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Die Zielfernrohre des US-Militärs sind mit codierten Bibelstellen beschriftet, die an Jesus erinnern

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Pentagon-Lieferant erklärt, er habe schon immer Zitate aus dem Neuen Testament benutzt

Von Joseph Rhee, Tahman Bradley und Brian Ross ABC News, 18.01.10

ABC News hat herausgefunden, dass Hochleistungs-Zielfernrohre, die eine Firma aus Michigan an das US-Militär ausliefert, mit codierten Bibelstellen aus dem Neuen Testament beschriftet sind, die an Jesus Christus erinnern.

Die Zielfernrohre werden von US-Truppen im Irak und in Afghanistan verwendet und auch bei der Ausbildung irakischer und afghanischer Soldaten eingesetzt. Mit dem Fernrohr-Hersteller Trijicon wurde ein Mehrjahresvertrag über 660 Millionen Dollar abgeschlossen, der die Belieferung der Marineinfanterie mit bis zu 800.000 Zielfernrohren vorsieht; ein zusätzlicher Vertrag regelt die Belieferung der US-Army.

Nach den Vorschriften des US-Militärs ist im Irak und in Afghanistan jede religiöse Beeinflussung untersagt, um die Kritik zu vermeiden, die USA unternähmen mit ihrem Krieg gegen Al-Qaida und (muslimische) Aufständische einen religiös motivierten „Kreuzzug“.


Foto-Montage aus INFORMATION CLEARING HOUSE

Die Aufschrift „2COR4:6“ auf den Zielfernrohren weist offensichtlich auf den 2. Brief an die Korinther, Kapitel 4, Vers 6 im Neuen Testament hin. Der Vers lautet: „Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.

Andere Aufschriften verweisen auf Bibelstellen aus der Offenbarung (des Johannes) oder aus den Evangelien des Matthäus und des Johannes, in denen Jesus als „das Licht der Welt“ bezeichnet wird. Die Aufschrift „JN8:12“ auf einem Zielfernrohr (s. Bild) verweist auf das Evangelium des Johannes, Kapitel 8, Vers 12. Dieser Vers lautet: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Der Hersteller Trijicon bestätigte ABC News.com, dass die an das US-Militär gelieferten Zielfernrohre mit codierten Bibelstellen beschriftet werden. Tom Munson, der Verkaufs und Marketing-Direktor der in Wixom, Michigan, angesiedelten Firma Trijicon, erklärte, die Aufschriften seien „schon immer angebracht worden“, und er könne in dieser Praxis nichts Falsches oder Ungesetzliches erkennen. Eine Gruppe, die „nicht christlich“ sei, habe ein Problem daraus gemacht. Die Firma teilte mit, diese Praxis habe ihr Gründer Glyn Bindon, ein frommer Christ aus Südafrika, eingeführt, der 2003 bei einem Flugzeugunglück umgekommen ist.

„Das verstößt gegen die Verfassung“

Auf ihrer Website verkündet die Hersteller-Firma folgenden Wahlspruch: „Eingedenk unserer Werte sind wir bestrebt, unsere Produkte für Situationen herzustellen, in denen Präzisions-Zielgeräte zum Schutz der persönlichen Freiheit gebraucht werden.“

„Wir glauben, dass Amerika dann großartig ist, wenn seine Menschen gut sind,“ heißt es auf der Website. „In unserer Geschichte ist diese positive Einstellung immer aus der Bibel erwachsen, und wir bemühen uns, deren moralischen Geboten auch weiterhin zu folgen.“

Sprecher der US-Army und der Marineinfanterie erklärten, dass beide Teilstreitkräfte von den versteckten Hinweisen auf Bibelstellen nichts gewusst hätten. Sie teilten mit, dass nach dem Bericht in ABC News.com jetzt darüber diskutiert werde, ob etwas unternommen werden müsse. Es ist nicht bekannt, wie viele Trijicon-Zielfernrohre zurzeit beim USMilitär in Gebrauch sind.

Die Hinweise auf Bibelstellen erscheinen auf den Advanced Combat Optical Guides / ACOGs (auf den hochentwickelten optischen Zieleinrichtungen für den Kampf) der Firma in der gleichen Schriftart und Größe wie die Seriennummern.

Das Foto von einer Website des Verteidigungsministeriums (s. o.) zeigt einen irakischen Soldaten, der von einem US-Ausbilder im Gebrauch eines Gewehres unterwiesen wird, auf das ein Zielfernrohr mit einem codierten Hinweis auf eine Bibelstelle montiert ist.

„Das ist unzulässig, verstößt gegen die Verfassung und verletzt mehrere Bundesgesetze,“ erklärte Michael „Mikey“ Weinstein von der Military Religious Freedom Foundation (von der Stiftung Religionsfreiheit beim Militär), einer Anwaltsvereinigung, die sich darum bemüht, die Trennung von Kirche und Staat auch beim Militär zu sichern.

„Die Gewehre des Jesus Christus“

„Da können die Mudschaheddin, die Taliban, Al-Qaida, die Aufständischen und die Dschihadisten doch behaupten, es werde mit Jesus-Gewehren auf sie geschossen,“ fügte er hinzu.

Weinstein, ein Rechtsanwalt und ehemaliger Offizier der Air Force, teilte mit, viele Mitglieder seiner Vereinigung, die zurzeit beim Militär dienen, hätten sich über die Aufschriften auf den Zielfernrohren beklagt. Er behauptete auch, von ihnen gehört zu haben, dass Kommandeure Gewehre mit diesen Zielfernrohren als „von Jesus Christus inspirierte Waffen“ bezeichnet hätten.

Er vertrat die Meinung, dass diese codierten Hinweise auf die Bibel denjenigen in die Hände spiele, die diese Kriege „als Kreuzzüge“ bezeichnen.

Nach Angaben von FedSpending.org, einer die Ausgaben der Regierung überwachenden Gruppe, hat die Firma Trijicon im Haushaltsjahr 2008 Regierungsaufträge für mehr als 100 Millionen Dollar abgewickelt. Die Website Defense Industry Daily hat berichtet, dass die Firma aus Michigan auch im Juli 2009 vom Pentagon einen Auftrag über 33 Millionen Dollar für die Zieloptik eines neuen Maschinengewehrs erhalten hat. Der Gewinn, den die Firma aus Geschäften mit dem US-Militär erzielen konnte, stieg ab 2005 sprunghaft an, als sie einen langfristigen Auftrag zur Belieferung der Marineinfanterie mit Zielfernrohren über 660 Millionen
Dollar bekam.

„Das ist wahrscheinlich das beste Beispiel für die Verletzung des Verfassungsgebots zur Trennung von Kirche und Staat in diesem Land,“ sagte Weinstein. „Es richtet praktisch die Waffen des fundamentalistisch ausgerichteten Christentums gegen die Menschen, die wir bekämpfen. Damit werden die Feinde nur ermutigt.“

Quelle und Übersetzung: Wolfgang Jung, luftpost-kl.de

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Written by mohart

22. Januar 2010 um 16:35

Veröffentlicht in USA

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