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Netanyahu sollte zugeben, dass Israel keinen Frieden wünscht

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von Gideon Levy

Morgen sind es sechs Monate, seitdem der Ministerpräsident seine Außenpolitikrede in der Bar-Ilan-Universität gehalten hat. Jetzt ist die Zeit reif für eine andere historische Rede. In nächster Zukunft benötigt der Ministerpräsident die richtige Zuhörerschaft, den richtigen Ort, um die Rede seines Lebens zu halten: wir wollen keinen Frieden, sollte er sagen und würde damit in die Geschichte eingehen, als der erste israelische Führer, der die Wahrheit, die ganze Wahrheit sagt . Im Gegensatz zur oberflächlichen Rede der „Zwei Staaten für zwei Völker“. Dieses Mal würden seine Bemerkungen voller Bedeutungen sein und die wirkliche Absicht zeigen. Die Rede würde Vertrauen wecken und mehr als ein bisschen Sympathie für einen Mann, der die Wahrheit spricht.

Sie wären nicht noch einmal in der Lage, den Ministerpräsident Netanyahu wegen verbaler Taschenspielertricks fertig zu machen. Es ist nicht länger nötig, ermüdende und lächerliche Manöver zu führen. Statt hoffnungslos wegen so vielem Zwinkern und Nicken sein Gesicht zu verziehen, kann er damit endlich aufhören.

In seiner Rede werden wir hören, was sich verändern wird. Es werden Netanyahus und Israels Täuschungen aufhören. Die Wahrheit wird befreien. Solch ein Schritt wird den Ministerpräsidenten von internem und internationalem Druck befreien. Es ist kein weiteres Einfrieren des Siedlungsbaus nötig; in der nächsten Minute werden sie zu „nationalen Prioritätszonen“ erklärt. Da werden keine weiteren sich entschuldigende Inspektoren auf bizarren Trecks durch die Westbank gesandt. Es werden keine weiteren Baustopporder vor den Kameras zerrissen und behauptet, wir seien ein Rechtsstaat. Dass es dort einen Baustopp gebe, im nächsten Augenblick wird aber massiv weitergebaut.

Die Siedler haben keinen Grund, ihre lächerlichen Proteste zu machen, sich auf die Straßen zu legen und einstimmig zu schreien. Netanyahu muss sie nicht länger „Brüder“ nennen und die Polizei gegen sie aufbringen. Es muss auch nicht länger die Phrase benützt werden „Ohne Vorbedingungen“, während die Situationen vor Ort ständig verändert wurden …

Der Vorhang wird fallen. Die Vorstellung wird zu Ende sein. Dann werden die Make-ups, die Masken und Kostüme abgelegt werden und dann wird man den Pfad der Tugend folgen. Dann wird Netanyahu vielleicht das erste Mal in seinem Leben von der Macht der Wahrheit überzeugt sein.

Ein israelischer Führer, der die Wahrheit spricht, wird sich auch vom internationalen Druck befreien wollen. Die Welt wird begreifen, dass es sich hier um eine tiefe, anhaltende Aufsässigkeit gegen Frieden handelt , die kein Druck überwinden kann. So wird die Welt ihre Hände hochwerfen und sich ergeben. Und einige Araber werden dasselbe tun. Sie werden alle wissen, dass es einen nord-koreanischen Führer in Jerusalem gibt, der so störrisch ist wie ein Esel … die Welt, die Israels Lügen- und Entschuldigungsnetz gekauft hat, hat ihren Mund nicht auf gemacht. Dies schließt Europa ein, das unfähig ist, eine einzige feste und mutige Entscheidung zu treffen und Amerika, das nach der Pfeife der jüdischen Lobby tanzt – auch sie werden froh sein, von dieser Lügenbürde befreit zu sein.

Weil dies die Wahrheit ist: wir wollen keinen Frieden. So einfach ist das. Es ist gut für uns, sich in der Situation, wie sie ist, zu suhlen. Es gibt keine terroristischen Angriffe, also sind auch keine Araber da. … Die Gesellschaft liegt im Koma. Sie regt sich nicht auf, sie fragt nicht mal; sie benimmt sich wie eine Herde Schafe. Sie fragt nicht, warum das Bauen eingefroren werden soll, während gleichzeitig mehr und mehr Geld den Siedlungen zugeteilt wird. Sie fragt nicht, warum es für die Westbanksiedlungen von Kiryat Arba ok ist und nicht für Kiryat Shmona. Sie kümmert sich überhaupt nicht darum, was in ihrem Hinterhof geschieht und fragt nicht, warum die ganze Welt gegen uns ist. Sie will nur das Leben genießen. Wer macht sich schon Gedanken über zwei Staaten oder das Ende der Besatzung?.

Netanyahu sollte diese Wahrheit in seiner profilierten Rede aussprechen.

Nachdem wir von der Bürde von Lug und Trug befreit sind, können wir ohne Behinderung das ansehen, was wir wirklich tun wollen: in den (besetzten) Gebieten zu bauen und zu bauen und für immer auf jedem Hügel und in jedem Tal und auf den Golanhöhen und natürlich an den „Heiligen Stätten“ zu bleiben. Alles sind heilige Stätten. Und wir wollen die Besatzung verstärken und zu den Palästinensern sogar noch grausamer sein.

Vielleicht werden sie dann endlich unseren Traum erfüllen und verschwinden. Wir können noch mehr rassistische Gesetze verabschieden und einstimmig gegenüber dem syrischen Präsidenten ‚nein’ sagen, der uns mit seinem Wunsch nach Frieden verrückt macht; auch ‚nein’ gegenüber dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas, der verzweifelt Fehlschläge hat. Wir können die restlichen guten Absichten des US-Präsidenten Barack Obama vollkommen unterdrücken , wie wir das so gerne tun würden.

Netanyahu sprich die Wahrheit und du wirst sehen, was eine gute Rede bewirkt.
Gideon Levy Gideon Levy ist israelischer Journalist aus Tel Aviv und arbeitet für die Tageszeitung Ha’aretz unter anderem als Chefredakteur der Wochenendbeilage. Er gehört zu den wenigen israelischen Journalisten, die über das Leben der Palästinenser unter der israelischen Besatzung berichten, und ist wegen seiner kritischen Berichte, Angriffen seitens der israelischen Leser und Kollegen ausgesetzt.

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT auf www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von: Ellen Rohlfs

Quelle: znet

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Written by mohart

20. Dezember 2009 um 10:53

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