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Lasst die Machteliten ihre Kriege selber führen!

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Ein Soldat aus Estland, der schon mit der sowjetischen Armee geschlagen aus Afghanistan abziehen musste, scheint auch nicht an einen Sieg der US- und NATO-Truppen am Hindukusch zu glauben.

Soldat aus Estland hat schon einmal in Afghanistan gekämpft
– für die Sowjets
Von Heath Druzin
STARS AND STRIPES, 26.12.09
( http://www.stripes.com/article.asp?section=104&article=66878 )

DISTRIKT NAD ALI, Afghanistan – Ravo Hirvesoo hatte keine Wahl: Wenn er sich geweigert hätte, in Afghanistan zu kämpfen, wäre er ins Gefängnis gekommen und hätte dann doch in Afghanistan kämpfen müssen.

So ging der 18-Jährige gleich nach Zentralasien und erduldete zwei Jahre lang Hinterhalte, verdorbenes Essen und Eiseskälte oder Gluthitze in unzulänglicher Kleidung.

Damals kämpfte er wie heute in Afghanistan, aber unter einer anderen Fahne in einem anderen Krieg, den viele Experten als warnendes Vorzeichen für die gegenwärtige, wenig erfolgreiche NATO-Operation ansehen.

Im Jahr 1985 kämpfte Hirvesoo für die Sowjetunion. Er kämpfte in einem verlorenen Krieg, der den Zerfall der Sowjetunion einleitete, den er wie der größte Teil seiner Mitbürger in Estland begrüßte.

Hirvesoo ist jetzt ein 42-jähriger Unteroffizier, der einen gepanzerten Mannschaftstransporter fährt; mit einem Kontingent der Armee Estlands befindet er sich auf seiner vierten Tour in Afghanistan, diesmal als Freiwilliger. „Als die sowjetische Armee Afghanistan verlassen hat, ist er hier geblieben und hat später einfach die Uniform gewechselt,“ scherzte sein Freund.

Zwei Jahre lang fuhr Hirvesoo für die Sowjets einen Funkwagen quer durch Afghanistan. Während der Kampfeinsätze, die ohne Unterbrechung bis zu sechs Wochen dauerten, schlief er auch in der Winterkälte ohne Schlafsack oder Decke in seinem ungeheizten Fahrzeug, dessen Heizung er nicht laufen lassen konnte, weil er den Mudschaheddin sonst seine Position verraten hätte. Das Essen bestand aus einer Schüssel Reis, in der sich manchmal auch ein paar Fleischbrocken fanden; Schutzwesten gab es keine, dafür aber reichlich Angriffe.

„Ich habe mich von Tag zu Tag gerettet und versucht, am Leben zu bleiben,“ sagte Hirvesoo.

Als Hirvesoo nach Hause zurückkehrte, wurde ihm sogar die bescheidene Belohnung verweigert, die ihm für seinen Dienst versprochen worden war – die Möglichkeit eine Wohnung zu mieten oder ein Auto zu kaufen, was unter den Kommunisten nur schwer möglich war.

Das einzige positive Ergebnis seines Kriegseinsatzes war seine Ausbildung zum Lastwagenfahrer. Auch als Zivilist fuhr Hirvesoo bis 1995 Lastwagen, bis er sich für einen Einsatz in Kroatien wieder der Armee anschloss; jetzt diente er aber unter der Fahne des kurz zuvor unabhängig gewordenen Staates Estland. 2003 trat er erneut in die Armee ein – diesmal endgültig, wie er sagt – und begann 2006 den ersten von seither vier Einsätzen in Afghanistan.

Trotz seiner traumatischen Erlebnisse in der sowjetischen Armee habe er sich immer zum Militärdienst berufen gefühlt und sei deshalb auch wieder Soldat geworden, erklärte Hirvesoo. Auch diesmal fährt er wieder einen Lastwagen, einen in Finnland gebauten gepanzerten Mannschaftstransporter.

„Ich habe den Militärdienst schon immer geschätzt, konnte ihn mir aber vorher nicht aussuchen,“ meinte er.

Er sieht große Unterschiede zwischen dem gegenwärtigen Konflikt und dem Krieg der sowjetischen Armee; das fange schon bei den Lebensbedingungen für die Soldaten an, die sich „wie Nacht und Tag“ unterschieden. Die NATO habe aus den russischen Misserfolgen gelernt, dass eine Politik der verbrannten Erde nur die Menschen verbittert und den Aufstand stärkt.

„Damals hat das ganze Volk gegen die sowjetische Armee gekämpft, weil die Russen alles zerstört haben, was ihnen in den Weg kam,“ sagte er. „Unsere heutigen Truppen kapieren, dass uns nicht die ganzen Nation, sondern nur eine Minderheit (von Aufständischen) bekämpft, die wir herauspicken und erschießen müssen.“

Als er aber gefragt wird, wie er die Chancen der NATO einschätzt, in Afghanistan ein besseres Ergebnis als die Sowjets zu erzielen, die sich 1989 eilig zurückziehen und bald darauf den Zusammenbruch ihres Staates erleben mussten, antwortet Hirvesoo nach langem Nachdenken über die unklare gegenwärtige Situation in diesem Land:

„Das ist eine schwierige Frage. Es gibt eine Chance, ich glaube wenigstens, dass es eine Chance gibt, diesen Krieg irgendwie zu beenden.“

Quelle und Übersetzung: luftpost-kl.de

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Written by mohart

4. Januar 2010 um 18:05

Veröffentlicht in Terror / Krieg

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Eine Antwort

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  1. Ohne den Glauben, daß es diesmal wohl besser laufen würde, könnte der Soldat wohl nicht vor sich selbst verantworten, in immer den glaichen Schlamassel verwickelt zu sein.

    Ich nehme an, daß es in Afghanistan ähnlich laufen wird wie einst in Vietnam. Es werden mehr und mehr Truppen entsandt, bis das ganze Abenteuer eben zu teuer werden wird und hastig der Rückzug erfolgen wird.

    mit freundlichen Grüßen

    Saito

    5. Januar 2010 at 18:52


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