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Archive for the ‘Asien / Ozeanien’ Category

Die Behauptung, vom Iran gehe eine atomare Bedrohung aus, ist eine Lüge

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Der australische Journalist John Pilger zeigt auf, wie die Weltöffentlichkeit auf einen endlosen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und der NATO eingestimmt wird, der mit einem Angriff auf den Iran fortgesetzt werden soll.

Obamas Anfeindungen gegen den Iran verfolgen eine andere Absicht: Mit Hilfe der Medien soll die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg vorbereitet werden
Von John Pilger
NEW STATESMAN, 01.10.09
( http://www.newstatesman.com/international-politics/2009/10/iran-nuclear-pilger-obama )

Im Jahr 2001 veröffentlichte der OBSERVER eine Reihe von Berichten, in denen behauptet wurde, es bestehe eine „irakische Connection“ zu Al-Qaida; darin wurde sogar die Basis im Irak beschrieben, in der Terroristen ausgebildet würden, und eine Einrichtung genannt, in der Anthrax (Milzbrand) als (biologische) Massenvernichtungswaffe hergestellt werde. Das war alles falsch. US-Geheimdienste und Exiliraker hatten erfundene Geschichten in britische und amerikanische Medien lanciert, die es George Bush und Tony Blair ermöglichten, eine illegale Invasion zu starten, die nach neuesten Studien 1,3 Millionen Iraker das Leben gekostet hat.

Fotomontage: Global Research

Eine ähnlich Kampagne läuft jetzt gegen den Iran: die gleiche Serie von „Enthüllungen“ durch Regierungen und Medien, das gleiche Gerede über eine Krise. „Wegen einer geheimen Atomanlage zeichnet sich ein Showdown mit dem Iran ab“, erklärte der OBSERVER am 26. September. „Showdown“ (Kraftprobe) ist das neue Thema, High Noon (Anlehnung an den Western „Zwölf Uhr mittags“) zeichnet sich ab. Die Uhr tickt. Das Gute kämpft gegen das Böse. Ein neuer verbindlicherer US-Präsident hatte doch versprochen, die Bush-Jahre auszulöschen. Erinnern wir uns an die berüchtigte Titelseite des GUARDIAN vom 22. Mai 2007: „Irans heimlicher Plan für eine Sommeroffensive zur Vertreibung der US-Truppen aus dem Irak“. Ihr Autor Simon Tisdall berief sich auf haltlose Behauptungen aus dem Pentagon über einen iranischen „Kriegsplan“, nach dem die US-Streitkräfte im September (2007) angegriffen und aus dem Irak vertrieben werden sollten; das war nachweislich eine Falschmeldung, die aber nie dementiert wurde. (THE OBSERVER und THE GURDIAN sind britische Zeitungen.)

Im offiziellen Jargon heißt diese Art Propaganda „Psy-Ops“, das ist das militärische Kürzel für „Psychologische Operationen“. Im Pentagon und in Whitehall sind sie zu einem wichtigen Bestandteil einer diplomatischen und militärischen Kampagne geworden, die den Iran blockieren, isolieren und schwächen soll; eine angeblich vom Iran ausgehende „atomare Bedrohung“ wird von Barack Obama und Gordon Brown systematisch aufgebauscht, und von der BBC und den anderen Medienanstalten als objektive Nachricht nachgeplappert und verbreitet. Dabei ist auch das wieder eine Fälschung.

Die Drohung ist einseitig

Am 16. September gab (das US-Nachrichtenmagazin) NEWSWEEK bekannt, dass die wichtigsten US-Geheimdienste dem Weißen Haus berichtet hätten, der „atomare Status“ des Irans habe sich seit der National Intelligence Estimate (der Einschätzung der nationalen Geheimdienste) vom November 2007 nicht verändert; damals wurde mit „ziemlicher Sicherheit“ festgestellt, dass der Iran 2003 sein vermutetes (Atomwaffen-)Programm eingestellt habe. Auch die International Atomic Energy Agency / IAEA hat das immer wieder bestätigt.

Die gegenwärtige Propaganda wird ergänzt durch die Ankündigung Obamas, die Vereinigten Staaten verzichteten darauf, Raketen in der Nähe der russischen Grenze aufzustellen. Damit soll nur die Tatsache kaschiert werden, dass sich die Anzahl der in Europa zu stationierden US-Raketen in Wirklichkeit erhöhen wird, weil (mehr als) die Raketen, auf die angeblich verzichtet wurde, auf Schiffen stationiert werden sollen. Russland soll mit diesem Spiel nur dazu gebracht werden, sich der US-Kampagne gegen den Iran anzuschließen oder sie wenigstens nicht zu behindern. Obama verkündete: „Präsident Bush hatte Recht damit, dass die ballistischen Raketen des Irans eine schwere Bedrohung [für Europa und die Vereinigten Staaten] darstellten.“ Dabei ist die Behauptung, der Iran könnte einen selbstmörderischer Angriff auf die Vereinigten Staaten erwägen, einfach absurd. Die Bedrohung ist wie immer sehr einseitig und geht von der einzigen Supermacht der Welt aus, die den Iran umzingelt hat.

Irans Verbrechen ist seine Unabhängigkeit. Da Amerikas Lieblingstyrann Schah Reza Pahlavi von seinem Thron vertrieben wurde, ist der Iran der einzige ölreiche muslimische Staat, der nicht unter US-Kontrolle steht. Weil nur Israel ein garantiertes „Existenzrecht“ , im Nahen Osten haben soll, haben die Vereinigten Staaten die Absicht, die Islamische Republik (Iran) zu schwächen. Wenn Israel nicht länger von einem selbsbewussten Iran behindert wird, kann es auch im Interesse Washingtons den Nahen Osten teilen und beherrschen. Wenn sich irgendein Staat auf der Welt dringend die Fähigkeit zur „atomaren Abschreckung“ verschaffen müsste, dann ist das der Iran.

Als einer der ursprünglichen Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags ist der Iran von Anfang an ein konsequenter Verfechter einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten gewesen. Im Gegensatz zum Iran hat Israel nie einer Inspektion durch die IAEA zugestimmt, und seine Atomwaffenanlage bei Dimona bleibt ein offenes Geheimnis. Trotz seiner etwa 200 einsatzfähigen Atomsprengköpfe hat Israel alle UN-Resolutionen, in denen es zur Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags aufgefordert wurde, zurückgewiesen, ebenso den neuen UN-Report, der es anklagt, in Gaza Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben; obwohl Israel den Weltrekord bei der Übertretung des Völkerrechts hält, ist es immer ungeschoren davon gekommen, weil ihm eine Großmacht den Rücken freihält.

Vorbereitung auf einen endlosen Krieg

Hinter Obamas Kraftprobe mit dem Iran steckt noch ein anderer Plan. Die Medien auf beiden Seiten des Atlantiks sollen die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg einstimmen. General Stanley McChrystal, der Oberkommandierende der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, braucht nach einer Meldung des US-TV-Senders NBC 500.000 Soldaten und mindestens fünf Jahre für einen Sieg. Ziel dieses Krieges ist die „strategische Sicherung“ der Gas- und Ölfelder des Kaspischen Meeres, Zentralasiens, des persischen Golfs und des Irans – mit anderen Worten: die Herrschaft über Eurasien. Aber dieser Krieg wird von 69 Prozent der Briten, von 57 Prozent der US-Amerikaner und von fast allen anderen Menschen abgelehnt. Es wird nicht leicht sein, „uns alle“ davon zu überzeugen, dass der Iran der neue Dämon ist. McChrystals Unterstellung, der Iran „trainiere nach bestätigten Berichten Kämpfer für bestimmte Talibangruppen“, ist dazu so wenig geeignet, wie Browns pathetisches Echo von „der Linie im Sand“. (Der britische Premier wollte damit wohl ausdrücken, dass bald ein Schlussstrich unter die Verhandlungen mit dem Iran gezogen werden müsse.)

Während der Bush-Jahre soll nach Aussage des bekannten Informanten Daniel Ellsberg, in den Vereinigten Staaten ein militärischer Staatsstreich stattgefunden haben, der dem Pentagon entscheidenden Einfluss auf alle Gebiete der US-Außenpolitik verschafft haben soll. Belege für die vom Pentagon ausgeübte Kontrolle sind die Anzahl der gleichzeitig geführten Angriffskriege und die beschlossene Doktrin des „atomaren Erstschlags“, welche die Schwelle zum Einsatz von Atomwaffen gesenkt und die Unterscheidung zwischen konventionellen und atomaren Waffen verwischt hat.

All das lässt Obamas Gerede über „eine Welt ohne Atomwaffen“ als reine Rhetorik erscheinen. In Wirklichkeit ist er die wichtigste Stütze des Pentagons. Seine Entscheidung, Bushs „Verteidigungsminister“, den Erzkriegstreiber Robert Gates, in seine Regierung zu übernehmen, ist einmalig in der US-Geschichte. Gates hat seinen Wert in vergangenen Kriegen vom südlichen Asien bis zum Horn von Afrika bewiesen. Wie das Amerika Bushs wird auch das Amerika Obamas von einigen sehr gefährlichen Leuten beherrscht. Wir sollten gewarnt sein. Wann werden diejenigen, die dafür bezahlt werden, dass die Dinge richtig laufen, ihren Job machen?

(Wir haben den Artikel aus dem britischen Nachrichtenmagazin NEW STATESMAN komplett übersetzt und mit Anmerkungen in runden Klammern versehen. Informationen über den australischen Dokumentarfilmer und Journalisten John Pilger sind aufzurufen unter http://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger .)

Quelle: luftpost-kl.de

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Written by mohart

7. Oktober 2009 at 22:41

Der 11. September 2001 und der Angriffskrieg der USA im Verbund mit den NATO-Staaten

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AUTOR: Brigitte QUECK

Vor genau 8 Jahren erklärte die US-Regierung unter Bush der entsetzten Welt, dass 2 Flugzeuge das Welthandelszentrum in New York attackiert und zum Einsturz gebracht hätten.

Kurze Zeit später behauptete US-Präsident Bush, dahinter würde Bin Laden stecken, der von Afghanistan aus Rache an den Amerikanern genommen hätte und man nannte sogar schon die Täter, die –welcher Zufall—als Beweis dafür sogar ihre Ausweise in der Nähe des WTC liegen gelassen hatten. Wie aber konnte Bush von deren angeblicher Existenz überhaupt wissen, wenn die von ihm genannten Namen nicht einmal auf den Fluglisten der das Welthandelszentrum attackierten Flugzeuge zu finden waren ?!!

Die US-Regierung forderte nach dem 11. September 2001 nun auch im Namen fast aller US-Amerikaner, blutige Rache an den „Terroristen“, die in ihrem Ursprungsland verfolgt und getötet werden müssten. Die USA beriefen sich dabei auf Artikel 51 der UNO-Charta, der „das unveräußerliche Recht auf individuelle oder kollektive Selbstverteidigung“ garantiert, „wenn ein bewaffneter Angriff gegen ein Mitglied der Vereinten Nationen erfolgt“ und riefen ihre NATO-Verbündeten auf, gemäß NATO-Vertrag, Artikel 5, diesen Angriff auf die USA als einen Angriff auf ein Land der NATO-Verbündeten zu betrachten und die NATO am Hindukusch zu „verteidigen“.

Aber auch der NATO-Vertrag ist dem Völkerrecht verpflichtet.

Im Artikel 51 UNO-Charta, auf den sich die USA nach dem angeblichen Überfall seitens Afghanistans auf das Welthandelszentrum beriefen, heißt es nämlich, dass die militärische Abwehr eines Angriffes auf ein Mitglied der Vereinten Nationen nur so lange erfolgen darf „bis der Sicherheitsrat die zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit erforderlichen Maßnahmen getroffen hat“.

Selbst wenn man anheim stellt, dass dieser Angriff auf das Welthandelszentrum von Afghanistan erfolgt sein sollte, stellt der Angriff seitens der NATO auf Afghanistan am 7. Oktober 2001, das zu dieser Zeit keine weiteren Attacken auf die USA unternommen hatte, einen eklatanten Bruch des internationalen Rechts dar !!

Dieser von der NATO gegenüber Afghanistan verkündete “Krieg gegen den Terror“ sollte den Beginn eines Krieges gegen alle Staaten einleiten, die nicht dem Bild der „westlichen Demokratie“ entsprechen.

Thomas Friedmann äußerte sich am 13.9.2001 dazu wie folgt:

„Verstehen meine Landsleute denn wirklich, dass dies der dritte Weltkrieg ist? Und wenn dieser Angriff (auf New York City und Washington) das Pearl Harbour des dritten Weltkriegs ist, dann bedeutet dies, dass wir vor einem langen Krieg stehen.
(Thomas Friedman, ‚New York Times,‘ September 13, 2001)

Jared Israel schrieb dazu unter : http://emperors-clothes.com/german/articles/d-afghan-i.htm einige Tage später:

„Die wichtigsten Vertreter der US Regierung und der Medien haben die Bombardierung des World Trade Center (WTC) und des Pentagon benutzt, um einen internationalen Angstzustand zu erzeugen.

Das hat die engsten Alliierten Washingtons (insbesondere Deutschland und England, jedoch nicht Italien) mit einem Schlag dazu gebracht, sich unbesehen zur Teilnahme an U.S. Vergeltungsmassnahmen bereit zu erklären.

Diese Bombardierung von New York und Washington wurde zusätzlich dazu benutzt, eine äußerst wichtige Frage zu verdrängen: Hat Washington in der Sache einen geheimen Plan? Hat Washington eine Strategie, bei der Vergeltungsbombardierungen nur eine Nebenrolle spielen?

Ein tödliches Szenario entwickelt sich vor unseren Augen. Auf der einen Seite werden die Erklärungen der Regierungsvertreter für die Unfähigkeit oder die mangelnde Bereitschaft zu einer Abwehr-Intervention vor und während der Flugzeugangriffe in New York und Washington, D.C. zunehmend unplausibel und widersprechen sich häufig , auf der anderen Seite überschwemmt das Geschrei nach Krieg die Stimmen der Vernunft.

Eine Regierung, die behauptet, dass sie einerseits keine Kenntnis von sorgfältig organisierten Terroristenangriffen hatte, anderseits behauptet, nicht gewusst zu haben, wie damit umzugehen – diese Regierung ruft nun dazu auf, die vorher nicht wahrgenommenen Angreifer „auszulöschen“; in den Worten des stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz: „den Staaten, die Terrorismus unterstützen, ein Ende bereiten“.

Henry Kissinger meint (‚Los Angeles Times,‘ 14.9.01), dass angebliche Terroristen Netze, wo immer sie seien, mit Stumpf und Stil ausgerissen werden müssen.. Der ehemalige israelische Premier-Minister Netanyahu schreibt einen Aritkel mit dem Titel: „Regierungen, die Terroristen unterstützen sind zu zerstören“ (‚Jerusalem Post,‘ 14.9.01). Und um das Niveau der internationalen Einschüchterung noch um einen Grad hochzutreiben, haben wir R.W.Apple, Jr. In der ‚Washington Post‘ (14.9.01):

„In dieser neuen Art von Krieg…gibt es keine neutralen Staaten oder geographischen Grenzen. Wir oder die andern. Man ist entweder mit uns oder gegen uns.“

Zu Beginn wurden einige Staaten bedroht – als sogenannte “ den Terrorismus unterstützende Staaten“, die nicht mit uns sind, also gegen uns sein müssen: Cuba, Iran, Iraq, Libyen, Nordkorea, Sudan und Syrien. Obwohl sich diese Staaten in der überwiegenden Anzahl von Merkmalen unterscheiden, insbesondere betreffend der politischen Ideologie, gleichen sie sich tatsächlich in dreierlei Hinsicht: Alle haben Jahrzehnte unter der Feindschaft von US Regierungen gelitten, sie haben alle säkulare Regierungen, sie haben alle keine Beziehungen zu Osama bin Laden.
In seinem Artikel „Dem Krieg eine Chance“ (‚Philadelphia Inquirer‘) warnt David Perlmutter, dass diese Staaten, falls sie die Wünsche Washingtons nicht erfüllen:

„sich vorbereiten müssen auf die systematische Zerstörung aller Kraftwerke, aller Ölraffinerien, aller Ölpipelines, aller Militärstützpunkte, aller Regierungsgebäude im ganzen Land … vorbereiten müssen auf den vollständigen Zusammenbruch ihrer Wirtschaft und Regierung für die Dauer einer ganzen Generation.“

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, die USA wollten einen vielseitigen Kampf beginnen gegen Terroristen – Organisationen und gegen bis zu 60 Länder, von denen angenommen wird, dass sie dieselben unterstützen.

Die Drohung, bis zu einem Drittel aller Länder der Welt zu bombardieren, hat viele Menschen verängstigt. Genau das, so glauben wir, ist die Absicht….

Die Einschüchterungstaktik soll von der wirklichen Strategie Washingtons ablenken, die weit gefährlicher ist, als die Drohung, viele Länder zu bombardieren. Washington will Afghanistan einnehmen, um den angestrebten Prozess der Pulverisierung der ehemaligen Sowjetunion voranzutreiben, in der gleichen Art, wie Washington das ehemaligen Jugoslawien pulverisiert hat. Das bedeutet die größtmögliche Gefahr für die Menschheit.

WAS WILL WASHINGTON MIT DEM VERARMTEN AFGHANISTAN?

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir nur eine beliebige Landkarte von Europa und Asien betrachten. Man bedenke die immensen Ausmaße der ehemaligen Sowjetunion, insbesondere von Russland.

Das europäische Russland hat eine Oberfläche von 1’747’112 Quadratmeilen. Das ist irgendetwas zwischen einem Drittel und der Hälfte der Landmasse ganz Europas. Wenn man den asiatischen Teil von Russland hinzurechnet, erhält man 6’592’800 Quadratmeilen. Das ist soviel wie die USA und China zusammen. Mehr als die Hälfte Afrikas.

Russland grenzt in seinem äußersten Westen an Finnland. Im Süden grenzt es an die Türkei und den Balkan. Es breitet sich in seinem Osten bis an den Rand von Asien aus. Es ist das Dach der Mongolei und von China.

Nicht nur ist Russland von spektakulärer Größe, mit unermesslichen Bodenschätzen gesegnet, die zum großen Teil noch unerschlossen sind, es ist außerdem neben den USA die einzige Atommacht von Weltbedeutung. Entgegen der landläufigen Meinung wurde die militärische Macht von Russland nicht zerstört, im Gegenteil kann argumentiert werden, dass Russland gegenüber der USA stärker ist, als während der ersten Phase des kalten Krieges. Es verfügt außerdem über die hochentwickeltste U-Boot-Technologie der Welt.

Wenn es den USA gelingt, Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken in schwache Territorien zu zerteilen, die durch die NATO beherrscht werden, dann hätte Washington freie Hand, die großen Reichtümer Russlands auszubeuten und außerdem im Rest der Welt zu tun, was immer ihm beliebt, ohne die Macht Russlands fürchten zu müssen.

Trotz der Berichte über eine russisch-amerikanische Zusammenarbeit, und trotz des großen Schadens, der Russland durch den Internationalen Währungsfond (IMF) zugefügt wurde, bleibt dies die Stossrichtung der US Politik. (3)

Afghanistan liegt an einer strategisch bedeutsamen Stelle. Es grenzt nicht nur an den Iran, an Pakistan und an China (!), sondern, und das ist von besonderer Wichtigkeit, es teilt auch Grenzen und eine gemeinsame Religion mit den zentralasiatischen Republiken der ehemaligen SU: Usbekistan, Turkmenistan und Tadschikistan. Diese wiederum grenzen an Kasachstan, welches an Russland grenzt.

Zentralasien ist von strategischer Bedeutung nicht nur wegen seiner großen Öllager, wie uns immer wieder versichert wird. Seine geographische Lage ist von noch größerer strategischer Bedeutung. Wenn Washington dieses Gebiet kontrollieren würde, dann hätte die NATO ihren Ring von Militärstützpunkten an Schlüsselstellungen um Russland herum vollständig: Die baltischen Staaten; der Balkan, die Türkei und eben diese zentralasiatischen Republiken. Dieser Ring wäre dann wie eine Schlinge um den Hals von Russland.

Dazu kommt die tatsächliche Herrschaft Washingtons über die ehemaligen Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Georgien im Süden von Russland. So positioniert könnten die USA über ganz Russland verteilte, extern angezettelte ‚Rebellionen‘ in die Wege leiten.

Die NATO, deren gegenwärtige Doktrin die Intervention in Staaten vorsieht, die an NATO-Mitglieder angrenzen, könnte dann „Kriege von minderer Intensität“ („low intensity wars“ in ihrer eigenen Terminologie) einleiten, eingeschlossen des Gebrauchs von taktischen Atomwaffen, welcher ebenso durch die gegenwärtige NATO-Doktrin vorgesehen ist, als Antwort auf Myriaden von ‚Menschenrechtsverletzungen‘.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass Washington behauptet, nach Afghanistan zurückkehren zu müssen, um die Islamisten zu bekämpfen, denn es war eben dieses Washington, welches den Apparat der islamistischen Terroristen während der achtziger Jahre erschuf, in seinem Bestreben, die russische Macht zu zerstören.“

Das gibt Zbigniew Brzezinski, die damalige Schlüsselfigur im National Security Coucil, in den im folgenden zitierten Interviews offensichtlich gerne zu:

Zuerst ein Auszug aus einem Bericht der ‚N.Y. Times‘:

„Der afghanische Widerstand – Dazu müsste man sagen: der Widerstand gegen die demokratische Republik in Afghanistan durch US-Söldnertruppen und Militär via Pakistan-d.Verfasser) wurde von den Geheimdiensten der Vereinigten Staaten und Saudi Arabiens mit Waffen im Wert von nahezu 6 Milliarden Dollar unterstützt.“ “ Um den Krieg zu unterhalten, schleuste die CIA im Verein mit Saudi Arabien und dem pakistanischen militärischen Spionagedienst ISI“(Inter-Services Intelligence Directorate) Millionen von Dollars zu den Muhajedin. )

[Die damalige Sowjetunion kam der Demokratischen Republik Afghanistan ( in der den Frauen auch die Türen in Hochschulen und Staatsämter offen standen) mit der sie ein Freundschafts- und militärischer Beistandspakt verband, erst nach 20-maligen Ersuchen der afghanischen Regierung zu Hilfe. Mit dem Machtantritt Gorbatschows erfolgte auf Anweisung der sowjetischen Regierung der Truppenabzug aus Afghanistan – d. Verfasser]

Und weiter im Text von Jared Israel:

„Es wird von einigen argumentiert, dass die NATO verrückt wäre, wenn sie versuchen würde, Afghanistan zu befrieden. Die Briten wären bereits 1800 bei einem solchen Versuch gescheitert und ebenso die Russen in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.Aber Washington braucht keine Befriedung Afghanistans und strebt eine solche auch nicht an. Was Washington braucht, ist militärische Präsenz, die stark genug ist, einheimische Kräfte zu organisieren und anzuleiten beim Vordringen in die zentralasiatischen Republiken und dort bewaffnete Konflikte anzuzetteln…“ ( siehe: http://emperors-clothes.com/german/articles/d-afghan-i.htm vom 22. September 2001, Übersetzung aus dem Englischen: Jost Lang)

Da die nunmehr seit dem 7. Oktober 2001 in Afghanistan operierenden NATO-Truppen unter dem Namen ISAF- und OEF-Truppen alles andere als „friedliche Aufbauhelfer“ sind, zunehmend zur mordenden und sengenden Soldateska entarten und der barbarisch- blutige Charakter des Afghanistankrieges des Westens zunimmt, nehmen auch nach dem Prinzip „actio erzeugt reactio“.die Vergeltungsschläge der afghanischen Befreiungsbewegungen, insbesondere der Taliban, zu.

Als Kolonialkrieg und Eroberungskrieg um Rohstoffe und politischen Einfluss war der Afghanistankrieg von Anfang an konzipiert und weitet sich immer mehr zu einem brutalen Völkermord aus. Wenn es auch keine offiziellen veröffentlichten Zahlen über afghanische Kriegsopfer gibt, so werden diese nach sieben Jahren Krieg auf ca 1,3 Millionen direkte Kriegstote von insgesamt 29 Millionen Einwohnern veranschlagt. Die meisten Kriegsopfer sind Paschtunen. Wie viele Taliban-Kämpfer und andere Partisanen bis jetzt ums Leben kamen, ist nicht genau bekannt.

Bekannt ist aber, dass wie in den Kriegen gegen den Irak 1991 und 2003 bei dem insgesamt ca 3400 t radioaktiver Bomben zum Einsatz kamen, auch in Afghanistan vom Jahre 2001 bis heute ca 1600t radioaktiver Bomben abgeworfen wurden, die Zivilbevölkerung zunehmend an den Auswirkungen dieser Munition leiden muss.

Die Krebsrate ist genau wie im Irak ( dort in gewissen Gebieten bisher auf das 20 fache!! ) angestiegen und auch der Zusammenbruch des Immunsystems der dort lebenden Bevölkerung rasant angewachsen.

Auch in Afghanistan berichtet man in den dortigen Krankenhäusern von zunehmenden Missbildungen bei Neugeborenen, geschuldet dem Einsatz dieser sogenannten DU-Munition, verharmlosend „panzerbrechende Waffen“ genannt, die, so will es die Gerechtigkeit, auch bei den dort eingesetzten ausländischen Soldaten, bzw. Söldnern schon zu empfindlichen Opfern geführt hat.

Einer dieser deutschen Soldaten hat, als er erkannte, wie er von der deutschen Regierung, seinem Parlament und der Bundeswehr über den wirklichen Kriegsgrund gegen Afghanistan belogen worden war und nach der Rückkehr in die Heimat auch seine Frau ein immungeschädigtes Kind zur Welt brachte, geäußert : „ Die Herrschaften an der Spitze unseres Staates haben uns verarscht. Sie, oder deren Kinder sollen in diese Kriege gehen und ihre Haut zu Markte tragen !!“

Übrigens: 8 Jahre nach dem NATO-Angriff auf Afghanistan sollte sich jedermann der über Afghanistan spricht bzw. Kriegseinsätze dort verteidigt, vergegenwärtigen, warum es zu dem bis in unsere Gegenwart dauernden Krieg gegen dieses Land gekommen ist.

Als Grund seitens der USA und der NATO dienen bis heute die Überfälle auf das Welthandelszentrum in New York und das Pentagon im Jahre 2001, die angeblich von Afghanistan aus erfolgt sein sollen.

Über den 11. September sind viele Bücher geschrieben worden.

Aber eines ist so gut wie außer Acht gelassen worden.

Bereits kurz nach dem 11. September hatten sich Hunderte von Zeugen dieser Katastrophe in New York zusammengetan, darunter namhafte Militärs, Bauleute, Architekten, Wissenschaftler und Feuerwehrleute, die alle übereinstimmend sagten:“So war es nicht !“

In Arbeiterfotografie kann man im Internet nachlesen, was z. B. Der Capt. Daniel Davis, ehemaliger NORAD Tac Direktor zum 11. September aussagt:

„Das gibt es nicht, das ein nach Regeln des Instrumentenflugs fliegendes Flugzeug ( und zwar bei allen Passagiermaschinen der Fluggesellschaften ) nicht abgefangen wird, wenn es vom Flugplan abweicht, wenn der Transponder abgeschaltet, oder die Verbindung mit der Flugverkehrskontrolle unterbrochen ist“.

Und Robin Hordon, Fluglotse der Federal Aviation Administation erklärte:

„Wenige Stunden nach den Attacken des 11. 9.2001 wusste ich, dass dies eine Insider-Tat war.

Auf Grund meiner 11-jährigen Erfahrung als Fluglotse der Federal Aviation Administation im verkehrsreichen Nordost-Korridor, einschließlich Hunderter von Stunden Ausbildung, Einsatzübungen, Luftbetankung, Bomberabwurfübungen aus niedriger Bodenhöhe, nach Teilnahme an militärischen Großübungen, täglichen militärischen Ausbildungsübungen in eingespielter unmittelbarer Zusammenarbeit mit den Radar Personal von NORAD (North American Aerospace Defence Command ) und auf der Grundlage meiner eigenen Luft-Not-Lagen, darunter 2 Mal im Umgang mit entführten Passagiermaschinen, erkläre ich eindeutig:

Es ist völlig ausgeschlossen, dass 4 große Passagiermaschinen am 11.9. für 30-60 Minuten vom Kurs abweichend in der Luft umhergesteuert werden konnten, ohne abgefangen und von unseren Kampfpiloten vom Himmel geholt zu werden, es sei denn, sehr hoch angesiedelte Personen in unserer Regierung und unserem Militär hätten genau dies absichtlich geschehen lassen“.

Ein Sicherheitsbeauftragter, der sich im World Trade Center Gebäude 7 befand, erklärte, dass Bomben detonierten, bevor die Twin Towers fielen.
Das deckt sich übrigens auch mit den Aussagen der Feuerwehrleute, die aus den oberen Etagen des Welthandelszentrums noch Leute gerettet hatten, als sie Explosionen von unten wahrnahmen.

Diese Tatsache ist im Abschlussbericht der Untersuchungskommission zum 11. September nicht einmal erwähnt worden.

Auch die Aussagen dieses Sicherheitsbeauftragten, dass dieser nach den Explosionen im WTC 7 Leichen in den unteren Etagen gesehen hatte, taucht im Abschlussbericht zum 11. September nicht auf. All dies zeigt, dass hochstehende Persönlichkeiten den Hergang der wirklichen Ereignisse des 11. September vertuscht haben !

Mehr und mehr begreifen auch politisch uninteressierte Menschen auf der ganzen Welt, dass sie von den USA und NATO-Politikern gefoppt wurden und einer großen Lüge auf den Leim gegangen sind. Der 11. September 2001 war hausgemacht im Interesse der Etablierung einer Weltherrschaft unter US-Regie !

Jeder, der sieht, welch unermessliches Leid dem afghanischen Volk seit Jahren seitens der NATO-Länder angetan wird, kann nur zu dem Schluss kommen: Truppen raus aus Afghanistan !

Wahrung der Souveränität aller Staaten und Völker als unveräußerliches internationales Recht, so wie es in der UNO-Charta verankert ist !
Quelle: die Autorin

Originalartikel veröffentlicht am 12.9.2009

Über den Autor

Brigitte Queck ist eine assoziierte Autorin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8654&lg=de

Anne Will und die Inszenierung des Afghanistan-Krieges

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Von Folker Hoffmann

Vorgestern, in der sonntäglichen Märchenstunde bei Anne Will, sollte dem Volk, das durch herbeigekarrte Claqueure repräsentiert wurde, mal wieder die Notwendigkeit des unter deutscher Beteiligung geführten Afghanistan-Krieges erklärt werden.

Kriegsminister Jung, peinlichst darauf bedacht bloß nicht den Begriff Krieg die Runde machen zu lassen, will auch weiter deutsche Soldaten in Afghanistan verheizen, obwohl er die Ansicht äußerte:

„Wenn wir nur auf’s Militärische setzen, werden wir nicht gewinnen„.

Vielmehr hatte er nicht beizutragen. Aber schon damit war er überfordert, und der ihm als Argumentationshilfe zur Seite gestellte Militarist, Michael Wolffsohn, von der Universität der Bundeswehr München, machte klar, wo es langzugehen hat:

„Es ist ein Krieg […] und insofern muss die Öffentlichkeit – das ist die Aufgabe politischer Steuerung – schrittweise daran gewöhnt werden.“

Wolffsohn hatte den Nagel auf den Kopf getroffen. Die Aufgabe der Politik besteht darin das Volk zu manipulieren. Und zwar scheibchenweise. Fällt dann auch nicht so auf. In wessen Auftrag? Klar doch, im Auftrag der „kapitalen“ Finanzobrigkeit, an deren Fäden Politiker ihre Rolle spielen dürfen.

Kein Wort in der Märchenrunde worum es in Afghanistan eigentlich geht. Scholl-Latour durfte nicht, Gysi ist dem Wahlkampf verpflichtet und so wurde belanglos weitergeplätschert. Die Wahlen in Afghanistan waren, wenn man dem deutschen Kriegsminister Glauben schenken darf, unendlich demokratisch, und die Stellung der afghanischen Frauen habe sich ebenso unendlich verbessert. Die Bundeswehr in Afghanistan als Befreier der afghanischen Frauen. Klein-Erna hätte es nicht besser sagen können. Genau dies ist der Schwachsinn der dem Volk verklickert wird, mit vagen Hinweisen auf „unsere“ Sicherheit versehen, die am Hindukusch verteidigt würde und blablabla… Die Claqueure dankten hingebungsvoll – bei so viel versprühter Weisheit – mit kräftigem Beifall, und verabschiedeten sich in die innere Leere.

Ach ja, da waren noch die nicht zu fehlenden Hinweise auf den 11. September. Also der Tag an dem wir alle Amerikaner wurden. Der Anschlag wäre ja von Afghanistan ausgegangen, tönte der Kriegsminister, obwohl die Welt inzwischen wissen müsste, dass Bin Laden bis zum 11.09. für die USA gearbeitet hat. Etwas zu wissen, gehört aber nicht zur Rolle eines Kriegsministers. Wo kämen wir da hin? Und gerade Jung. Der glaubte auch an die Mär von jüdischen Vermächtnissen an die CDU.

Kein Wort darüber, dass es sich in Afghanistan, sowie anderen von der NATO und den USA mit Kriegen überzogenen Staaten, um ein neoliberales, kapitalistisches Projekt handelt, das keine andere Gesellschaftsform als die eigene neben sich duldet. Dazu gehört eben auch der „legitimierte“, weltweite Ressourcenklau, der ein Vorrecht der privaten internationalen Hochfinanz, sowie des privaten Kapitals ist. Und das sich daran nichts ändert, dafür werden eben auch deutsche Soldaten in Afghanistan verbraten.

Merke:

Kriege werden viel mehr gemacht, als sie entstehen – wer da mit magischen Geschichten kommt, hat viel zu gewinnen im Kriege – und wenig zu verlieren. Kurt Tucholsky

Written by mohart

25. August 2009 at 18:36

Der Iran – seine Einordnung in die internationale Weltlage bzw. seine Bedeutung in der Zeit der Weltfinanzkrise

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AUTOR: Hans-Jürgen FALKENHAGEN & Brigitte QUECK

Irans Platz innerhalb der Staaten der Welt

Folgende Punkte sollten dabei eingangs berücksichtigt werden :

  1. der vor Jahren bekannt gewordene Geheimbericht des Pentagon, dass jeder Staat, der den Versuch unternimmt, die USA ökonomisch einzuholen, oder gar zu überholen, von den USA als Feind betrachtet wird;
  2. die neue NATO-Strategie von 1999, gemeinsam auch gegen nicht Kernwaffen besitzende Staaten gegebenenfalls mittels eines atomaren Präventivkrieges, militärisch vorzugehen.

Dieses gemeinsame Vorgehen der NATO gegen Rohstoff besitzende Länder wurde praktiziert :

  • 1999 im NATO- Aggressionskrieg gegen Jugoslawien, getarnt durch die Völkermordlüge der Serben gegen die Kosovoalbaner,
  • 2001 im NATO- Aggressionskrieg gegen Afghanistan, scheinbar gedeckt durch den Artikel 51 der UNO-Charta, weil ein Mitgliedland der NATO, die USA, angeblich von Afghanistan aus angegriffen worden sei und man nun verpflichtet wäre, sich militärisch beizustehen,
  • 2003 im NATO-Aggressionskrieg gegen den Irak ( 3. Golfkrieg) unter der verlogenen Propaganda, der Irak hätte Massenvernichtungswaffen und man müsse deren Einsatz gegen die westliche Welt zuvorkommen.

In Wirklichkeit geht es den westlichen Ländern um eine Neokolonialisierung der Rohstoff besitzenden Länder, unter dem Slogan‚ Gewährleistung der Energiesicherheit der entwickelten Länder der westlichen Hemisphäre’, wie auch Bundeskanzlerin A. Merkel mehrfach betont hat.

Der gegenwärtige Aufschwung in Lateinamerika und der Zusammenschluss vieler lateinamerikanischen Staaten zu dem Staatenbund ALBA vor der Haustür der USA, sowie der Zusammenschluss asiatischer Staaten innerhalb des Shanghai-Paktes, dem auch der Iran als Beobachter angehört, sowie die wachsende Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Staatengruppen, können den USA und den NATO- Ländern nicht gefallen.

Länder wie Nordkorea bzw. der Iran weigern sich, sich dem US-und NATO-Diktat zu unterwerfen, die Urananreicherung in ihren Atomkraftwerken für friedliche Zwecke zu stoppen, was aber den nicht Kernwaffen besitzenden Staaten durch den Nichtweiterverbreitungsvertrag von Kernwaffen ausdrücklich erlaubt ist. Diametral gegen die Bestimmungen des Nichtweiterverbreitungsvertrages von Kernwaffen gerichtet ist die bereits oben erwähnte neue NATO-Strategie von 1999, die entgegen dem Nichtweiterverbreitungsvertrag von Kernwaffen, der den nicht Kernwaffen besitzenden Staaten eine Schutzfunktion gegenüber Kernwaffen besitzenden Staaten zugesichert hatte, atomare Präventivkriege auch gegen nicht Kernwaffen besitzende Staaten vorsieht.

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass die NATO bisher nur nicht Kernwaffen besitzende Staaten militärisch angegriffen hat.

Iran kommt durch seine außerordentlich günstige geostrategische Lage, seine reichen Öl- und Gasvorkommen, seine bisherige Vermittlerrolle zwischen den Staaten des Nahen Ostens; Asiens und Lateinamerikas, sowie in der UNO eine besondere Rolle zu. Es zählt zu einem der entwickeltsten Länder im Nahen Osten, das nicht nur reiche Naturschätze besitzt, sondern auch den Maschinen – und Flugzeugbau, sowie eine gute Verteidigungsindustrie aufgebaut hat. Dabei ist der Iran zu ca. 80 % von Waffenimporten aus dem Ausland unabhängig.

Eine wesentliche Rolle spielt der Iran mit seiner klaren antiimperialistischen Haltung gegenüber den USA in der Weltorganisation der Staaten der Welt, der UNO. Diese Position kommt sowohl in den Reden des Staats- und Religionsführers des Iran, Khamenei, als auch in den Reden des iranischen Präsidenten Ahmadinejad zum Ausdruck.

Als eines der größten Erdöl-und Erdgas besitzenden Länder der Welt steht der Iran auf der „Wunschliste“ der Länder, die die USA sich untertan machen will ( siehe Zeitschrift „Hintergrund“, 4. Quartal 2008 ). Dabei arbeiten, wie der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Michael Chossudowsky in seiner Schrift:“Die CIA und Al Qaida“ ( siehe ebenda, S. 27 ) nach wie vor eng mit den von ihnen geschaffenen und weiterhin von ihnen unterstützten „Islamisch-Militanten Netzwerk“ zusammen.

Gleichzeitig haben die USA parallel dazu einen Notfallplan für einen hypotetischen Terroranschlag Irans auf die USA, ähnlich dem vom 11. September 2001 entworfen, der für einen Krieg gegen den Iran und Syrien genutzt werden soll.

Der Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh hatte am 9. Juli 2008 berichtet, dass auf einer NATO- Konferenz der US-Nachwuchsjournalisten in Washington US-Vizepräsident Cheney auf einer Strategie- Sitzung im Sommer 2008 in seinen Amtsräumen vorgeschlagen hatte, einen Krieg gegen den Iran durch gezielte Provokationen vorzubereiten . Bei der Diskussion seien „ein Dutzend Ideen“ vorgebracht worden, wie man den Krieg starten könnte.

Cheney habe gar vorgeschlagen, „auf amerikanischen Werften 4 oder 5 iranische Schnellboote nachzubauen“, sie mit US-Spezialkommandos der Navy SEAL’s in iranischen Uniformen zu bemannen und mit vielen Waffen auszurüsten. Er erklärte: „beim nächsten Mal, wenn eines unserer Schiffe durch die Strasse von Hormus fährt, greifen diese sog. iranischen Schnellboote es an und es kommt zum Feuergefecht“.

Weil dabei jedoch Amerikaner von Amerikanern getötet worden wären, (was im übrigen schon mal praktiziert wurde vor dem 6- Tagekrieg Israels und den arabischen Staaten durch die Bombardierung des amerikanischen Schiffes Liberty seitens der israelischen Luftwaffe in Absprache zwischen CIA und Mossad. Die Schuld dafür wollte man den Sozialismus- freundlichen ägyptischen Präsidenten Nasser in die Schuhe schieben, um die USA selbst in diesen „Verteidigungskrieg“ Israels gegenüber den arabischen Ländern zu verwickeln, was dann nach Scheitern dieses Planes durch Überlebende von Liberty durch eine verdeckte militärische Geheimdienstoperation USA –Israels schließlich doch geschehen ist !), nahm man von diesem Plan Abstand.

Hersh hatte in einem Artikel „The New Yorker“ Anfang Juli 2008 unter der Überschrift „Das Schlachtfeld vorbereiten- Bush Administration verschärft Geheimaktionen gegen Iran“ darauf verwiesen, dass der US-Kongress bereits Ende 2007 auf Anforderung von Präsident Bush einer Eskalation der Geheimdienstoperationen gegen den Iran zugestimmt habe. Dafür seien bis zu 400 Millionen Dollar seitens der US- Regierung bereit gestellt worden, unter anderem für Spionageaktionen zur „Destabilisierung der religiösen Führer des Iran“, sowie zur verstärkten Unterstützung iranischer Minderheiten- und Dissidentengruppen. (In diesen 400 Millionen Dollar sind die von diversen US-Nichtregierungsorganisationen für einen Umsturz im Iran zur Verfügung gestellten Geldern nicht enthalten !!).

Die alarmierenden Enthüllungen von Seymour Hersh wurden in den großen Konzern- Medien der USA und Deutschlands totgeschwiegen !

Vor kurzem, und zwar während der Wahlen im Iran, hatte der iranische Präsident Ahmadinejad während eines Treffens von Staatsführern der Shanghai-Gruppe in Russland, Jekaterinenburg, die USA im Hinblick auf den Niedergang des Dollars im Weltmaßstab offen angegriffen.

Er sagte: „Es ist offensichtlich, dass das Zeitalter des Empire zuende ist, eine Wiederkehr ist nicht zu erwarten!“ ( siehe: „Defiant Ahmadinejad blasts US at Russia summit“ unter: http://au.news.yahoo.com/a/-/world/5657186.

Bereits im Jahre 2007 auf einem Gipfel in der Saudi-Arabischen Hauptstadt Riyadh vom 17.-18.November hatte Ahmadinejad die OPEC-Staaten aufgerufen, ihre Geldreserven in einer Reihe von Währungen anzulegen, anstatt dem schwächelnden Dollar den Vorzug zu geben. Er sagte: „Sie bekommen unser Öl und geben uns dafür ein wertloses Stück Papier.“ (siehe unter : http://latinamericanewswatch.blogspot.com_2007_11_01_archive.html).

Diese Aussagen Ahmadinejads mussten die USA als eine offene Kampfansage an ihre Adresse betrachten.

Erinnern wir uns, dass die gleiche Ankündigung S. Husseins, sein Öl nicht mehr in Dollar verkaufen zu wollen, eines der Hauptgründe des US-Krieges im Jahre 2003 gegen den Irak gewesen ist.

Iran und die Weltfinanzkrise

Um zu verstehen, welche Wechselwirkungen es zwischen der Finanzkrise in den USA und den aktuellen Spannungen im Nahen Osten gibt, muss man verstehen, wie das Dollarsystem funktioniert:

  1. Die US-Wirtschaft unterscheidet sich von der deutschen dadurch, dass ihr gesetzliches Zahlungsmittel, der Dollar, zugleich Weltwährung ist.

Als Inhaber der Weltwährung kann die USA bedeutend mehr Waren importieren als andere Länder. Dabei nutzen sie:

a) niedrige Zinsen bei der Vergabe von Krediten,

b) die Geldvermehrung durch die FED ( Federal Reserve Bank ), was eine physische Vermehrung des Dollars bedeutet.

Dieses Geld liegt heute größtenteils in elekronischer Form als Buchungsgeld vor. Anhänger der US-amerikanischen Finanzpolitik machen sich wenig Sorgen um ihr dadurch entstandenes Handelsdefizit.

Sie sagen, das 21. Jahrhundert sei eine virtuelle Wirtschaft bei der produktive Grundlagen angeblich eine geringere Rolle spielten.

Obwohl der Dollar in den letzten Jahrzehnten einer stärkeren Inflation als die DM und der Euro ausgesetzt war, konnten die USA diese Differenz in Form von „Steuern“ aus ihrer Weltwährung ausgleichen. Unter dem Motto:’Schwache Dollars erhalten starke Waren!’

  • 2. Seit 1971 Nixon die Auflösung der Goldbindung des Dollar veranlasst hatte, machten sich die USA auf nach der Suche einer anderen unverzichtbaren Handelsware. Dies war das Öl. Über spezielle Beziehungen zum Saudi -arabischem Königshaus stellte man sicher, dass Öl nur in Dollar gehandelt wird.

Es musste nun nur noch veranlasst werden, dass der Petroldollar wieder in die USA zurückfließt.

  • 3. Dazu trug das 1974 mit dem Saudi-arabischen Königshaus geschlossene Geheimabkommen bei. Dies sah vor, dass die Saudis ihr Öl ausschließlich in Dollar verkaufen und die Öleinnahmen bei den „richtigen“ Banken in New York und London anlegten. Auf diese Weise konnten die Öleinnahmen der Saudis seither zurDeckung des Defizits der USA herangezogen werden.
  • 4. 1975 wurden auch alle anderen OPEC – Länder auf den ausschließlichen Verkauf von Öl in Dollar festgelegt. Auf diese Weise entstand das sog. Recycling der Petroldollar und auf diese Weise konnte in den USA auch ein ständigesWirtschaftswachstum erzielt werden.
  • Der Finanzkreislauf zwischen OPEC und den großen Bankhäusern in London und New York bildeten seither die Grundlage für die gesamte weitere Entwicklung der Weltwirtschaft.
  • 5. Die Hochzinspolitik unter US-Bankchef Paul Volcker und die Einführung schwankender Zinssätze stellten sicher, dass die von den Entwicklungsländern aufgenommenen Kredite sehr schwer rückzahlbar waren.
  • 6. Auch die Banken in Europa und Südostasien wurden angehalten, ihre Dollarüberschüsse in den USA wieder anzulegen. Hauke Ritz schreibt: „Ob dieser Wirtschaftspolitik ein dauerhafter Erfolg beschieden sein wird, hängt davon ab, ob die Rolle des Dollar als einziger Ölwährung gewahrt bleiben kann“ (Siehe Zeitschrift Hintergrund, 4. Quartal 2008, Hauke Ritz „Finanzkrise und aktuelle Geopolitik“).

Dieses System funktioniert aber nicht mehr, wenn ein Ölförderland politisch und militärisch stark genug ist, eine andere Währung als den Dollar zu etablieren.
„Dann aber, wenn der Dollar als internationale Öl-Reserve-und Handelswährung abgelöst würde, würden die vorhandenen Dollar stark an Wert einbüßen und so würde die amerikanische Notenbank keine Möglichkeiten mehr haben, den Dollar physisch nachzudrucken bzw. elektronisch in Umlauf zu bringen…“ ( siehe ebenda )

Dadurch würden, so Hauke Ritz „die Seignioragevorteile [Münzprägegewinne, d.h. vom Staat bzw. von der Notenbank erzielte Erträge, die durch Geldschöpfung entstehen – d. Red.], stark schrumpfen, mit denen die USA in den zurückliegenden Jahrzehnten nicht nur ihre Warenimporte, sondern auch ihre exorbitanten Militär-und Geheimdienstausgaben finanziert haben….

Der Status der USA als weltbeherrschender Macht steht und fällt mit der Rolle des Dollar als Weltwährung“ ( siehe ebenda ).

Mit anderen Worten, die militärischen Interventionen der USA im Nahen Osten sind nicht nur der zunehmenden Ölverknappung im Weltmaßstab geschuldet, sondern der finanzpolitischen Bedeutung des Öls. Die USA haben erkannt, dass es nicht unbedingt notwendig ist, Öl selbst zu fördern, sondern die Transportrouten des Erdöls und seine Fakturierung (Anlage des Geldes) zu kontrollieren.

Und plötzlich schert der Iran als eines der Erdöl-und Erdgas-reichsten Länder der Welt aus diesem „eingespieltem“ Kreislauf aus!

Iran hat am 17. Februar 2008 den bisher einzigartigen Versuch unternommen, eine eigene, von den USA unabhängige, Ölbörse zu gründen, die sich laut IRNA-Nachrichtenagentur auf der Insel Kish befindet.

Dies ist eine ungeheuere Herausforderung für den Dollar als Ölwährung, zumal das Weltfinanzsystem derzeit in einer tiefen Krise steckt und auch die anderen OPEC-Staaten es dem Iran gleichtun könnten.

An der iranischen Ölbörse sind außer dem US-Dollar alle Währungen willkommen. Gehandelt wird mit Hilfe einer Kunstwährung, einem Währungskorb, in dem neben dem Euro und dem Yen auch die regionalen Währungen der Golfstaaten vertreten sind.

Japan, China, Indien und andere asiatische Staaten, die arabischen Petrolmonarchien, ebenso wie die zentralasiatischen Ölproduzenten um das Kaspische Meer, haben allesamt ein Interesse an einer internationalen Ölbörse ohne westliche Mittelsmänner und ohne den Zwang, in Dollar zahlen zu müssen. Ein Ölhandel in einheimischen Währungen bedeutet gleichsam auch eine Aufwertung dieser im Vergleich zum Dollar.

Weiß doch jedermann im internationalen Ölgeschäft, dass die Ölpreise nicht von den Erdöl produzierenden Ländern allein gemacht werden, sondern von westlichen Ölhändlern wie Philip Brothers einer Tochter der Citicorp, Cargill oder Taurus, die zugleich den Ölhandel dominieren und von den beiden Ölbörsen wie der International Petroleum Exchange (IPE) in London und der New York Mercantile Exchange (NYMEX), die auch die Weltfinanzkurse bestimmen.

Die USA verstehen nur zu gut, dass ein Verlust der Monopolstellung des Dollars auf dem Weltmarkt, auch die wichtigste ökonomische Basis des US- Imperiums wegbricht.

Ein Schelm der Böses dabei denkt, als bereits vor der Eröffnung der iranischen Ölbörse im Februar 2008 im Laufe weniger Tage gleich 4 Unterseekabel im Persischen Golf schwer beschädigt wurden, braucht doch jede internationale Börse funktionierende Internetverbindungen !

Nach der Eröffnung der iranischen Ölbörse aber veranlassten die USA ihre westlichen Bündnispartner, einen regelrechten Kontenkrieg gegen den Iran zu eröffnen. Mit Hilfe „schwarzer Listen“ sind damit 3 der wichtigsten iranischen Banken de facto isoliert worden. Keine europäische Großbank wagt es mehr, mit den iranischen Staatsbanken Geschäfte zu machen- aus Angst, ebenfalls in das Raster der Verfolgungsbehörden zu gelangen.

Aber die gegnerischen Angriffe der westlichen Länder konnten die Ölbörse nicht aufhalten. Natürlich erschweren die westlichen Finanzaktionen dem Iran das Geschäft, aber verhindern können sie es nicht.

Im Gegenteil. Die aktuellen, von den USA veranlassten Sanktionen und Finanzaktionen, treffen vor allem mittelständische europäische Unternehmen, die sich auf Ausfälle in 3-stelliger Millionenhöhe gefasst machen müssen.

Der Iran, der seine Bankguthaben vorsorglich aus den europäischen Banken abgezogen hatte- dabei handelte es sich um mehr als 75 Milliarden Dollar- transferierte seine Konten inzwischen auf asiatische Banken.

Auf die Europäer indes kommen harte Zeiten zu.

Speziell die Bundesrepublik Deutschland, der traditionell wichtigste europäische Handelspartner des Iran, bezahlt den bitteren Preis für seine Gefolgstreue gegenüber den USA. Siemens, der z.B. von den USA, Verzeihung, der Bundesregierung, gedrängt worden ist, keine neuen Geschäfte mehr mit dem Iran abzuschließen, wurde durch chinesische Handelspartner abgelöst.. So hatte China bereits im Jahre 2007 die BRD als wichtigsten Handelspartner des Iran abgelöst und internationale Geldtransaktionen laufen nun über Banken in Singapur und Dubai. Die Banken in Europa und auch der Schweiz, die sich leider ebenfalls dem US-Diktat unterworfen haben, haben das Nachsehen !!

Ein weiterer Punkt verdient ebenfalls berücksichtigt zu werden, warum sich die USA gegenwärtig so auf den Iran fokussiert haben.

Iran ließ sich nämlich trotz US-Drohungen, es mit Bunker brechenden Atombomben anzugreifen, nicht davon abhalten, den Bau einer Gas -Pipeline zu planen, die durch Pakistan hindurch nach Indien führen soll. Das würde die Energiesicherheit Irans, Pakistans und Indiens erhöhen, den US-Einfluss auf beide Staaten schwächen und einen großen Teil des Gashandels der US-amerikanischen Kontrolle entziehen. Über eine Verlängerung dieser Pipeline nach China wird bereits intensiv nachgedacht!

Unter diesem Hintergrund muss man auch die ständigen Bombardements der USA auf Pakistan in den letzten Monaten einordnen, die- wie könnte es anders sein- seitens der USA mit dem Agieren von Al Qaida- bzw. Talibananhängern in diesem Raume erklärt werden.

Zusammenfassend kann man feststellen:

Der Iran ist politisch, ökonomisch und militärisch gesehen ein Land, das den US-Weltherrschaftsplänen diametral gegenübersteht.

Zusammen mit anderen Ländern des Shanghai-Paktes und den lateinamerikanischen Staaten könnte durch die seitens des Iran im Frühjahr 2008 ins Leben gerufene Ölbörse die Monopolstellung des Dollars auf dem Weltmarkt gebrochen und das Empire geschwächt werden.

Mit dem Verlust seiner führenden Stellung auf dem Währungs, -Handels, – und Finanzmarkt wäre die USA nicht mehr in der Lage, ihre exorbitanten Militär- und Geheimdienstausgaben zu finanzieren und folglich würden auch ihre Aggressionskriege zur Erlangung einer US-Weltherrschaft unmöglich, bzw. stark eingeschränkt werden, was zu einem Aufleben der Befreiungsbewegungen in aller Welt gegen Neokolonialismus und globalen Neoliberalismus auch in den entwickelten Ländern der Welt führen würde.

Aus diesem Grunde tun die USA im Verbund mit anderen NATO-Staaten alles, im Iran wieder ein US-freundliches System zu etablieren und dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

Am günstigsten wäre es für die NATO-Staaten gewesen, durch einen „Volksaufstand“ nach den Wahlen im Juli 2009, einen Regimewechsel im Iran zu bewerkstelligen, so wie das seitens der CIA schon mal in den 50er Jahren mit dem Sturz des iranischen Ministerpräsidenten Mossadegh praktiziert worden ist [„Volksaufstand“=Staatstreich??? D. Red.].

Dann hätte man sich seitens der USA und ihrer Verbündeten nicht die Hände schmutzig zu machen brauchen.

Dieses Vorhaben eines Regimewandels im Iran nach westlichen Vorstellungen soll nach dem Wunsch des ehemaligen US-Außenministers Kissinger nunmehr mit „militärischen“ Mitteln, sprich, einem Aggressionskrieg gegen den Iran, gelöst werden.

Da einige linke Kräfte sich auch in vergangenen Kriegen der USA und der NATO, bzw. durch bunte „Volksrevolutionen“ im Sinne der internationalen Monopolbourgeoisie irreführen ließen und den langen führenden Arm der USA und NATO dahinter nicht gesehen haben, oder nicht sehen wollten, seien sie gewarnt, sich nicht auch diesmal wieder vor den Karren der neokolonialen Einpeitscher spannen zu lassen, um danach, wenn wieder ein Land seiner Oberhoheit über seine Naturschätze durch die internationale Monopolbourgeoisie beraubt worden ist, resignierend festzustellen: „Das haben wir nicht gewollt !“

Der drohende Krieg gegen den Iran durch die USA und NATO, der sich gegen uns alle richtet, muss verhindert werden!!

Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 7.8.2009

Über den Autor

Brigitte Queck und HJ. Falkenhagen sind assoziierte Autoren von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autoren als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?lg=de&reference=8288

Written by mohart

13. August 2009 at 06:59

Nabucco: Der Dumme zahlt zweimal

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In Ankara wurde heute ein Abkommen über den Bau der Nabucco-Pipeline unterzeichnet, die Erdgas aus dem kaspischen Raum via Türkei und Balkan nach Mitteleuropa bringen soll. Erklärter Zweck der Pipeline ist, die „Abhängigkeit von Russland zu reduzieren“, indem Gasmengen aus anderen Quellen und vorbei an Russland importiert werden. Während die europäischen Medien dummfröhlich feiern, dass Russland ein „Schnippchen geschlagen“ wurde, will niemand so recht das Eigentor merken, das mit den Geldern zahlender Steuerschäfchen geschossen wird. Trotz der Begeisterungsstürme im europäischen Medienzirkus wird Nabucco mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Totgeburt sein, sollte die Pipeline überhaupt jemals gebaut werden. Was heute gefeiert wurde, ist die Verpflichtung zu Kosten, während der Gewinn genauso nebulös bleibt, wie vorher.

Die Probleme beginnen schon mit der einfachsten Frage: „woher soll das Gas kommen?“. Im kaspischen Raum kommen dafür nur drei Staaten in Frage, die über nennenswerte Gasreserven verfügen: Iran, Turkmenistan und Aserbaidschan. Die ursprüngliche Idee Nabuccos aus dem Jahr 2002, als das Projekt noch nicht so politisiert war, war denn auch der wirtschaftliche Gewinn aus dem Verkauf iranischen Gases in Europa. Dann aber kam im Iran Ahmadinedschad an die Macht und machte das Land im Westen verpönnt, vor allem aber in den USA, die ja ein inoffizielles Vetorecht auf europäische Handlungen besitzen. Das iranische Atomprogramm und das jüngste Vorgehen gegen die Opposition lassen den Iran aus politischen Gründen als Option für Nabucco wegfallen.

Turkmenistan, das zweitreichste Land an Erdgas in der Region, ist von seinem diktatorischem Aufbau her zwar kaum besser als der Iran, hat aber keine direkten Probleme mit dem Westen, der dementsprechend auch gern über die Steinzeit-Diktatur im Land hinwegsieht. Der Präsident Turkmenistans mit dem wohlklingenden Namen Gurbanguly Berdymuhammedow liebäugelt ebenso mit Europa als Handelspartner und macht fröhlich Zusagen… allerdings nicht nur Europa, sondern in alle Himmelsrichtungen: China, Russland, Indien und Pakistan. Experten haben mittlerweile ernste Zweifel daran, dass Turkmenistans Reserven überhaupt für all die Versprechungen reichen, die der Präsident des Landes schon getätigt hat. Vielmehr möchte sich Turkmenistan wohl alle Optionen offenhalten, um den Preis für das doch begrenzte Gas hochzutreiben. Darüberhinaus besteht beim turkmenischen Gas für Europa ein weiteres Problem: um es in Nabucco einspeisen zu können, müsste es über das Kaspische Meer nach Aserbaidschan gebracht werden. Dafür wäre eine Pipeline nötig, die nicht nur aufgrund des ungünstigen Meeresprofils extrem teuer würde, sondern auch am bisher ungeregelten Status des Kaspischen Meeres und der Aufteilung seiner Gewässer noch lange die Zähne ausbeißen würde. Bei den bereits langjährigen Verhandlungen der Anrainer über diese Fragen sitzen auch Russland und der Iran mit am Tisch…

Und ausgerechnet das dritte Land, Aserbaidschan, das anfangs als sicherer Lieferant für Nabucco schien, machte kurz vor der Unterzeichnung des Nabucco-Abkommens dem Projekt einen Strich durch die Rechnung. Erst am 29. Juni sicherte Aserbaidschan Russland das Gas aus dem größten Gasfeld des Landes Shah-Deniz zu. Damit kann es nach Einschätzung der Experten aus seinen Restreserven bestenfalls nur noch 4 Milliarden Kubikmeter Gas von 31 Milliarden Kubikmeter bereitstellen, auf die Nabucco ausgelegt ist.

Als sei nichts geschehen, wurde in der Türkei die länger geplante Unterzeichnung mit großem Pomp inszeniert. Dabei wurde vorübergehend ausgeblendet, dass die Türken selbst mit das Problem Nabuccos sind. Immer wieder drohte Präsident Erdogan damit, dass Nabucco „gefährdet“ sei, falls die EU-Beitrittsverhandlungen der Türkei nicht zügig vorankommen sollten. Auch bei der Aufteilung des transportierten Gases haben die Türken eigene Vorstellungen: 15% des Gases will das Land für sich selbst, für die Europäer bisland keine akzeptable Bedingung.

Trotz all der erdrückenden Probleme, von ökologischen Bedenken ganz zu schweigen, klammert sich die EU verzweifelt an das immer mehr politisierte Nabucco-Projekt. Die russisch-ukrainischen Gaskonflikte 2006 und 2009 haben bei gewissen Teilen der EU Panikreflexe geweckt, die nun im blinden Aktionismus münden. Groß war das pauschalisierte Geschrei von „Russlands Würgegriff“, dem man sich schnellstens entziehen müsste. An vorderster Front sind vor allem senile Kalte Krieger, die sich keine große Mühe zur Analyse der Konflikte mit der Ukraine machen und stattdessen lieber auf so „verlässliche“ Staaten setzen wollen, wie Türkei und Turkmenistan. Die „Abhängigkeit von Russland“ ist eine oberflächliche Mär, die dem näheren Hinschauen nicht standhält. Russland ist auf die Einnahmen aus dem Gasverkauf genauso stark angewiesen und kann Lieferunterbrechungen und Rufschädigungen schlecht gebrauchen. Vielmehr sind es unsichere Transitstaaten, die sich der falschen politischen Unterstützung des Westens bewusst sind, wenn sie Sonderbedingungen für sich fordern und Rechnungen nicht bezahlen, um sich notfalls einfach aus fremdem Gas zu bedienen. Pragmatischere Kräfte der EU haben das Problem erkannt und bauen mit Russland zusammen Pipelines, die Parasiten an der russisch-europäischen Symbiose fernhalten: deutsche Konzerne bauen an der Nordstream-Pipeline mit, während die italienische ENI zusammen mit Gazprom die South Stream-Pipeline vorantreibt.

Aus russischer Sicht kann der Bau Nabuccos ruhig erfolgen. Vladimir Putin sagte einmal, dass er nichts dagegen habe, „wenn Europäer ihr Geld unbedingt in Sand setzen wollen“. Durch fehlende Garantien der Rentabilität muss die Finanzierung auch immer mehr auf Staatskassen verlegt werden, da private Investoren verständlicherweise einen immer größeren Bogen um das Projekt machen. Wenn sich Europa erst die Finger mit einem Fiasko-Projekt verbrennen muss, um zu verstehen, was es an Russland als Lieferanten hat und wie verfehlt seine Energie-Außenpolitik ist, dann muss es eben so sein… Bis dahin kann es Nabucco, wie der österreichische Politologe Gerhard Mangott es ausdrückte, aber immerhin als „Showcase“ gebrauchen.

Quelle: Der Unbequeme

Written by mohart

11. August 2009 at 13:17

Die Zukunft ist postamerikanisch

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Von Rudolf Maresch

Der Aufstieg neuer Mächte wird das amerikanische Zeitalter beenden. Darüber sind sich die Experten einig. Doch wird diese Welt auch sicherer sein?

So schnell ändern sich Zeichen, Zeiten und Stimmungen. Was gestern noch gültig war, gilt heute nicht mehr – sogar in der Geopolitik. Erinnern wir uns: Anfang der 1990er Jahre – der Eiserne Vorhang war gerade gefallen, der Kältetod des Sowjetimperiums stand noch bevor – sorgte der Begriff „Unipolarer Moment“ für große Aufregung innerhalb der politischen Beraterzunft (The Unipolar Moment). Geprägt und in Umlauf gebracht hatte ihn Charles Krauthammer. Mit dem Ende des Kalten Krieges, so der Starkolumnist der Washington Post, sei „etwas Einmaliges und vollkommen Neues entstanden – eine unipolare Welt, die fortan von einer einzigen Supermacht beherrscht wird.“ Seit dem Römischen Weltreich hätte kein Land die Welt mehr so dominiert wie die USA – kulturell und technisch, ökonomisch und militärisch. Der „amerikanische Moment“, davon war Krauthammer überzeugt, werde Dekaden, wenn nicht Generationen dauern und Glücksfall für eine neue internationale Ordnung sein (America Rules: God thanks)

► American predominance does not stand in the way of progress toward a better world, therefore. It stands in the way of regression toward a more dangerous world.
Robert Kagan, The Return of History, and The End of Dreams

Nicht mal zwanzig Jahre später scheint das „Project For The New American Age“ Geschichte, der Traum vom „neuen Unilateralismus“ ausgeträumt (The New Unilateralismus – revisited) und Das Neue Rom zerstört. Außer markigen Papieren (Defence Planning Guidance), martialischer Lehren (Bush-Doktrin) und politischer Semantik (Unipolar moment or unipolar era?) ist von der „Grand Strategy“, mit der die USA die Welt demokratisieren, marktgängig machen und politisch kontrollieren wollten, nichts mehr übrig.

Karikatur: El Patio

Daran können auch alle gut gemeinten Versuche wenig ändern, die unipolare Doktrin zu überarbeiten und sie trotzig oder dosiert den neuen politischen Realitäten anzupassen.

Schon seit geraumer Zeit zerbricht man sich darum auf Konferenzen, in der politischen Blogosphäre oder in einschlägigen Zeitschriften den Kopf über die Zukunft der US-amerikanischen Macht, darüber, was der Bush-Doktrin und dem Unipolarismus wohl folgen wird.

So auch in Foreign Affairs, in der Krauthammer seinerzeit mit seinem Essay für Furore gesorgt hatte. Besorgt fragt man sich dort, ob das neue amerikanische Zeitalter, das dem einundzwanzigsten Jahrhundert seinen Stempel aufprägen sollte, bloße Momentaufnahme geblieben ist; und:ob die Supermacht sich möglicherweise wirtschaftlich und machtpolitisch übernommen hat und sich auf dem absteigenden Ast befindet.

Unipolarismus adé

Unbekannt oder gänzlich neu ist das Thema nicht. Ende der 1980er, noch ehe sich das Ende der bipolaren Welt abzeichnete, hatte Paul Kennedy in seinem Megaseller „The Rise and the Fall of Great Powers“ bereits einen Vergleich zwischen dem Britischen Empire und der Pax Americana angestellt, der für die Weltmacht mit einem wenig schmeichelhaftem Ergebnis endete. Die Vereinigten Staaten, so der prominente Yale-Professor, stünden am Ende des 20. Jahrhunderts vor ihrem machtpolitischen Abstieg.

Entwickelt hatte der britische Historiker seine Behauptung ausgerechnet am Beispiel der so genannten „Reaganomics“, die ein paar Jahre später zu jenem „Unipolarismus“ geführt haben, den Krauthammer ausgerufen hatte, und die von ihm und anderen Neocons (wohl nicht ganz zu unrecht) als später Triumph im Kampf gegen Diktatur, Unfreiheit und Krieg gefeiert worden sind. Kennedy war überzeugt, dass sich das Land durch das immense Staatsdefizit, das es durch die massive militärische Aufrüstung und dem antikommunistischen Kampf gegen das Sowjetreich angehäuft hatte, restlos „übernommen“ hatte und Amerikas Niedergang daher unvermeidlich sei.

Und kurz vor der Jahrtausendwende hatte auch Samuel Huntington allem unipolaren Gerede (The Lonely Superpower), wie auch jedweden imperialen Ambitionen eine Absage erteilt. Angesichts vieler alt gedienter Partner und Verbündeter, die sich immer häufiger US-amerikanischen Forderungen widersetzten, sowie anderer Nationen, die der Politik, den Werten und Idealen des Landes zunehmend feindlich gegenüberstünden (The Politics of Rage: Why Do They Hate Us?), müsste Washington erst wieder die Regeln und Gepflogenheiten der internationalen Politik neu lernen, die Form der gegenseitigen Konsultation, der geheimen Diplomatie und der politischen Kompromissbildung etwa, bevor sie weiter „arrogante Forderungen“ aufstellte.

Mittlerweile scheint diese Botschaft angekommen und mehrheitsfähig zu werden. Nicht nur in Asien und Europa, wo sich die Stimmen derer mehren, die Abschied von einer Weltordnung nehmen, in der eine Supermacht über allen anderen Nationen thront und sich selbstherrlich zum Herren über Recht und Gesetz, Frieden und Krieg erklärt (A Grand Strategy of Sustainment). Sondern auch in den USA, wo sogar neokonservative Politiker, wie der ehemalige Planungsdirektor im State Departement Richard N. Haass, vom Unipolarismus abrücken und ihm ein donnerndes Lebewohl hinterher rufen. (The Age of Nonpolarity).

Primus inter pares

Insofern überrascht weniger die Debatte an sich als der alarmistische Ton mit der die Thematik in den USA vorgetragen und auf die politische Agenda gestoßen wird. Verantwortlich für das Getöse, seine Dramatisierung und Zuspitzung ist Fareed Zakaria mit seinem frisch gedruckten Buch „The Postamerican World“, das derzeit mit Essays, Interviews und Videoblogs in Newsweek und in Foreign Affairs heftig beworben wird. Darin nimmt der Herausgeber von Newsweek International und mögliche Anwärter auf einen herausgehobenen Posten in einer Regierung Barack Obamas, rhetorisch polternd Abschied von einem Jahrhundert, das einst von den USA geprägt und dominiert worden ist. Der Amerikaner indischer Herkunft ist überzeugt, dass das Land seine goldenen Jahre hinter sich und seine herausgehobene Stellung („Exzeptionalität“) in der Welt verloren hat. Amerika ist zwar weiter und auf absehbare Zeit hin der gewichtigste Akteur auf der Weltbühne, aber nur noch einer unter vielen anderen Global Playern.

Bewusst sei ihm das auf seinen ausgedehnten Reisen nach Europa, Asien und in den Mittleren Osten geworden. Alles, was einst Amerikas Glanz und Ruhm, Macht und Ansehen ausgemacht und das Land über alle anderen gehoben hat: Wirtschaftskraft, Innovationsgeist oder kulturelle Strahlkraft, habe sich an andere Orte oder in andere Weltgegenden verlagert.

So befänden sich die höchsten Gebäude der Welt, die größten Spielcasinos und das mächtigste Finanzzentrum nicht mehr in New York oder Las Vegas, sondern in Taipeh oder Dubai, auf Macao oder in London. In Europa, und nicht in etwa Seattle, werde das weltgrößte Passagierflugzeug gebaut, während der größte Investmentfond von Abu Dhabi aus gesteuert wird und die größte Raffinerie ihren Sitz in Indien hat. Und Bollywood habe, was den Ausstoß, die Rezeption und die Verbreitung von Filmen angehe, Hollywood längst hinter sich gelassen.

Politisch gleichgültig gegenüber dem Aufschluss anderer

In der öffentlichen Wahrnehmung, insbesondere in den Präsidentschaftskampagnen der beiden großen Parteien, spielte das alles keine Rolle. Statt sich mit den strukturellen Macht- und Wohlstandsverschiebungen in der Welt auseinandersetzen, beispielsweise, dass mehr als hundert Länder dieser Welt eine größere Wachstumsrate aufwiesen als die USA, beschäftige man sich mit Wahlkampfstrategien und wechselnden Taktiken, mit Entlassungen von Wahlkampfmanagern oder den Macken und persönlichen Verfehlungen der Kandidaten. Damit, ob Hillary Clinton einem Heckenschützen vor sechzehn Jahren in Bosnien nur knapp entgangen sei oder sie die Geschichte frei erfunden habe; damit, ob Barack Obama auch wirklich eine US-Flagge am Revers seines Anzugs trage oder immer noch unter dem Einfluss eines radikalen Predigers stünde; oder damit, ob John McCain vor etlichen Jahren eine Geliebte gehabt, seine Frau betrogen oder möglicherweise ein Flugzeug mehrmals unrechtmäßig benutzt habe.

Fast zwei Drittel aller Wahlkampfberichte der US-Medien widmeten sich derlei Trivialitäten – aber nicht von jenen politischen Inhalten, die Land und Bevölkerung wirklich bedrohen, aufschrecken und in Bewegung bringen sollten. Von der unrühmlichen Rolle, die die öffentliche Medien dabei spielten, ganz zu schweigen.

Interessant an Zakarias düsterem Blick ist, dass er für Amerikas Hegemonieverlust nicht, wie allgemein üblich, den Aufstieg Chinas, Indiens oder Russlands verantwortlich macht, sondern ihn auf wesentlich breitere Schultern verteilt, auf Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko oder Südkorea, auf riesige Handelsunternehmen oder Finanzfonds, die ihren Sitz in Dubai, Argentinien oder Südafrika haben, oder auf globale Organisation wie den IWF oder die Weltbank, die WTO oder die eine oder andere NGO. Anders als bestimmte Auguren in Europa (Weltkrieg und Wohlstand) warnt Zakaria nicht vor der Rohstoffmacht des russischen Bären, der Arbeits- und Konsumwut des chinesischen Drachen oder einem drohenden weltpolitischen „Konflikt zwischen Demokratien gegen Autokratien“,
sondern spricht davon, dass die restliche Welt zur Supermacht aufgeschlossen habe (The Rise of the Rest). Eine „Dritte Welt“, wie wir sie noch aus den bipolaren Zeiten des Kalten Kriegs kennen, existiert für Zakaria demnach nicht mehr.

Gut aufgestellt

Der Aufstieg der anderen muss aber nicht unbedingt den Abstieg der Supermacht zur Folge haben. Obgleich sie hoch verschuldet sind, die Sparquote seiner Bürger äußerst gering ist und Schlüsselindustrien wie die Autoindustrie, das Stromnetz oder die Mobilkommunikation total veraltet sind, nehmen die USA nach wie vor eine herausragende Position im weltweiten Ranking der Nationen ein. Sie sind nicht nur die wettbewerbfähigste Nation der Welt und jederzeit in der Lage, Fehler zu korrigieren und sich an neue Gegebenheiten (siehe Klimawandel und Solartechnik) schneller anzupassen als die bürokratielastigen Nationen Europas. Auch auf militärischem Gebiet könne kein Land der Erde den USA das Wasser reichen. Daran ändere auch der Irakkrieg oder das Afghanistan-Abenteuer nichts, die trotz der hohen Kosten das Bruttosozialprodukt der USA kaum tangierten.

Gleiches gelte für den Bereich der Zukunftstechnologien. Sowohl im Nanobereich als auch auf dem Gebiet der Agrartechnik und Biotechnologie sei das Land führend. Acht von zehn Universitäten befänden sich unter den Top Ten, die klügsten Köpfe, Begabungen und Talente stünden Schlange, um dorthin berufen zu werden oder dort unterrichten zu dürfen. Hinzu kommt, dass Amerika die offenste, dynamischste und flexibelste Gesellschaft der Welt habe. Sie sei demografisch vital und mobil und habe auch kein Alterungsproblem. Trotz manch ethnischer Probleme, schafften die USA es immer wieder, die unterschiedlichsten Kulturen, Rassen und Religionen aufzunehmen und zu integrieren. Allein die Bewerbung um das Präsidentenamt zeige, dass der Amerikanische Traum nach wie vor wie funktioniere. Nirgendwo sonst wäre es möglich, dass ein Schwarzer und Muslim, eine weiße Frau und ein Mormone um das höchste Amt im Staate kandidierten.

Echte Probleme

Wirtschaftlich, sozial und kulturell hätten die USA allerdings ihre Strahlkraft und Ausnahmestellung längst eingebüßt. Die mächtigsten Unternehmen, die reichsten Menschen oder die bekanntesten Persönlichkeiten operierten oder lebten in Malaysia, Brasilien, Indien oder China. In diesen wirtschaftlich aufstrebenden Staaten sei weit über eine Milliarde von Menschen in Bewegung und dabei, ihre vormalige Armut abzustreifen. Wichtige Nachrichten, Informationen und Daten entnähmen sie nicht mehr CNN, BBC oder der NYT, sondern AL Jazeera, NDTV oder Telesur. Dadurch würden die Menschen mit alternativen Weltsichten, Lebensentwürfen und Erzählungen konfrontiert, die den westlichen häufig widersprächen oder ihnen diametral entgegenstünden. Schließlich wanderten auch wichtige Unternehmen ab. Während sie ihre Stützpunkte in dynamischere Gegenden verlegten, übernähmen arabische, asiatische oder russische Konzerne Aktienpakete, Anteile oder ganze Firmensparten von US-Unternehmen.

Noch rangiere das Land politisch zwar weiter unangefochten an der Spitze. Es ist in allen wichtigen Gremien vertreten und kann durch sein Veto jederzeit Verträge und Beschlüsse der anderen torpedieren. Das muss aber nicht immer so bleiben. Entscheidend für die Vorherrschaft Amerikas wird sein, ob es dem Land gelingt, auf das Emporkommen der restlichen Welt, das Zakaria nach der Entdeckung Amerikas um 1500 und die Entwicklung des Landes zur alles beherrschenden Macht im 20. Jahrhundert zum dritten einschneidenden Ereignis der Neuzeit erklärt, politisch und wirtschaftlich überzeugende Antworten zu finden.

Politisch engstirnig

Zakaria scheint hinsichtlich dessen nicht allzu optimistisch. Damit die USA siegreich aus diesem verschärften globalen Wettbewerb hervorgehen, fehlt es ihnen an politischer Klugheit und Führung im Land. Vor allem bei den politischen Eliten des Landes vermisst er ein solches Bewusstsein. Sie wollten nicht wirklich verstehen, was da auf das Land zurollt. Statt sich diesen Herausforderungen zu stellen, ihnen offensiv zu begegnen und politische Weitsicht zu zeigen, vergeude sie ihre Kräfte in ideologische Kleinkriege und parteipolitischem Hickhack; statt Siegermentalität und Leidensfähigkeit der Bürger zu wecken, auf die das Land einst so stolz gewesen ist, und den Amerikanern klarzumachen, dass Verzicht auch heißen kann, später dafür belohnt und entlohnt werden, übe man sich in Washington verstärkt in Rollenprosa und medialem Theater.

Meinungsumfragen bestätigten das. Vier Fünftel der Amerikaner glauben ihr Land auf dem falschen Kurs. Noch nie hätten die Amerikaner, seit es Aufzeichnungen dazu gibt, so düster in die Zukunft geblickt. Und das nicht bloß wegen der Finanz- und Immobilienkrise, dem Irakkrieg, der Angst vor Terror oder einer möglichen Rezession. Die Depression gehe viel tiefer. Ein Viertel aller Amerikaner habe keine Krankenversicherung, während die soziale Ungleichheit wachse. Gleichzeitig sinke das Vertrauen, dass die Politik bereit sei, die notwendigen Sozialreformen einzuleiten. Die brauche das Land aber dringend, will es weiter vorneweg marschieren.

Als besonders engstirnig präsentiere sich derzeit die Außenpolitik. Zwar möchte Washington weiter und überall über die Regeln befinden, nach denen die Welt zu verlaufen habe. An sie halten will die Weltmacht sich aber nicht. Durchzuhalten sei eine solche Politik auf Dauer aber nicht. Erst recht nicht in einer Welt, die mehrere Pole und Machtzentren besitzt. Sie wird nicht nur ständig Widerstände und Widersprüche hervorrufen und den Antiamerikanismus verstärken, in einer solchen multipolaren Ordnung nehme der machtpolitische Einfluss einer „einsamen Supermacht“ naturgemäß ab.

Problem der Demokratie

Was soll man nun von Zakarias Abgesang auf das US-politische System und seine Akteure halten? Wirklich überzeugen vermag er damit nicht. Einerseits kann man derlei „Neutralisierungen und Entpolitisierungen“ in allen westlichen Demokratien beobachten. Seitdem dort die Politik am Haken der Massenmedien hängt, haben Personalien, Schaufensterpolitik und parteipolitisches Gezänk das Politische ersetzt. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass keine Entscheidungen von großer Tragweite mehr gefällt werden. Sie haben sich, nachdem die öffentlichen Arenen und Bühnen von Kameras ausgeleuchtet und von Mikrofonen überfüllt sind, eher in die politischen Vorräume und Hinterzimmer, in Beraterzirkel und Behördenbüros verzogen.

Dass die „Epoche der Staatlichkeit“ zuende geht, der Staat als „Glanzstück europäischer Form und okzidentalem Rationalismus“ entthront und im Zeitalter der „massenmedialen Öffentlichkeit“ alles „den nächsten Zwecken des tagespolitischen Kampfes oder Konsums angepasst“ wird, ist ja keine taufrische Entdeckung, die Zakaria am Beginn des neuen Jahrtausends in Washington macht. Sie hatte Carl Schmitt seinerzeit schon in der Zwischenkriegszeit in der Weimarer Republik gemacht und darob den Verlust des Politischen beklagt. Verzerrte und verzerrende Kommunikationen besser im Griff zu haben und politische Entscheidungen nicht dem Lärm und Gezänk der anderen auszusetzen, sind gewiss eine der großen politischen Vorteile, die autokratische Systeme gegenüber liberalen Demokratien haben.

Reichlich verfrüht

Andererseits muss man sich um die Zukunft Amerikas vorerst keine allzu großen Sorgen machen. Amerika wird auch weiterhin eine Schlüsselstellung im internationalen System innehaben. Die Macht Amerikas mag vielleicht weniger Raum einnehmen; und die Welt wird mit Sicherheit ein Stück weit postamerikanischer werden, nicht-amerikanisch oder gar antiamerikanisch wird sie jedenfalls nicht. Das Land hat, wenn man so will, seine historische Mission erfüllt. Es hat den Globus globalisiert und ihr seine Ideen und Ideale, Gesetze und Spielregeln aufgezwängt. „Ein Nachruf“, wie ihn der Franzose Emanuell Todd vor Jahren schon einmal formuliert hat, scheint, auch oder erst recht nach der Lektüre von Zakarias Buch, jedenfalls reichlich verfrüht.

Nimmt man Aussagen der vermeintlichen US-Rivalen China und Russland ernst, dann hat sich an der „Großmachtpolitik und dem Unilateralismus“ der Supermacht sogar wenig geändert. Nach Meinung der beiden nun in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit vereinten asiatischen Mächte besteht die Welt nach wie vor aus einer Supermacht und mehreren Großmächten. „Die künftige politische Ordnung wird von jenen gestaltet, die die Macht haben, sie zu gestalten“, meint lapidar Zakarias Kritiker und neokonservativer Antipode Robert Kagan. „Die politischen Führer der postamerikanischen Welt werden sich“, dabei einen Seitenhieb auf die moralische Übergesinnung Europas austeilend, „nicht in Brüssel, sondern in Peking, Moskau und Washington treffen“.

Multipolar? Nichtpolar!

Und diese weltpolitische Konstellation gilt nicht nur für eine „multipolare Welt“ à la Zakaria. Erinnern wir uns nochmals kurz: Als Krauthammer den Unipolarismus formulierte, hatte er, was in der hitzig geführten Diskussion meist unterging, bereits die Multipolarität vor Augen. Für ihn war das „unipolare Moment“ nur eine Zeit des Übergangs. Die USA sollten für eine gewisse Zeit, deren Dauer ungewiss war, „diese unipolare Welt führen und ohne Scham die Regeln der Weltordnung festlegen und auch durchsetzen.“ Er war sich aber sicher, dass danach andere große Mächte die Bühne betreten und den USA die Macht streitig machen würden. Dieser Aufstieg großer Mächte und Rivalen könnte, und darüber war Krauthammer aufrichtig besorgt, zu einer politischen Lage führen, die jener vor WK I gefährlich nahe käme, als die europäischen Mächte sich um Pfründe und Anteile am Weltkuchen schlugen.

Während dies laut Robert Kagan schon passiert ist, er darum für eine „Liga der Demokratien“ wirbt, um den sich machtvoll formierenden Autokratien in Asien eine mächtige Allianz entgegenzusetzen, betrachtet Richard N. Haass genau dieses Moment für gescheitert. China und Russland seien zu sehr ins internationale Netz eingebunden und abhängig vom amerikanischen Markt und/oder Investitionen aus dem Ausland. Auch sei die Dominanz der USA letztlich zu groß, als dass diese oder andere Mächte mit ihnen auf absehbare Zeit konkurrieren könnten.

Gleichwohl dürfe die relative Stärke Amerikas nicht den Blick verstellen, dass seine Stellung, sein Einfluss und seine Unabhängigkeit in der Welt schwinden. Da ist er sich mit Zakaria einig. Alternativ zur „multipolaren“ oder „unipolaren“ zeichne sich vielmehr ein „nichtpolares Zeitalter“ ab, das von mehreren dutzend Mächten getragen wird. Zu diesen Akteuren zählt der jetzige Direktor des Council on Foreign Relations (http://www.cfr.org/) regionale Mächte und Staatenbünde in Asien, Südamerika oder Afrika ebenso wie mächtige Organisationen und Korporationen und nicht-staatliche Akteure, die unterschiedlichste Macht in Händen halten und an vielen Orten der Welt verteilt sind.

Klare Frontlinien schwinden

Eine solche „nichtpolare Weltordnung“, Ergebnis der Globalisierung, wird, da sind sich Haass, Kagan und Krauthammer einig, viel unsicherer, schwieriger und gefährlicher sein als jede uni- oder multipolare. Nicht bloß, weil die Beziehungen zwischen Nationen, Völkern und Akteuren vielfältiger, situationsabhängiger und durchlässiger sind und dadurch Diplomatie, Kooperation und Konsensbildung erschwert werden. Sondern auch, weil die klare Freund-Feind-Bildung, die das Politische ausmacht, dadurch schwinden. Ein „You’re either with us, or against us“ zu fordern, eine „Koalition der Willigen“ zu formen oder eine Liga der Demokratien zu gründen, wie sie John McCain und seinem engen Berater Robert Kagan vorschwebt, ist in einer nichtpolaren Welt eher unmöglich.

Pakistan ist dafür ein klassisches Beispiel. Einerseits ist es ein großer Verbündeter der NATO, das ernsthaft am War on Terror teilnimmt; andererseits liebäugelt es aber mal offen, mal heimlich mit den Taliban und unterstützt sie unverhohlen. Ähnliches ließe sich über Ägypten, Saudi-Arabien oder Indien sagen. Auf der einen Seite unterstützt etwa Delhi die Militärjunta in Myanmar und macht Lieferverträge mit dem Iran; auf der anderen Seite nennt sich das Land stolz „größte Demokratie der Welt“.

Diese „geopolitische Unübersichtlichkeit“ macht es für die Supermacht nicht leichter sich zu behaupten. Für sie, wie für alle übrigen Staaten und ihre politischen Führer, bedeutet dies, dass es auf manchen Gebieten mit unterschiedlichsten Partnern und Rivalen Zusammenarbeit geben wird, auf anderen und mit anderen wiederum nicht. Gleichzeitig wird die Supermacht sich mit anderen Werten, Ideen und Standpunkten, Weltsichten, Lebensentwürfen und Interessen auseinandersetzen müssen. Sie muss lernen, sich in dieser Welt politisch zu bewegen und entsprechend zu positionieren.

Asiatische, arabische oder muslimische Werte unterscheiden sich diametral von westlichen. Hier wird die Gemeinschaft und die Tradition, hedonistische Abstinenz oder die religiöse Übung honoriert, dort der individuelle Entwurf, der liberale Gesinnung und die Politische Theologie des Universalismus und der Menschenrechte. Chinesen, Inder und Russen sprechen zwar Englisch, aber die Amerikaner kein tamilisch, serbokroatisch oder taiwanesisch. Auch sieht die Welt, und nicht nur die Landkarte, von Moskau, Peking oder Buenos Aires ganz anders aus als von Washington, Berlin, London oder Paris.

Was westliche Staaten beispielsweise als moralischen Akt und humanitäre Intervention feiern, deuten Berater und Politiker in Peking und Moskau als gesetzlose Handlung und unverhüllte Aggression, als Missachtung der Souveränität und Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer Nation. Und was Washington als Akt der Vernunft und Teil realistischer Politik verstehen, die bilateralen Beziehungen zu Riad oder Kairo etwa, brandmarken Peking und andere als Doppelmoral einer Politik der Menschenrechte.

Diffuse Macht

Dies macht deutlich, dass in einer „nichtpolaren Welt“ Macht und Einfluss, Status und Ansehen einer Macht viel diffuser verteilt sind als in jeder anderen. In ihr wird es für „God’s own country“ jedenfalls schwieriger, Bündnisse nach Gutsherrenart zu schmieden, Antworten auf regionale oder globale Herausforderungen zu finden oder anderen ihren politischen Willen aufzuzwingen. Das postamerikanische Zeitalter mag Antiamerikaner zum Jubilieren bringen. Über den Preis, der für Amerikas relativen Abstieg weltweit zu entrichten ist, wird man bestimmt nicht erfreut sein. Vor allem nicht in Europa. Spätestens nach der Präsidentenwahl wird man das merken, wenn der neue Amtsinhaber Berlin, Brüssel oder Rom zu mehr Eigenverantwortung, Vorsorge und Partizipation bitten wird und die vermeintlich höhere Moral und Gesinnung, die die Europäer wie ein Banner oder Schutzschild vor sich hertragen, sich militärisch und machtpolitisch beweisen muss.

Haass ist darum auch überzeugt, dass die Zahl der Bedrohungen und Verletzbarkeiten wachsen wird. Nicht nur für die USA, sondern für alle Staaten. Terror, Klimawandel, Rohstoff- und Energiemangel betreffen alle Staaten, Völker und Nationen. „Die nichtpolare Welt wird ein riesiger Kessel der Instabilität sein“, so Haass. „Aus Sicht einer idealen Kantischen Weltordnung mag eine unipolare Ordnung gefährlich und ungerecht sein. Verglichen mit jeder anderen ist sie aber relativ stabil und vermindert die Wahrscheinlichkeit einer militärischen Konfrontation zwischen großen Mächten“, pflichtet Kagan bei. Dass sich die Staaten dafür militärisch wie technisch rüsten und preemptive strikes in den USA, gleich unter welcher Präsidentschaft, auch weiter für legitime Akte der Selbstverteidigung gehalten werden, sollte daher niemanden verwundern. „Amerikas Vorherrschaft“, so Kagan weiter, „steht nicht für die Zukunft zu einer besseren Welt; sie steht vielmehr gegen einen Rückfall in eine gefährlichere Welt.“

„Globalisiert Euch“

Viel wird deshalb darauf ankommen, ob es der Supermacht gelingt, diesen Trend zu mehr Instabilität, Unordnung und Unsicherheit zu stoppen. Ist sie in der Lage, die auf- und widerstrebenden Kräfte und Mächte ins globale System zu integrieren und die strukturellen Verschiebungen von Wohlstand, Reichtum und Macht in eine Win-Win-Situation für alle zu verwandeln? Die Kapazitäten dazu hat sie zweifellos, meinen Haass und Zakaria. Und das nötige Sendungsbewusstsein, um die sich verändernde globale Landkarte in ihrem Sinne zu gestalten und zu beeinflussen, auch. Nach wie vor ist sie die „unverzichtbare Nation“.

Die Frage ist nur, ob die politischen Eliten und die neue politische Führung den Willen und die Bereitschaft dazu zeigen und die nötige Kraft, Geschicklichkeit und Beharrlichkeit dafür aufbringen und die „postamerikanische Welt als neue Realität erkennen“. Das Fenster dafür steht offen. Allerdings muss das Land die Gelegenheit auch beim Schopfe packen. Damit das passiert, wäre laut Zakaria eine Frischzellenkur dringend nötig. Sie müsste dafür sorgen, dass Land, Politiker und Bevölkerung Mentalitäten, Haltungen und Grenzen öffnen und sich endlich selbst globalisieren.

Quelle: Telepolis

Written by mohart

11. August 2009 at 12:58

Der Dalai Lama war nicht in Wacken


Autor: Jutta DITFURTH

Verglichen mit dem Auftritt des Dalai Lama in Frankfurt/Main und der unterdrückt-aggressiven Hysterie seiner Anhänger ist das jährliche Heavy-Metal-Festival im schleswig-holsteinischen Wacken ein Hort der Sanftheit, Freiheit und Emanzipation. Der Dalai Lama war in Frankfurt/Main und 50000 lagen zu seinen Füßen, Promis buhlten um Privataudienzen. Einnahmen: 1,75 Millionen Euro plus Spenden und Eso-Kommerz. »Der reale Humanismus hat in Deutschland keinen gefährlicheren Feind als den Spiritualismus…« schrieben Marx und Engels 1845 und sie hatten Recht.

Die Aussagen des Dalai Lama besitzen die Präzision eines Horoskops: Irgendwas passt immer, jedenfalls sofern man den kritischen Verstand ausschaltet. Dazu sind zehntausende deutscher Mittelschichtler ohne Skrupel bereit. Warum?1987 war ich in Tibet. Ärmste, offensichtlich mangelernährte gläubige Tibeter krochen demütig auf dem Bauch durch den Dreck vor den Tempeln, während Touristen die Edelsteingeschmückten goldenen Statuen der Paläste anhimmelten. Die soziale Lage der Tibeter war ihnen völlig gleichgültig. Es ging nur um ihr »spirituelles Heil«. In einem Kloster sah ich Dutzende von tibetischen Kindern, wie hospitalisiert schaukelnd, stundenlang im Halbdunkel und bei stinkenden Yakbutterlampen, Sprüche von Tafeln ablesen, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Das nannten die Mönche »Ausbildung«. So zerstört man Gehirne.

»Was ist« fragte ich einen leitenden Mönch, »wenn eines dieser Kinder eines Tages doch anders leben will, vielleicht in eine Schule gehen und studieren?« Seinen Zynismus werde ich nie vergessen. Er sagte, dass sie sich aus den tibetischen Familien die viel versprechendsten Kinder holen, im Alter von vier bis fünf Jahren. So hält man sich die weltliche Konkurrenz vom Hals. Da es für die meist sehr armen Eltern von hohem Prestige war (Karma! Karma!), wenn eines ihrer Kinder auserwählt wurde, würden die Kinder aus ihren Familien verstoßen werden, falls sie fliehen. Der Mönch grinste selbstzufrieden als er hinzufügte, dass die Jungs ja auch kein Geld hatten und keine Schuhe. »Wie soll so einer über die hohen Berge die Tibets fliehen – ohne Nahrung und barfuss durch den Schnee?«

Die soziale Lage der Tibeter ist den Anhängerinnen des Dalai Lama nicht nur vollkommen egal – sie verlangen sogar die »Bewahrung der tibetischen Kultur«. (Das fordert auch die Linkspartei). Woraus bestand diese »Kultur«? Unter der Herrschaft des Dalai Lama und seiner Vorgänger lebten 95 Prozent der Tibeter in Leibeigenschaft, tyrannisiert von Adel und Kirche. Tibet war eine feudalistische Sklavenhaltergesellschaft. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts gab es keine Prise Demokratie. Hände abhacken bei Diebstahl, Folter vielfältiger Art bei oppositionellem Verhalten, Gefängniszellen in den Klöstern. Von der abgrundtiefen Frauenverachtung ganz zu schweigen. Aber auch die Sozialgeschichte Tibets interessiert die Dalai Lama-Fans nicht.

Im indischen Exil des Dalai Lamas wird noch heute abweichendes, kritisches Verhalten bestraft. Es herrschen Angst und Anpassung. Die deutschen Untertanen lieben Begriffe wie »Seine Heiligkeit« und »Seine Exzellenz«. Manche unserer Großeltern hätten geglaubt, Kaiser Wilhelm II. ist zurückgekehrt (Wiedergeburt!).

Von seltsamer Gleichgültigkeit bleiben die Dalai-Lama-Gläubigen auch gegenüber der Zusammenarbeit des Dalai Lama und seiner Familie in (seit?) den 1950er Jahren mit der CIA. Bis heute gehört es zu den geostrategischen Interessen der USA, die westliche Staatsgrenze Chinas in Frage zu stellen. Aber völkerrechtlich gehört Tibet zu China so wie Bayern zur Bundesrepublik. Für die Grenzaufweichung wird der Dalai Lama gebraucht, als eine Art »kalter Krieger«. Aber angesichts der starken Stellung Chinas gegenüber den USA in der Weltwirtschaftskrise müssen die USA zur Zeit ein bisschen vorsichtiger agieren. Vielleicht gibt es deshalb hie und da endlich ein paar kritische Töne, z.B. im stern, der wie der Spiegel jahrelang dem Dalai Lama gehuldigt hat? Gleichgültig sind die deutschen Dalai-Lama-Fans auch gegenüber den nachgewiesenen jahrzehntelangen freundschaftlichen Kontakten des Dalai Lama zu Nazis (SS-Oberscharführer Heinrich Harrer), Rechtsextremen (Jörg Haider, Miguel Serrano) und Shoko Asahara, dem Anführer der giftgasmörderischen AUM-Sekte. Von den engen Beziehungen Lhasas zu Himmlers SS-Ahnenerbe (NS-Tibet-Expedition auf der Suche nach einer arischen Elite) hat sich der Dalai Lama nie distanziert.

Er ist ein raffinierter Diplomat und kennt seine Jünger aus den Zentren des Kapitalismus genau, ihre soziale Ignoranz und ihre Sucht nach kritikloser Gläubigkeit, Hauptsache sie haben ein gutes Gefühl. Das Nützliche am lamaistischen Buddhismus, wie an den meisten Religionen, ist, dass sie privilegierten Menschen und Herrschaftsstrukturen Absolution erteilen. Oben bleibt oben und unten unten. Kein Widerstand, keine soziale Befreiung, nicht die kleinste Revolte. Auf’s Jenseits vertröstet. Alles ist Karma, auch Profit und Erfolg. Wie äußerst nützlich ist diese Ideologie in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und Massenverelendung!

Bevor nun die organisierten AnhängerInnen des Dalai Lama ihre üblichen stereotypen Schmähbriefe losschicken (ihr Mantra: Alle Kritik am Dalai Lama wird von der chinesischen Regierung bezahlt!) noch eins: Man kann den Dalai Lama, seine Kirche und seine Anhänger kritisieren UND die inhumane Diktatur der chinesischen Regierung – unter der übrigens auch andere Chinesen leiden.

Dienstag, 4. August 2009

52.500 Besucher sahen den Dalai Lama in Frankfurt am Main

Seine Heiligkeit beendet seinen Besuch in der Commerzbank-Arena / Veranstalter ziehen positives Fazit / Kostendefizit soll voll kompensiert werden

Frankfurt am Main, 3. August 2009. Mit dem Abschlussvortrag Die Kunst des Lebens endete gestern der viertägige Besuch des Dalai Lama in der Commerzbank-Arena in Frankfurt am Main. 52.500 Besucher nutzten in diesen Tagen die Gelegenheit, dem spirituellen Vorbild von Millionen Menschen ganz nahe zu sein. Begleitet wurde der Besuch des Dalai Lama von einem interessanten Rahmenprogramm mit vielen prominenten Teilnehmern aus Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft.

Insgesamt zogen die Veranstalter, die gemeinnützige Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 GmbH mit ihren Gesellschaftern Deutsche Buddhistische Union, Pagode Phat Hue und Tibethaus Deutschland, eine positive Bilanz und dankten allen Beteiligten, die zu diesem Erfolg beigetragen haben.

Jörg Ulmer, Projektmanager der Großveranstaltung, bedankte sich vor allem bei der Commerzbank-Arena, den Mitarbeitern der drei veranstaltenden buddhistischen Gruppen, dem Kommunikationsteam rund um Geschäftsführer Mike Kuhlmann, den 408 Volunteers, den über 220 Sicherheitskräften und der Polizei sowie bei seiner Frau Simone, mit der zusammen er die Veranstaltung seit rund zwei Jahren vorbereitet hatte. Der Dank der Veranstalter ging weiterhin an das Land Hessen, die Stadt Frankfurt sowie an alle Künstler, die sich im Rahmen der Veranstaltung engagiert haben.

Rund 1,75 Millionen Euro konnten durch Ticketverkäufe und Spenden eingenommen werden, damit fehlen aktuell noch 150.000 Euro bis zur vollständigen Deckung der Kosten.

„Durch die unermüdliche Arbeit des gesamten Teams konnten wir das Kostendefizit in den vergangenen Wochen bereits reduzieren. Natürlich arbeiten wir weiter daran, diesen Betrag zu optimieren und sind zuversichtlich, dass uns dies auch gelingt. Die positive Resonanz des Dalai Lama hallt nach und wir sind optimistisch, noch weitere Spendengelder generieren zu können“, so Mike Kuhlmann, Geschäftsführer der Buddhismus in Frankfurt a.M. 2009 gGmbH. „In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch einmal betonen, dass ein möglicher Verlust auf keinen Fall auf Dritte übertragen wird – alle Rechnungen werden beglichen.“

Vajramala, Vorsitzende der Deutschen Buddhistischen Union, ergänzte: „Falls wir am Ende tatsächlich einen Verlust bilanzieren müssen, werden wir als Veranstalter diesen zu gleichen Teilen tragen – und wir tun dies gerne. Seine Heiligkeit hat uns vier Tage seines Lebens geschenkt, das war und ist es uns auf jeden Fall wert.“

Weitere Informationen und Bilder unter www.dalailama-frankfurt.de

Quelle: http://dalailama-frankfurt.blogspot.com/


Quelle: http://www.was-sache-ist.de/2009/08/der-dalai-lama-war-nicht-in-wacken/

Originalartikel veröffentlicht am 5.8.2009

Über die Autorin

Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=8289&lg=de

Written by mohart

7. August 2009 at 12:57

Veröffentlicht in Asien / Ozeanien

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