Irak. Irak benachrichtigte den Generalsekretär der Vereinten Nationen, die Organisation der Islamischen Konferenz, den Vorsitzenden der Blockfreien Bewegung und die Organisation der Amerikanischen Staaten und protestierte gegen diese Provokationen bei mehr als 145 verschiedenen Anlässen.

Darüberhinaus hat die irakische Botschaft in Teheran regelmässig das iranische Aussenministerium kontaktiert, und auch der iranische Botschafter in Bagdad wurde häufig zu Treffen mit verschiedenen hohen irakischen Beamten zitiert. Irans Entschluss, in die inneren Angelegenheiten Iraks sich einzumischen, fuhr fort, die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarn zu unterminieren. Khomeinis Behinderung und schliessliche Schliessung des Shatt-al-Arab Wasserwegs im September 1980 war eine sehr ernste Einschüchterung Iraks, denn diese Wasserstrasse ist von hoher strategischer Bedeutung für Iraks Zugang zum Meer. Ohne sie wäre Irak fast vollständig vom Meer abgeschlossen. Die Bedeutung des Shatt-al-Arab für Irak ist seit den frühen 1960-er Jahren ständig gestiegen, als die Erdöleinkünfte eine wertvolle Quelle für das Nationalbudget Iraks wurden. Ein zugänglicher Shatt-al-Arab ist auch für den irakischen Handel äussert wichtig und somit für die Entwicklung des Landes.

Irans Verhalten gegenüber Irak eskalierte zu noch nie dagewesenen Gewaltausmassen nach dem 4. September 1980. Vier Grenzstädte wurden ständig von iranischer schwerer Artillerie beschossen. Die Nähe grosser irakischer Städte zur Iran-Irak-Grenze machte sie besonders verletzlich für iranische militärische Initiativen. Dicht besiedelte Städte und Dörfer im Zain-al-Qaws Gebiet wurden beschossen. Die Zahl der Toten und der Schäden an Eigentum waren verheerend.

Wiederholte irakische Aufforderungen, dass Iran unverzüglich seine militärischen Einheiten von irakischem Gebiet abziehe, insbesondere aus Zain-al-Qaws und Saif Saad (die in allen internationalen, für beide Länder verbindlichen Grenzabkommen – einschliesslich dem Abkommen von 1975 – als irakisches Territorium bezeichnet werden), und seinen Beschuss irakischer Grenzstädte und -dörfer einstelle, wurden nicht beantwortet. Khomeini war unnachgiebig und bestätigte seine feste Haltung.

”Wie können wir uns mit Saddam Hussein versöhnen?” fragte er im Herbst 1980. ”Es gibt keine Versöhnung mit diesen irakischen Ba’athisten, weil unser Ziel der Islam ist und deren Ziel dem Islam zuwiderläuft.” Wie die Vereinigten Staaten ist Irak ein säkularer Staat und die volle Freiheit der Religion und ihrer Ausübung ist für alle Bürger gesetzlich garantiert; und es gibt eine entschiedene Trennung von ”Kirche und Staat”.

Die zuvor diskutierten Ereignisse, die vor dem bewaffneten Konflikt zwischen den beiden Parteien stattfanden, zeigen deutlich, dass Iran die Partei war, die die Klauseln des Algier-Vertrags von 1975 verletzte, indem es weiterhin an der Besatzung der Territorien, die laut jenem Vertrag an Irak zurückgegeben werden sollten, festhielt, den Flussverkehr unterbrach und sich aggressiv in die inneren Angelegenheiten Iraks einmischte.

Das Abkommen von 1975 legte eindeutig fest (Artikel 4), dass falls eine der beiden Vertragsparteien irgendeinen Artikel des Vertrages verletze, der gesamte Vertrag null und nichtig werde.

Iran verletzte den Vertrag, nicht nur durch die feindlichen Verlautbarungen hoher Beamter, die ihn als ”kaiserlichen Vertrag” abtaten, sondern auch durch die Einmischung in die inneren Angelegenheiten Iraks. Da der Vertrag von Algier praktisch und bewusst von Iran beendet wurde sowie der Häufung verbaler und physischer Attacken gegen den Irak, wodurch als Ergebnis die Opfer der Aggression immer grösser wurden, blieb Irak kaum eine andere Wahl, als seine territoriale Integrität zu schützen, die Einheit seines Volkes und die Stabilität seiner Regierung zu sichern.

In einer Adresse an das irakische Volk am 28. September 1980 untersuchte Präsident Hussein den Konflikt mit Iran: ”Wir betonten gegenüber der ganzen Welt, dass Irak keine Absichten auf iranisches Territorium habe, und dass wir keineswegs beabsichtigen, einen Krieg mit Iran zu beginnen oder den Kreis des Streites auszuweiten, abgesehen von der Verteidigung unserer Rechte und Souveränität … Wir möchten gerne dem iranischen Volk versichern, dass wir keine Absicht haben, in seine Rechte einzugreifen, Forderungen auf irgendwelche Territorien zu erheben oder das Volk oder die iranische Armee zu erniedrigen … Wir hoffen, dass das iranische Regime aus dieser Lektion Nutzen ziehen werde … und ehrlich mit den Ländern der Region zusammenarbeiten werde in Übereinstimmung mit dieser ehrenhaften, unabhängigen Absicht. Dies wird dann Iran seine legitimen Interessen garantieren, seine Sicherheit und Stabilität konsolidieren und es von der Politik der Aggression und der Abenteuer fernhalten, die ihm nur Verluste und Katastrophen gebracht haben.”

Quelle: LAGAUCHE IS RIGHTIRAN/IRAQ CONCEPTIONS AND MISCONCEPTIONS

Originalartikel veröffentlicht am 23.7.2009

Über den Autor

Einar Schlereth und Fausto Giudice sind Mitglieder von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Lektor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8399&lg=de

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Written by mohart

22. August 2009 um 07:35

Veröffentlicht in Naher Osten, Terror / Krieg, USA, Wirtschaft

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