Mohart's Blog

Informationen zu Fragen von Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft

Archive for the ‘Medien / Demokratie’ Category

Die israelische Linke sollte aufwachen, bevor es zu spät ist

leave a comment »

AUTOR: Gideon LEVY גדעון לוי

Übersetzt von Ellen Rohlfs

Wenn man sieht, wie die Rechten arbeiten, wird man vor Neid ganz grün und möchte von ihnen lernen. 400 kriminelle Fälle wurden gegen Opponenten des Gazastreifen-Siedlerauszugs (2005) eröffnet: gegen Leute, die mit Öl, Säure, Abfall und Steinen gegen Soldaten und die Polizei warfen . Ihre Akten wurden letzte Woche geschlossen und ihre Straftaten gelöscht. 51 Mitglieder der Knesset stimmten für das Schließen ihrer Akten, neun dagegen. Das ist die wahre Karte von Israels Politik (und Gesellschaft) Nur etwa 7% der Gesetzgeber glaubten, dass dies eine wertlose und gefährliche Entscheidung war. Der ganze Rest war damit einverstanden, befasste sich nicht mit dem Abstimmen und hatte kein Interesse.

Es hat auch keiner daran gedacht, eine ähnliche Regelung gegenüber den 800 Demonstranten anzuwenden, die gegen die Operation „Cast Lead“ protestierten und die verhaftet und angeklagt wurden, vielleicht weil sie Araber waren. Auch nicht gegenüber den Dutzenden Verhafteten, weil sie in Ost-Jerusalems Stadtteil Sheikh Jarrah protestierten, vielleicht weil es Linke waren. Die linken Demonstranten handeln nie so gewalttätig wie die Siedler, aber keiner denkt daran, ihnen zu verzeihen. Nicht die Spur von Gleichheit vor dem Gesetz, nicht die Spur von Gerechtigkeit für alle – das ist unnötig an einem Ort, wo öffentliche Scham nicht mehr existiert.

Diese skandalöse Entscheidung kam nicht aus dem Nichts. Es ist die Frucht einer Kampagne von Druck und Flehen, Schikane und Erpressung. Von jetzt an werden die Siedler und die israelische Gesellschaft wissen, dass sie sich so wild benehmen können, wie sie wollen. Selbst wenn sie jemand anzuklagen versucht; ein anderer wird wissen, wie man ihn aus der Anklage und vor Strafen schützen kann. Im Gegensatz dazu sind die Linken wie Waisenkinder. Sie haben keine öffentliche oder parlamentarische Unterstützung. Demonstranten gegen den Rückzug aus dem Gazastreifen und Pogromisten in palästinensischen Dörfern wissen, dass ihre Untaten übersehen werden, während linke Demonstranten ihrem Schicksal überlassen werden..

Von jetzt an wissen die Linken, dass so lang wie ihr Winter- (oder Sommer)schlaf andauert ihre Demonstranten ins Gefängnis geworfen werden und keiner sie auslösen wird.

Ab jetzt wird Israel wissen, dass sein Rechtssystem zwischen Rechten und Linken diskriminiert – einer starken, aggressiven und gewalttätigen Rechten und einer Linken, die sich tief im Winterschlaf befindet. So geht es, wenn die übrig Gebliebenen der Linken sich mit Tarifverträgen von Autoren oder mit den Rechten von Tieren und sinnlosem Organisieren gegen Ehud Barak befassen oder mit Gemeindesteuerausnahmen für Synagogen und Mutterschaftsurlaub für Männer. Meretz-Abgeordnete haben nicht mal Zeit für Sheik Jarrah. So ist es eben, wenn der linke Flügel des zionistischen Establishments nicht mehr lebt.

In der israelischen Gesellschaft hat es seit langer Zeit nur eine wachsame und bedeutende Gruppe gegeben. Abgesehen von wenigen radikalen linken Gruppen, die tapfer und entschlossen, aber klein und aufgesplittert sind, kämpfen nur die Siedler und ihre Anhänger hier für Dinge, die nicht persönlich sind und bei denen Geld keine Rolle spielt. Dafür müssen sie bewundert werden. Die Knesset-Entscheidung, den Siedlern zu vergeben, sollte ein Weckruf für die Linken sein. Wenn sie mit ihrer Selbstgefälligkeit weitermachen, werden sie nicht nur ihre letzten Aktivisten im Gefängnis finden, dann wird es auch nicht mehr das Land anerkennen, in dem sie leben. Es hat bei uns schon schlechtere Entscheidungen gegeben, als die, den protestierenden Rechten zu verzeihen, aber keine, die so sehr unser neues Gesicht aufdeckt, was Gesetz, Justiz und Gleichheit betreffen.

Wir können weiter über all dem still sein. Wir könnten in Haaretz ( und nur dort) Fotos von Siedlerrandalierern am internationalen Holocaust-Gedenktag sehen und darauf die Gesichter erkennen – und nicht fragen, wo bleibt die Polizei. Wir können Beschreibungen von Angriffen auf unschuldige Palästinenser lesen und nichts tun – sie weder schützen oder gegen ihre Angreifer protestieren. Wir können weiter die Fremdenfeindlichkeit des Establishments, die Deportation internationaler linker Aktivisten und Palästinenser ignorieren – die einen nur wegen ihrer Meinung und die anderen wegen ihrer nationalen Zugehörigkeit und könnten Leute gewinnen, lächerliche Petitionen zu unterzeichnen. Wir könnten einen Sturm rund um das Geschwätz über Sara Netanjahu verursachen und entsetzlich geschockt sein über den Schuh, den ein verbitterter Mann gegen den Präsidenten des Obersten Gerichtes geworfen hat; wir könnten uns übertrieben und blumig über den ernsten Schaden der Rechtsstaatlichkeit auslassen. Kaum ein Wort ist über den rüden Schuh gehört worden, den die Knesset gegen die Rechtsstaatlichkeit geworfen hat.

Wir können weiter ruhig bleiben und wissen, dass Schweigen Mittäterschaft bedeutet. Aber wenn die Linke aufwacht, wird es zu spät sein. Tatsächlich ist es schon zu spät. Meretz ist tot, Labor ist am Sterben, Kadima ist nicht-existent, Peace Now überlegt noch immer, ob es gegen das Pardon eine Petition einreichen soll – und die Rechte feiert und macht, was sie will. Augen rechts: wacht auf und lernt von ihren Methoden und wie sie kämpft. In der israelischen Gesellschaft gibt es anscheinend keinen anderen Weg.


Quelle: HaaretzIsraeli left needs to wake up before it’s too late

Originalartikel veröffentlicht am 31.1.2010

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9959&lg=de

Advertisements

Written by mohart

7. Februar 2010 at 16:16

Veröffentlicht in Medien / Demokratie, Naher Osten

Tagged with

Unbedachte Schreiber, bedenkliches Ausforschen

leave a comment »

von Volker Bräutigam

„Nur elf Prozent pro Kapitalismus“ schrieben die einen. Die anderen titelten „Immer mehr Menschen lehnen den Kapitalismus ab“. Oder ähnlich. Halbinformation lieferten sie zumeist: Zeitungen und Zeitschriften gingen mit dem Thema genauso leichtgläubig wie leichtfertig um wie einige elektronische Massenmedien. Keiner riskierte mehr als gerade mal einen oberflächlichen Kurzbericht über die global angelegte, nach Volkes Urteil über das kapitalistische Gesellschaftssystem forschende Studie der britischen BBC. Kaum einer der Berichterstatter merkte, dass er auf ganz dünnem Glatteis spazierte.

Zweifel an Sinn und Methodik der Kapitalismus-Studie der BBC: Manipulation und Kontrolle als Untersuchungszwecke?

Oberflächlicher Journalismus wie dieser zeigt, wie problematisch demoskopische Umfragen generell sind. Sie nehmen inzwischen überhand und werden zu unterschiedlichsten Zwecken veranstaltet. Nicht immer, jedoch hauptsächlich zur sozialen Ausforschung. Oft zur Entwicklung von Pseudo-Argumenten, inszeniert als Alibis, als sogenannte Entscheidungshilfen, sogar zur Verschleierung tatsächlicher Absichten, zur Verführung, Agitation und damit fast immer zur Desinformation. Meist sind sie von zweifelhafter Wissenschaftlichkeit und nähren die Befürchtung, Teil einer mächtigen, raffinierten, infamen Desinformationsmaschinerie unserer Geld- und Machteliten zu sein. Die Medien werden darin nicht nur als Transportmittel verwendet, sondern sie sind mal in Komplizenschaft aktiv, mal selbst Manipulationsopfer.

Bezogen auf den vorliegenden Fall, die BBC-Studie: Das journalistische Elend in der Berichterstattung darüber begann schon bei der Suche nach möglichst knalligen Schlagzeilen. „Studie offenbart weltweite Unzufriedenheit mit Kapitalismus“, meldete beispielsweise der SPIEGEL. Tatsächlich hatte die BBC aber zwei Studien veröffentlicht, allerdings in einem gemeinsamen Rahmen.

Die eine, vorgenommen vom Londoner GlobeScan (Global Public Opinion and Stakeholder Research)[i], trägt den Titel „Verbreitete Unzufriedenheit mit dem Kapitalismus – 20 Jahre nach dem Fall der Mauer“ (orig.: Wide Dissatisfaction with Capitalism — Twenty Years after Fall of Berlin Wall).[ii] Die andere ist mit „Weltweite Umfrage zeigt Zustimmung zu höheren Staatsausgaben und mehr Marktkontrolle“ überschrieben (orig.: Global Poll Shows Support for Increased Government Spending and Regulation).[iii]

Die beiden Studien geben unterschiedliche Erhebungsdaten an. Im einen Fall (GlobeScan) als aus 27 Industriestaaten und sog. Schwellenländern stammend und von 29 033 Befragten. Im anderen Fall in 20 Ländern von 22 158 Personen abgefragt. Voneinander abweichende Grunddaten, verschiedene Betitelung, andere Akzentuierungen: Der zweite Demoskop heißt PIPA (und ist ein US-amerikanisches Forum.

Auf diesen Klub komme ich noch einmal zurück.

Die BBC legt viele Rahmendaten offen, einschließlich der Fragestellungen und der Angaben zur Methodologie.[v] Insoweit bleibt nur zu kritisieren, dass dieses Material in den aktuell berichtenden deutschen Massenmedien kaum Berücksichtigung fand, dass nicht eingehend darüber berichtet wurde.

Ein wesentlicheres Defizit liegt anderswo: In allen mir zugänglichen Berichten, die zu der Studie bisher veröffentlicht wurden, fehlen folgende Angaben – weil die Studie selbst darüber nichts darlegt:

Zweckbestimmung: Mit welcher Absicht gab die BBC die Studie in Auftrag?

Ist die BBC eigenständiger Auftraggeber – oder handelte sie stellvertretend? Gegebenenfalls: Für wen?

Welche Perspektiven hat die Studie? Summa summarum: Wer und Was stecken dahinter?

Im Rahmen einer Langzeitbeobachtung lassen sich Datenerhebungen wie die hier besprochene ausgezeichnet nach Indikatoren für soziale Unruheherde – sprich: Gefahrenpotenziale – auswerten. Getarnt als sozialwissenschaftliche Studien von öffentlichem Interesse könnte das eine Dauerüberwachung bedeuten. Ein Kontrollsystem, dazu geeignet, der internationalen Plutokratie Hinweise auf regionale Brennpunkte zu liefern, die dann z.B. einer NATO-konkreten Aufmerksamkeit anheimgestellt würden. Nicht nur der Aufmerksamkeit des Militärs, sondern natürlich auch der jeweiligen Polizeibehörden und Geheimdienste, die einerseits global aktiv sind (CIA, BND usw.) bzw. international oder z. B. europäisch miteinander vernetzt (u.a. BKA, Stichwort: Terrorismusbekämpfung).

Sind diese Überlegungen aus der Luft gegriffen?

Erstens ist das hehre, rein wissenschaftliche Interesse solcher Medienkonzerne wie der BBC zu bezweifeln (die ihre öffentlich-rechtliche „Unschuld“ längst verloren hat; darin ist sie den deutschen Sendern von ARD über DLF und DW bis ZDF vergleichbar).

Zweitens fehlen in der Studie einige wichtige Indikatoren für eine rein zivilwissenschaftlich orientierte Untersuchung. Beispiel: Sie enthält keine Abgleichsverfahren zur Berücksichtigung der unterschiedlichen Bildungsstandards der Befragten, nicht einmal umfassende Differenzierungsprozesse nach sozialen Standards. Die Darstellung der Methodologie bei der Umfrage gibt darüber keine schlüssige Auskunft und nennt auch keinen akzeptablen Grund für das Defizit.

Für eine zivile, rein wissenschaftlich angelegte Studie wäre wesentlich, die Aussagekraft der Interviewantworten zu prüfen und darzulegen. Wobei, nur ein grobes Beispiel, danach zu unterscheiden wäre, ob ein intellektueller Wohlstandsbürger in einem entwickelten Industriestaat zur Akzeptanz kapitalistischen Wirtschaftens befragt wird, ein armer Prolet aus einem sogenannten Schwellenland – oder ein Mensch, der sich auf dem Bildungsniveau des durchschnittlichen US-Bürgers bewegt (ergo sein politisches Wissen aus TV-Seifenopern schöpft, nicht aber aus Zeitungen und Büchern).

Dass für die Befragung überhaupt soziale Auswahlkriterien bedacht wurden, zeigen lediglich zwei dürftige Bemerkungen im Kapitel Methodologie: Befragt wurden ausschließlich Erwachsene. In sieben Ländern wurden nur Großstadtbewohner interviewt, teils persönlich, teils telefonisch.

Das ist alles. Nicht einmal nach Männlein und Weiblein wurde unterschieden. Man ist perplex – und schöpft Verdacht.

Zugegeben, wissenschaftlich und empirisch vertretbare Abgleich-Verfahren nach Bildungsstandards und nach sozialen Kriterien für eine Befragung von 29 000 Personen aus 27 Nationen wären hochkomplex und hätten beträchtlichen Aufwand erfordert. Wären in der Studie aber wenigstens Ansätze davon erkennbar, so könnten sie als Indikatoren einer „zivilen“ Interessenlage der Auftraggeber gelten – und die Studie erschiene weniger beunruhigend.

Aber solche Indikatoren fehlen, leider. Das lässt Raum für Spekulationen. Die Veröffentlichung könnte ja auch erfolgt sein, weil die Umfrageergebnisse nahelegen, der Kapitalismus werde sich bei nur noch elf Prozent Zustimmung bald von selbst erledigt haben, es bedürfe folglich keiner weitergehenden Anstrengungen zu seiner Beseitigung mehr: Proletarier aller Länder, beruhigt euch! Eine fatale Fehlorientierung für alle linken politischen Kräfte, für die ganze Menschheit, von Nutzen nur der Plutokratie und deren Lenkungsstab, der Bilderberg-Konferenz.[vi]

Man sollte sich füglich der Frage widmen, wer da wohl einen globalen „Pulsfühler“ angelegt hat und möglicherweise wissen will: „Wann und wohin schicken wir die 4. Flotte? Oder: Wo noch, nach Jugoslawien und außer in Afghanistan, könnte die NATO demnächst ein wenig Wiederaufbauhilfe leisten? In Guinea vielleicht?

Schauen wir uns näher an, wer oder was die PIPA ist, das zweite für die BBC aktive Umfrageinstitut.

Selbstdarstellung (frei übersetzt): Gegründet 1992 zum Zweck, der öffentlichen Meinung größeres Gewicht in den internationalen Beziehungen zu verleihen. PIPA führt Tiefenstudien zur öffentlichen Meinung durch, die Umfragen, Fokusgruppen und Interviews umfassen. Seine Befunde verbindet es mit denjenigen anderer Organisationen. Bei Entwicklung der Umfragen sucht PIPA aktiv die Beteiligung von Angehörigen der Politik-Gemeinschaft, um so eine unmittelbare Relevanz für die Bedürfnisse der Politikgestalter zu erreichen. PIPA ist ein Gemeinschaftsprogramm des Zentrums für Politikanschauungen (COPA) und des Zentrums für Internationale Sicherheitsstudien (der staatlichen Universität) in Maryland. [vii]

Was ist das, die „öffentliche Meinung“? Wer ermittelt, repräsentiert, wer reflektiert sie? Etwa die Presse? Wer interpretiert und wer beeinflusst sie? Was besagt sie, welche Rückschlüsse erlaubt sie?[viii]

Wer weitergehenden Informationsbedarf hat, möge mit Bordmitteln recherchieren – wozu gibt es Suchmaschinen im Internet – und Fragen stellen wie:

Was ist COPA? Wer sind dessen „Sozialwissenschaftler“? Deren Qualifikationen? Politische Orientierungen? Intensionen? Connections?

Was ist CISSM, jenes „Zentrum für internationale Sicherheitsstudien“?

Teilantwort: CISSM (genau so „unabhängig“ wie viele derartige Institute an US-bundesstaatlichen Universitäten, hier aber besonders fragwürdig wegen enger Verflechtungen mit der politischen Elite im nahegelegenen Washington) forscht zu Sicherheitsfragen im Rahmen der Globalisierung. Frei übersetzt: „Es … entwickelt Strategien (gegen) … vermehrte Militarisierung des Weltraums, lokale Dynamik des Zivilkonflikts und die Wechselbezüge zwischen Erderwärmung, Atomenergie und Nuklearwaffen. CISSM hat auch Forschungsprojekte über Geheimdienstpolitik …“ [ix]

Ach so, na fein. Nun muss aber jemand erklären, warum und inwieweit Informationen solcher illustren akademisch-geheimdienstlichen Chimären qualifizierter seien als z.B. die schäbigen „Expertisen“, die Prof. Raffelhüschen, Kostgeldempfänger von Versicherungskonzernen, über Deutschlands gesetzliche Rentenversicherung verbreitet. Der hierzulande praktizierte journalistische Umgang mit der BBC-Studie erscheint nämlich ebenso fahrlässig und gemeingefährlich wie die medialen Inthronisationsfeiern für deutsche Professoren aus der Lobbyszene (Hans-Werner Sinn, Bert Rürup etc. pp.) als Wirtschafts-Päpste.

© Volker Bräutigam



Foto: Wikipedia
V.B. schreibt regelmäßig für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Seine literarische Figur eines sarkastisch stänkernden Laubenpiepers lässt Bräutigam auch in seinem neuem Buch „Die Falschmünzer-Republik – Von Politblendern und Medienstrichern“ ausgiebig zu Wort kommen. Illustriert ist es mit Karikaturen von Klaus Stuttmann. (Scheunen-Verlag, Kückenshagen, 2009, 308 S., ISBN: 978-3-938398-90-6. Bestellungen: info scheunen-verlag.de )

 

Quellen:

  1. Vgl. http://www.globescan.com/about_us.htm .Kunden / Partner / Auftraggeber u. a. die Regierungen der USA, Großbritanniens, Canadas und Frankreichs, ferner internationale Organisationen wie Weltbank, WB, Internationaler Währungsfonds IWF, Welthandelsorganisation WTO, Weltwirtschaftsforum WEF sowie aus der Banken- und Finanzwelt die Citibank Corp., die schweizerische UBS oder die Kredikartenfirma VISA. (Anm.: Sage mir, mit wem du gehst, und ich sage dir…)
  2. Vgl. http://www.globescan.com/news_archives/bbc2009_berlin_wall/
  3. Vgl. http://www.worldpublicopinion.org/pipa/articles/btglobalizationtradera/637.php . Blick auf einige illustre Geldgeber der PIPA: Rockefeller Foundation, Rockefeller Brothers Fund, Tides Foundation, Ford Foundation, Compton Foundation, Carnegie Corporation, Benton Foundation, Ben and Jerry’s Foundation, Circle Foundation, JEHT Foundation, Stanley Foundation, Ploughshares Fund, Calvert Foundation … (Anm.: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing …)
  4. Vgl. http://www.pipa.org/staff.htm
  5. Vgl. http://www.globescan.com/news_archives/bbc2009_berlin_wall/demoquest.html
  6. Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Bilderberg-Konferenz Als aktive Mitglieder dieses Geheimclubs und regelmäßige Teilnehmer gelten u.a. David Rockefeller, Henry Kissinger und der Multimilliardär George Soros, aus Deutschland z.B. die Banker Josef Ackermann und Hilmar Kopper, ferner die Rothschilds. Gäste waren Joschka Fischer, Angela Merkel, Guido Westerwelle u.a. Als Mitbegründer der elitären Runde gilt im Übrigen der US-amerikanische Geheimdienst CIA.
  7. Orig.: The Program on International Policy Attitudes (PIPA) was established in 1992 with the purpose of giving public opinion a greater voice in international relations. PIPA conducts in-depth studies of public opinion that include polls, focus groups and interviews. It integrates its findings together with those of other organizations. It actively seeks the participation of members of the policy community in developing its polls so as to make them immediately relevant to the needs of policymakers. PIPA is a joint program of the Center on Policy Attitudes (COPA) and the Center for International and Security Studies at Maryland, CISSM).
  8. In Deutschland sind nach Umfragen seit Jahren (+) 61% der Bevölkerung gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Andererseits  finden mehr als 70%, Kanzlerin Merkel (die den deutschen Kriegseinsatz steigern will) „macht ihre Arbeit gut“. Was besagt diese Diskrepanz?
  9. Orig.: CISSM is … developing strategies to address … increased military uses of space, the local dynamics of civil conflict, and the connections between global warming, nuclear energy and nuclear weapons. CISSM also has research projects on intelligence policy, …“.

Written by mohart

2. Dezember 2009 at 18:46

Veröffentlicht in Medien / Demokratie

Tagged with

Merkel regiert – eiskalt

leave a comment »

Alle schauen auf den neuen Kriegsminister. Als Saubermann und Skandalaufklärer ist zu Guttenberg an die Spitze der demoskopischen Beliebtheitsskala gelangt. Welch gedankenlose Etikettierung.
von Volker Bräutigam

Wieviele Menschen wurden in Afghanistan bereits umgebracht?
Jüngst, bei Kundus, ließ Oberst Klein mindestens 142 Männer, Frauen und Kinder massakrieren, nach neuesten Hinweisen sogar 184: 179 Zivilisten und 5 Taliban. „Viel weniger, nicht einmal 30!“, logen Generalität und Kriegsminister Jung noch Wochen nach dem Bombardement. Und: „Keine Zivilisten unter den Toten. Nur Taliban!“ Obwohl die Taliban doch ebenfalls Zivilisten sind, wenngleich bewaffnet. Objektiv: Widerstandskämpfer im eigenen Land, keine militärische Truppe, keine Armee. Guttenberg trug das Massaker trotz allem wochenlang mit („…militärisch gerechtfertigt“). Die Hauptschuldigen am Bundeswehr-Gemetzel, am Bruch des humanitären Völkerrechts (vormals: Kriegsvölkerrecht) und des Grundgesetzes verbürgten derweil als Parlamentarier, dass das Blutvergießen nicht aufhört. Ihre Bellizisten-Fraktion stellt eine parteiübergreifende Mehrheit.

Jahrelang hielt die Regierung das Ausmaß der Mordbrennerei in Afghanistan geheim. Bis – ausgerechnet! – ein Springer-Schmierblatt die Vertuschungsgeschichte über das Bombardement bei Kundus auffliegen ließ. Die politischen Folgen beschäftigen seither die Republik, waren und sind Thema im Parlament und in den Medien. Ethische und rechtliche Fragen nicht: Wie konnte es dazu kommen und wer ist dafür verantwortlich, dass die Bundeswehr, obwohl laut Grundgesetz ausschließlich zur Landesverteidigung da, in eine Aggressionsarmee umgemodelt wurde, die tausende Kilometer fern der Heimat brutale Bombardements und Schießbefehle ausführt?

Das Unterdrücken dieser Kernfrage haben wir unseren staatstragenden Massenmedien zu verdanken, denn hätten sie nicht brav „gespurt“, wäre die Kriegstreiber-Fraktion im Bundestag erheblich kleiner. Folgerichtig konzentrierten sich die Medien, voran die öffentlich-rechtlichen, auf Personalia bei der Kabinettsumbildung.

Warum wurden Minister Jungs und General Schneiderhans Lügen erst acht Wochen nach der Bundestagswahl aufgedeckt? Warum ausgerechnet vom übelsten Schmierblatt des Springer-Verlags? Der bis dahin erfolgreich geheim gehaltene „Tatort: Kundus“-Bericht der Feldjäger (Militärpolizei) kam nicht aufgrund erfolgreicher journalistischer Recherche in die BILD-Zeitung. Er wurde den Springerleuten zugespielt.

Mit Wissen und Wollen der Kanzlerin? Schon das Medium deutet darauf hin.

Vor der Bundestagswahl vertuschte Minister Jung die Ereignisse in Afghanistan nach Kräften – sicher ebenfalls nicht hinter dem Rücken seiner Chefin, nicht ohne ihre Billigung. Doch mit Erfolg: Die CDU gewann, Merkel blieb Kanzlerin. Jung wurde Arbeitsminister, weil es in seinem vorigen Laden schon brenzlig roch. Denn binnen kurzem wären weitere Ergebnisse der NATO-Untersuchung über das Kundus-Massaker gezielt „durchgereicht“ worden.
Bei der Heimlichtuerei zu bleiben war nicht nur aussichtslos, sondern auch nachteilig: Ein starkes Druckmittel in der Hand des supermächtigen Verbündeten in Washington. Obama will noch mehr deutsche Soldaten am Hindukusch. Und im Bundestag stand die Debatte über die Mandatsverlängerung für die Bundeswehr in Afghanistan an.

Merkel ließ den ohnehin wenig geschätzten Franz Josef Jung im Regen stehen. Der enge Vertraute des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch war lange genug dessen Horchposten in ihrem Bundeskabinett gewesen. Nun mutierte er zum Watschenmann für die Groschenblatt-Schmierer im Sold der Merkel-Busenfreundin Friede Springer.

Bei der Nachfolgeregelung hatte Merkel zwar den parteiinternen Länderproporz zu wahren. Den Hessen Jung ersetzt jetzt aber nur eine bis dato weithin unbekannte hessische Abgeordnete aus der CDU-Bundestagsfraktion. Größere Kaliber aus dem Koch-Umfeld in Wiesbaden blieben außen vor. Eine Ohrfeige für den Merkel-Widersacher. Ihm widerfährt, was vordem vielen anderen Merkel-Kritikern und -Hinderlichen widerfuhr: politischen Schwergewichten wie Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble, Friedrich Merz, Jürgen Rüttgers, Heiner Geißler, Volker Rühe – und Leichtgewichten, wie z.B. Ruprecht Polenz oder Günter Oettinger. Merkels „Abschussliste“ ist lang, sehr lang.

Nun lässt sie den neuen, bezüglich Glaubwürdigkeit bereits umstrittenen Kriegsminister Guttenberg um sein Saubermann-Image strampeln. Er wird noch merken, dass die Kanzlerin ihn in ein Amt schob, in dem entweder ein Karriereknick oder charakterliches Versagen oder beides zugleich wahrscheinlich sind. Wo man korrupt wird, wie Franz Josef Strauß. Oder scheitert, wie Volker Rühe. Oder zum notorischen Lügner verkommt und zum Gespött wird, wie Rudolf Scharping – und wie Franz Josef Jung.

Mord und Totschlag am Hindukusch werden indes wohl nicht einmal justiziabel. Alle Strafanzeigen landen beim Generalbundesanwalt. Der ist weisungsgebunden. Er darf nicht vor Gericht bringen, was die Kanzlerin nicht dort sehen will. Es bleibt vorerst dabei: Das humanitäre Völkerrecht wird missachtet. Der Bruch des Grundgesetzes wird hingenommen. Die Kumpanei mit dem zionistischen Israel, zur Staatsräson überhöht, wird mit geschenkten deutschen Vernichtungswaffen unterfüttert. Die Bundesregierung tritt als bösartiger Treppenterrier der USA und des Kapitals auf, im Mittleren Osten und in Afrika. Merkel regiert und lässt töten – eiskalt.

© Volker Bräutigam



Foto: Wikipedia
V.B. schreibt regelmäßig für die Politik-Zeitschrift Ossietzky. Seine literarische Figur eines sarkastisch stänkernden Laubenpiepers lässt Bräutigam auch in seinem neuem Buch „Die Falschmünzer-Republik – Von Politblendern und Medienstrichern“ ausgiebig zu Wort kommen. Illustriert ist es mit Karikaturen von Klaus Stuttmann. (Scheunen-Verlag, Kückenshagen, 2009, 308 S., ISBN: 978-3-938398-90-6. Bestellungen: info scheunen-verlag.de )

 

Written by mohart

1. Dezember 2009 at 11:44

Veröffentlicht in Medien / Demokratie

Tagged with , ,

Wahnsinnsregierung Merkel in Aktion

leave a comment »

Written by mohart

26. November 2009 at 11:04

Veröffentlicht in Medien / Demokratie

Tagged with

„Gesetzestreue” Israelis, „widerspenstige” Palästinenser

leave a comment »

U.S.-Journalisten sympathisieren mit israelischen Kolonisatoren

Julie Hollar

Der Vorstoss der Administration Obama, die Errichtung illegaler Kolonien in der West Bank durch Israel einzufrieren, hat die Frage der Besiedlung zurück in den Blickpunkt der Berichterstattung in den Medien gebracht.

Am 27. Juli veröffentlichte Time einen ziemlich langen Artikel von Nina Burleigh über israelische Siedlungen unter der Schlagzeile „Zwei Ansichten über das Land.“ Ansicht Nummer eins kommt aus Israel: Die Familie Katz, sehr normale, freundliche Leute, mit denen sich die Leser identifizieren können (sie kommen sogar aus New York!) „betrachten sich selbst als gesetzestreue Bürger” und betreiben ernste und aufrechte Dinge wie „ein kleines Gemeindeblatt herauszugeben und an Bürgerprojekten teilzunehmen. Sharon treibt Geld für Wohltätigkeitsprogramme auf, indem sie Tanz- und Theatershows organisiert.“ Da gibt es ein Foto der lächelnden Familie und ein Foto von Siedlern, die mit ihren Kindern in einem Schwimmbad spielen. Sie „glauben nicht, dass ihre Stadt ein Hindernis für den Frieden darstellt.“

Diese Siedler der großen Kolonie Efrat wurden irgendwie den militanteren Siedlern gegenüber gestellt, die in den kleinen Vorposten leben – die „legalen” den „illegalen“ Siedlungen, laut der israelischen Regierung. Diese Unterscheidung wird von der UNO nicht getroffen, gemäß der die Siedlungen „keinerlei legale Berechtigung haben und ein ernsthaftes Hindernis für die Erreichung eines umfassenden, gerechten und anhaltenden Friedens im Nahen Osten darstellen“ (Resolution 446 des UN-Sicherheitsrats vom 22.03.1979). Ein Grundprinzip des Internationalen Rechts verbietet es einer Okkupationsmacht, das okkupierte Land zu kolonisieren (Vierte Genfer Konvention, Artikel 49).

Für Burleigh allerdings unterscheiden sich die beiden Arten „wesentlich” – und doch „beschimpfen die Palästinenser sie gleichermaßen.“ In der Tat ist das so ungefähr alles, was Palästinenser in diesem Artikel taten: „beschimpfen“, „hassen“, „verachten“ und sich den Israelis gegenüber generell „ablehnend“ zu verhalten. Ein einziger Palästinenser wurde zitiert (und eine israelische Menschenrechtsgruppe, die gegen die Siedlungen kämpft). Die Überschrift gewichtete die „Zwei Ansichten über das Land” gleich, von einer ausgeglichenen Behandlung konnte dann aber keine Rede sein.

In Hinblick auf politische Optionen und Strategien, so beobachtete Burleigh, würde es politisch schwierig werden, „gesetzestreue Bürger wie Sharon Katz herauszufordern.“ (Man beachte, dass „gesetzestreu“ ursprünglich von der Familie Katz als Selbstcharakterisierung angegeben worden war, und dann von der Reporterin als eigene Beurteilung übernommen wird.)

Der letzte Absatz betonte noch einmal die Normalität der Familie Katz:

Wenn sie rund um ihren Küchentisch sitzt, die Plastikspielsachen der Enkel auf der Terrasse hinter den Schiebetüren aus Glas herumliegend, sieht die Familie Katz nicht militant aus oder klingt so. Tatsächlich klingt ihre Version der nationalen Erzählung für amerikanische Ohren ziemlich vertraut.

Sharon Katz hatte das letzte Wort: „Israel sollte keinen Hügel räumen! Wie fing es denn mit den Siedlungen im amerikanischen Westen an? Mit einer Blockhütte. Als wir dieses Land kauften, waren es felsige Hügel. Sehen Sie, wie es heute ausschaut.“

Politische Realitäten und Optionen werden zu einem nicht unbedeutenden Ausmaß durch das öffentliche Verständnis beeinflusst, das wiederum durch die Medien beeinflusst wird. Vielleicht hätte sich die politische Situation im amerikanischen Westen ganz anders entwickelt, wenn die amerikanischen Ureinwohner in den Medien als sympathische Individuen und nicht als gesichtslose Masse (oft als abstoßend und voller Hass hingestellt) beschrieben worden wären. U.S.-Medienberichte, die die israelischen Siedler als sehr „gesetzestreue” Menschen darstellen, mit denen der Leser sich identifizieren kann, im Gegensatz zu den weitgehend unsichtbaren, aber eindeutig hasserfüllten Palästinensern, verschleiern die Illegalität der Siedlungen und tragen zu der unlösbaren politischen Situation bei, über die der Artikel in der Time die Hände ringt.

Ein Bericht im Christian Science Monitor (9.8.2009) über junge israelische Siedler, die „hippiemäßige“ Musikfestivals organisierten, in denen es um „gute Stimmung“ und Umweltbewusstsein ging, bestätigte, dass dieser Ausflug in den Universalismus „sie nicht verständnisvoller für die Hoffnungen ihrer palästinensischen Nachbarn auf Unabhängigkeit gemacht hat“ – hatte aber nichts zu sagen über die Hoffnungen der Palästinenser, wieder zu dem Land zu kommen, das sich die Siedler gegen das Gesetz angeeignet haben. (An einer Stelle in diesem Artikel wurden die Siedlungen als „nicht autorisiert“ bezeichnet, was aber nicht näher ausgeführt wurde.) Zum Schluss lernen die Leser die Perspektive eines Siedlers kennen, der gut drauf ist:

„Es macht Spaß, wenn du in eine Siedlung [in der West Bank] kommst und du hörst Bob Marley,“ sagt Judelmann. „Das ist Musik, die eine Suche nach Freiheit, Heiligkeit, Rechtschaffenheit und Erlösung ausdrückt. Ist das alles nicht das, was Israel ausmacht?“

In U.S.-Massenmedien kann man sehr freundliche Beschreibungen sogar der radikalsten Siedler finden. Zum Beispiel in diesem Bericht der Washington Post (15.10.2008) von der West Bank von Linda Gradstein:

Avi Ben Yakof ist ein sanft sprechender jüdischer Siedler, der es liebt, mit seinen kleinen Kindern in ihrem rot gedeckten Haus in den Hügeln über Nablus tief innerhalb der West Bank zu spielen. Aber wenn die Rede auf seine palästinensischen Nachbarn kommt, verhärtet sich sein Ton.

„Sie werden nicht meine Nachbarn sein, wenn ich tue, was ich tun muss, und das ist, sie auf ihr Land zurück bringen,” sagte er. „Wir wollen sie hier nicht haben. Die Lösung ist, sie zu vertreiben.“

Ben Yakov wollte nicht sagen, ob er selbst an einer Reihe von vor kurzem erfolgten Angriffen auf das nahe gelegene palästinensische Dorf Asire Al-Qibiliyya teilgenommen hat. Aber er sagte, die Gewalt sei gerechtfertigt durch das Versagen der israelischen Armee, Leben und Eigentum der Siedler in der West Bank zu schützen.

Gradstein beschrieb Ben Yakovs Gefühle als „Frustration“ und die Übergriffe der Siedler als „Ausdruck einer tief empfundenen Angst.“  Ethnische Säuberung kann kaum auf eine freundlichere Beurteilung hoffen.

Quelle: antikrieg.com

Written by mohart

9. November 2009 at 01:09

Veröffentlicht in Medien / Demokratie, Naher Osten

Tagged with

Die Behauptung, vom Iran gehe eine atomare Bedrohung aus, ist eine Lüge

leave a comment »

Der australische Journalist John Pilger zeigt auf, wie die Weltöffentlichkeit auf einen endlosen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und der NATO eingestimmt wird, der mit einem Angriff auf den Iran fortgesetzt werden soll.

Obamas Anfeindungen gegen den Iran verfolgen eine andere Absicht: Mit Hilfe der Medien soll die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg vorbereitet werden
Von John Pilger
NEW STATESMAN, 01.10.09
( http://www.newstatesman.com/international-politics/2009/10/iran-nuclear-pilger-obama )

Im Jahr 2001 veröffentlichte der OBSERVER eine Reihe von Berichten, in denen behauptet wurde, es bestehe eine „irakische Connection“ zu Al-Qaida; darin wurde sogar die Basis im Irak beschrieben, in der Terroristen ausgebildet würden, und eine Einrichtung genannt, in der Anthrax (Milzbrand) als (biologische) Massenvernichtungswaffe hergestellt werde. Das war alles falsch. US-Geheimdienste und Exiliraker hatten erfundene Geschichten in britische und amerikanische Medien lanciert, die es George Bush und Tony Blair ermöglichten, eine illegale Invasion zu starten, die nach neuesten Studien 1,3 Millionen Iraker das Leben gekostet hat.

Fotomontage: Global Research

Eine ähnlich Kampagne läuft jetzt gegen den Iran: die gleiche Serie von „Enthüllungen“ durch Regierungen und Medien, das gleiche Gerede über eine Krise. „Wegen einer geheimen Atomanlage zeichnet sich ein Showdown mit dem Iran ab“, erklärte der OBSERVER am 26. September. „Showdown“ (Kraftprobe) ist das neue Thema, High Noon (Anlehnung an den Western „Zwölf Uhr mittags“) zeichnet sich ab. Die Uhr tickt. Das Gute kämpft gegen das Böse. Ein neuer verbindlicherer US-Präsident hatte doch versprochen, die Bush-Jahre auszulöschen. Erinnern wir uns an die berüchtigte Titelseite des GUARDIAN vom 22. Mai 2007: „Irans heimlicher Plan für eine Sommeroffensive zur Vertreibung der US-Truppen aus dem Irak“. Ihr Autor Simon Tisdall berief sich auf haltlose Behauptungen aus dem Pentagon über einen iranischen „Kriegsplan“, nach dem die US-Streitkräfte im September (2007) angegriffen und aus dem Irak vertrieben werden sollten; das war nachweislich eine Falschmeldung, die aber nie dementiert wurde. (THE OBSERVER und THE GURDIAN sind britische Zeitungen.)

Im offiziellen Jargon heißt diese Art Propaganda „Psy-Ops“, das ist das militärische Kürzel für „Psychologische Operationen“. Im Pentagon und in Whitehall sind sie zu einem wichtigen Bestandteil einer diplomatischen und militärischen Kampagne geworden, die den Iran blockieren, isolieren und schwächen soll; eine angeblich vom Iran ausgehende „atomare Bedrohung“ wird von Barack Obama und Gordon Brown systematisch aufgebauscht, und von der BBC und den anderen Medienanstalten als objektive Nachricht nachgeplappert und verbreitet. Dabei ist auch das wieder eine Fälschung.

Die Drohung ist einseitig

Am 16. September gab (das US-Nachrichtenmagazin) NEWSWEEK bekannt, dass die wichtigsten US-Geheimdienste dem Weißen Haus berichtet hätten, der „atomare Status“ des Irans habe sich seit der National Intelligence Estimate (der Einschätzung der nationalen Geheimdienste) vom November 2007 nicht verändert; damals wurde mit „ziemlicher Sicherheit“ festgestellt, dass der Iran 2003 sein vermutetes (Atomwaffen-)Programm eingestellt habe. Auch die International Atomic Energy Agency / IAEA hat das immer wieder bestätigt.

Die gegenwärtige Propaganda wird ergänzt durch die Ankündigung Obamas, die Vereinigten Staaten verzichteten darauf, Raketen in der Nähe der russischen Grenze aufzustellen. Damit soll nur die Tatsache kaschiert werden, dass sich die Anzahl der in Europa zu stationierden US-Raketen in Wirklichkeit erhöhen wird, weil (mehr als) die Raketen, auf die angeblich verzichtet wurde, auf Schiffen stationiert werden sollen. Russland soll mit diesem Spiel nur dazu gebracht werden, sich der US-Kampagne gegen den Iran anzuschließen oder sie wenigstens nicht zu behindern. Obama verkündete: „Präsident Bush hatte Recht damit, dass die ballistischen Raketen des Irans eine schwere Bedrohung [für Europa und die Vereinigten Staaten] darstellten.“ Dabei ist die Behauptung, der Iran könnte einen selbstmörderischer Angriff auf die Vereinigten Staaten erwägen, einfach absurd. Die Bedrohung ist wie immer sehr einseitig und geht von der einzigen Supermacht der Welt aus, die den Iran umzingelt hat.

Irans Verbrechen ist seine Unabhängigkeit. Da Amerikas Lieblingstyrann Schah Reza Pahlavi von seinem Thron vertrieben wurde, ist der Iran der einzige ölreiche muslimische Staat, der nicht unter US-Kontrolle steht. Weil nur Israel ein garantiertes „Existenzrecht“ , im Nahen Osten haben soll, haben die Vereinigten Staaten die Absicht, die Islamische Republik (Iran) zu schwächen. Wenn Israel nicht länger von einem selbsbewussten Iran behindert wird, kann es auch im Interesse Washingtons den Nahen Osten teilen und beherrschen. Wenn sich irgendein Staat auf der Welt dringend die Fähigkeit zur „atomaren Abschreckung“ verschaffen müsste, dann ist das der Iran.

Als einer der ursprünglichen Unterzeichnerstaaten des Atomwaffensperrvertrags ist der Iran von Anfang an ein konsequenter Verfechter einer atomwaffenfreien Zone im Nahen Osten gewesen. Im Gegensatz zum Iran hat Israel nie einer Inspektion durch die IAEA zugestimmt, und seine Atomwaffenanlage bei Dimona bleibt ein offenes Geheimnis. Trotz seiner etwa 200 einsatzfähigen Atomsprengköpfe hat Israel alle UN-Resolutionen, in denen es zur Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags aufgefordert wurde, zurückgewiesen, ebenso den neuen UN-Report, der es anklagt, in Gaza Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben; obwohl Israel den Weltrekord bei der Übertretung des Völkerrechts hält, ist es immer ungeschoren davon gekommen, weil ihm eine Großmacht den Rücken freihält.

Vorbereitung auf einen endlosen Krieg

Hinter Obamas Kraftprobe mit dem Iran steckt noch ein anderer Plan. Die Medien auf beiden Seiten des Atlantiks sollen die Öffentlichkeit auf einen endlosen Krieg einstimmen. General Stanley McChrystal, der Oberkommandierende der US- und NATO-Streitkräfte in Afghanistan, braucht nach einer Meldung des US-TV-Senders NBC 500.000 Soldaten und mindestens fünf Jahre für einen Sieg. Ziel dieses Krieges ist die „strategische Sicherung“ der Gas- und Ölfelder des Kaspischen Meeres, Zentralasiens, des persischen Golfs und des Irans – mit anderen Worten: die Herrschaft über Eurasien. Aber dieser Krieg wird von 69 Prozent der Briten, von 57 Prozent der US-Amerikaner und von fast allen anderen Menschen abgelehnt. Es wird nicht leicht sein, „uns alle“ davon zu überzeugen, dass der Iran der neue Dämon ist. McChrystals Unterstellung, der Iran „trainiere nach bestätigten Berichten Kämpfer für bestimmte Talibangruppen“, ist dazu so wenig geeignet, wie Browns pathetisches Echo von „der Linie im Sand“. (Der britische Premier wollte damit wohl ausdrücken, dass bald ein Schlussstrich unter die Verhandlungen mit dem Iran gezogen werden müsse.)

Während der Bush-Jahre soll nach Aussage des bekannten Informanten Daniel Ellsberg, in den Vereinigten Staaten ein militärischer Staatsstreich stattgefunden haben, der dem Pentagon entscheidenden Einfluss auf alle Gebiete der US-Außenpolitik verschafft haben soll. Belege für die vom Pentagon ausgeübte Kontrolle sind die Anzahl der gleichzeitig geführten Angriffskriege und die beschlossene Doktrin des „atomaren Erstschlags“, welche die Schwelle zum Einsatz von Atomwaffen gesenkt und die Unterscheidung zwischen konventionellen und atomaren Waffen verwischt hat.

All das lässt Obamas Gerede über „eine Welt ohne Atomwaffen“ als reine Rhetorik erscheinen. In Wirklichkeit ist er die wichtigste Stütze des Pentagons. Seine Entscheidung, Bushs „Verteidigungsminister“, den Erzkriegstreiber Robert Gates, in seine Regierung zu übernehmen, ist einmalig in der US-Geschichte. Gates hat seinen Wert in vergangenen Kriegen vom südlichen Asien bis zum Horn von Afrika bewiesen. Wie das Amerika Bushs wird auch das Amerika Obamas von einigen sehr gefährlichen Leuten beherrscht. Wir sollten gewarnt sein. Wann werden diejenigen, die dafür bezahlt werden, dass die Dinge richtig laufen, ihren Job machen?

(Wir haben den Artikel aus dem britischen Nachrichtenmagazin NEW STATESMAN komplett übersetzt und mit Anmerkungen in runden Klammern versehen. Informationen über den australischen Dokumentarfilmer und Journalisten John Pilger sind aufzurufen unter http://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger .)

Quelle: luftpost-kl.de

Written by mohart

7. Oktober 2009 at 22:41

Warum Propaganda die Wahrheit übertrumpft

leave a comment »

Der US-Publizist Paul Craig Roberts untersucht, warum so viele Menschen immer noch die unhaltbare 9/11 Story der US-Regierung glauben.

Von Paul Craig Roberts
INFORMATION CLEARING HOUSE, 15.09.09
( http://www.informationclearinghouse.info/article23498.htm )

Ein Artikel in der Zeitschrift SOCIOLOGICAL INQUIRY rückt die Wirkung der Propaganda ins rechte Licht. Forscher untersuchten, warum große Lügen eher als kleine geglaubt werden. Regierungen können ungestraft in großem Stil betrügen, einzelne Politiker hingegen müssen wegen sexueller Affären gehen. (s. http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/122260824/PDFSTART?CRETRY=1&SRETRY=0 )

Die Forscher erklären, warum so viele Amerikaner immer noch glauben, dass Saddam Hussein hinter den Anschlägen am 11. September 2001 gesteckt hat, obwohl seit Jahren erwiesen ist, dass der Irak nichts damit zu tun hatte. Die Amerikaner entwickelten auf der Basis der Propaganda der Bush-Administration ausgeklügelte gedanklich Konstruktionen, in denen sich eine unterstellte Beteiligung des Iraks zur tiefen Gewissheit verfestigt hat. Ihre emotionale Anteilnahme wurde Teil ihrer persönlichen Identität und ihrer moralischen Einstellung. Sie akzeptierten nur noch Information, die ihren Glauben unterstützten und lehnten alle Informationen ab, die ihm widersprachen, ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Fakten.

In „Mein Kampf“ untersucht Hitler die Glaubwürdigkeit der großen Lüge im Vergleich mit der kleinen Lüge. (In Roberts Originaltext folgt dann ein ins Englische übersetzter Ausschnitt aus einem Hitler-Zitat, das wir hier vollständig abdrucken.)

„Man ging dabei von dem sehr richtigen Grundsatze aus, daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens liegt, da die breite Masse eines Volkes im tiefsten Grunde ihres Herzens leichter verdorben als bewußt und absichtlich schlecht sein wird, mithin bei der primitiven Einfalt ihres Gemütes einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen, da sie selber ja wohl manchmal im kleinen lügt, jedoch vor zu großen Lügen sich doch zu sehr schämen würde. Eine solche Unwahrheit wird ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an die Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigsten irgendwelche Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird – eine Tatsache, die alle großen Lügenkünstler und Lügenvereine dieser Welt nur zu genau kennen und deshalb auch niederträchtig zur Anwendung bringen.“ (Das vollständige Zitat wurde entnommen aus Adolf Hitler, Mein Kampf, 209.-210. Auflage, München, 1936.)

Die Soziologen und Hitler wollen uns sagen, dass die Leute, selbst dann, wenn nach einiger Zeit die Wahrheit ans Licht kommt, emotional fest an das glauben, was ihnen die Propaganda eingehämmert hat, und sich kaum noch davon lösen können. Es ist für sie bequemer, die Verkünder der Wahrheit als die entlarvten Lügner abzulehnen.

Das psychologische Phänomen, auf einem einmal akzeptierten Glauben auch dann noch zu beharren, wenn sich dieser Glaube als falsch erweist, ist eine Säule des sozialen Zusammenhalts und der Stabilität. Es erklärt, warum auch nach vollzogenen Umstürzen revolutionäre Regierungen wieder konservativ werden. Die Kehrseite der Beharrung auf eingeschliffenen Ansichten ist die Weigerung, Tatsachen anzuerkennen. Dieses starre Beharren machte es der Sowjetunion unmöglich, ihr System an die ökonomischen Realitäten anzupassen und verursachte ihren Zusammenbruch. Heute schreien in den Vereinigten Staaten Millionen Menschen lieber „USA, USA, USA“, anstatt die Tatsachen zu akzeptieren, die einen (wirklichen) Wandel notwendig machen.

Die Überzeugungskraft der großen Lüge ist das Hindernis, das die 9/11 Truth Movement (die Bewegung für die Wahrheit über den 11.9.) nur schwer überwinden kann. Die Behauptung, diese Bewegung bestehe nur aus Verschwörungstheoretikern und Spinnern, ist offensichtlich falsch. Die führenden Personen dieser Bewegung sind hochqualifizierte Fachleute, darunter Abbruch-Experten, Physiker, auf Statik spezialisierte Architekten, Ingenieure, Piloten und ehemalige hochrangige Mitarbeiter der Regierung. Anders als ihre Kritiker, die nur die Erklärungsversuche der Regierung nachplappern, wissen sie, worüber sie reden.

Über den Link http://globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=13242 ist eine Präsentation des Architekten Richard Gage aufzurufen, die er an einer kanadischen Universität vorgestellt hat. Das Video ist zwei Stunden lang und scheint für die Vorführung gekürzt worden zu sein. Gage tritt sehr zurückhaltend und keinesfalls reißerisch auf, wahrscheinlich, weil er vor einem Hochschulpublikum spricht, das mit Fachbegriffen und der Problematik vertraut ist.

Wenn Sie die offizielle 9/11 Story für wahr und alle Skeptiker für Idioten halten, können Sie die Stichhaltigkeit der Untersuchungsergebnisse der Soziologen und die Beobachtungen Hitlers überprüfen, wenn Sie das Video anschauen und Ihre Reaktionen auf Beweise beachten, die Ihren Glauben erschüttern müssten. Sind Sie fähig, die Präsentation anzusehen, ohne den Vortragenden zu diskreditieren, der offensichtlich viel mehr über die Anschläge weiß als Sie? Wie reagieren Sie, wenn Sie erkennen müssen, dass Ihre Annahmen den präsentierten Beweisen nicht standhalten können? Versuchen Sie den Vortragenden immer noch lächerlich zu machen? Werden Sie wütend?

Ein weiteres Problem der 9/11 Truth Movement besteht darin, dass nur wenige Menschen die Bildung haben, die technischen und wissenschaftlichen Aspekte (der Erklärungen) angemessen zu beurteilen. Die Seite, der sie glauben, erzählt ihnen dies; die Seite, der sie nicht glauben, erzählt ihnen das. Die meisten Amerikaner sind nicht in der Lage, die Stichhaltigkeit der Argumente beider Seiten gegeneinander abzuwägen.

Betrachten wir zum Beispiel den Fall des Lockerbie-Attentäters. Ein „Beweisstück“, das zur Verurteilung des (angeblichen Bombenlegers) Magrahi führte, war ein Stück Leiterplatte, die Teil der mit (dem Sprengstoff) Semtex gefüllten Bombe gewesen sein soll, die das Verkehrsflugzeug in der Luft zerstörte. Keiner der Leute, die von der Schuld Magrahis und Libyens überzeugt sind und die schottischen Behörden kritisieren, weil sie Magrahi – angeblich aus humanitären Gründen – freigelassen haben, weiß, dass damals gebräuchliche Leiterplatten einen sehr niedrigen Brennpunkt hatten und schnell in Flammen aufgingen. Weil Semtex sehr hohe Temperaturen erzeugt, kann bei der Explosion kein Teil des Sprengkörpers übrig geblieben sein. Deshalb ist es für einen Experten offensichtlich, das Stück Leiterplatte kann erst nach dem Absturz in die Flugzeugtrümmer platziert worden sein.

Ich habe mehrfach danach gefragt, aber nie eine Antwort erhalten – was nicht heißt, dass es sie nicht gibt – warum Millionen Blätter unverbranntes und noch nicht einmal angekohltes Papier über Manhatten flatterten, als die Türme des World Trade Centers zusammenbrachen; diese sollen doch nach der offiziellen Erklärung durch Feuer zerstört worden sein, die so heiß und so gleichmäßig brannten und die massiven Stahlträger so weich machten, dass sie gleichzeitig einknickten und die Gebäude im freien Fall zusammenbrechen ließen, als seien sie kontrolliert gesprengt worden.

Wie will man Brände erklären, die Stahl schmelzen aber Papier verschonen?

Die Leute lassen auch andere Widersprüche kalt: Kürzlich hat ein internationales Team von Wissenschaftlern, das 18 Monate lange Staubproben aus den Trümmern der Zwillingstürme, die von drei unterschiedlichen Stellen stammten, untersucht hatte, mitgeteilt, dass im Staub Partikel von Nanothermit gefunden wurden (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP08809_170409.pdf ). Die US-Regierung ließ diese Entdeckung von anderen Wissenschaftlern, die von ihr abhängig sind, mit der Behauptung kontern, die Echtheit der Proben habe nicht nachgeprüft werden können. Es wurde also unterstellt, jemand habe die Proben manipuliert und das Nanothermit hinzugefügt. Sonst ist ihr nichts zur Widerlegung der Entdeckung eingefallen. Dabei ist allgemein bekannt, dass der Umgang mit Thermit streng kontrolliert wird und wirklich niemand – außer dem US-Militär und vielleicht Israel – Zugriff auf Nanothermit hat.

Der Physiker Steven Jones (aus dem Team der Wissenschaftler) hat überwältigende Beweise dafür erbracht, dass Explosivstoffe verwendet wurden, um die Gebäude zum Einsturz zu bringen. Seine Beweise werden nicht zur Kenntnis genommen, geprüft, getestet oder widerlegt. Sie werden einfach ignoriert.

Dr. Jones macht ähnliche Erfahrungen wie mein Professors Michael Polanyi in Oxford, der eine bedeutender Vertreter der physikalischen Chemie, Philosoph und einer der großen Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts war. Es gab einmal eine Zeit, in der jeder Fachbereichsleiter der Royal Society (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Royal_Society ) Student bei Polanyi gewesen war. Viele seiner Studenten erhielten Nobelpreise für ihre wissenschaftliche Arbeit, wie Eugene Wigner an der Princeton University, Melvin Calvin an der University of California in Berkeley und Polanyis Sohn John an der Universität Torontos.

In den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts hatte Michael Polanyi als junger Mann die Erklärung für die chemische Absorption gefunden. Naturwissenschaftliche Autoritäten lehnten die neue Theorie ab, weil sie im Widerspruch zu herrschenden Auffassungen stand. Sogar als Polanyi schon einer der führenden Wissenschaftler des Vereinigten Königreichs war, durfte er seine Theorie nicht lehren. Ein halbes Jahrhundert später wurde seine Entdeckung von Wissenschaftlern der Universität Berkeley bestätigt. Die Entdeckung wurde bejubelt, aber dann erklärten ältere Wissenschaftler, das sei nur der „alte Irrtum Polanyis“. Es stellte sich aber heraus, dass es kein Irrtum war. Polanyi wurde gefragt, warum sich die Wissenschaft ein halbes Jahrhundert lang geweigert habe, die Wahrheit anzuerkennen. Wie konnte die Naturwissenschaft, die auf das Überprüfen von Beweisen aufgebaut ist, sich so lange irren? Polanyi antwortete, die Naturwissenschaft sei ein Glaubenssystem wie jedes andere, und seine Theorie habe nicht in dieses Glaubenssystem gepasst.

Dieses Phänomen ist überall zu beobachten, nicht nur, wenn es um die (angebliche) Perfidie der Muslime und die Anschläge am 11. September geht.

Als Wirtschaftswissenschaftler hatte ich große Probleme, meine Argumente über die sowjetische Wirtschaft, über die Theorien von Karl Marx und über den Einfluss der Steuerpolitik auf die Angebotsseite zu verbreiten. Auch heute noch ärgern sich Leser über meine Äußerungen zu Arbeiten, die außerhalb ihres Glaubenssystems liegen. Einige wollen, dass ich Arbeiten, die nicht mit ihrem Glauben übereinstimmen, verdamme und die Autoren niedermache. Diesen Lesern geht es eigentlich nicht um die Sache. Sie fühlen sich einfach nur persönlich angegriffen.

Ich finde es erstaunlich, dass mir bekannte Leute, die der Regierung sonst kein einziges Wort glauben, deren Äußerungen zu den Anschlägen am 11. September einfach akzeptieren. Aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, glauben sie, dass ihnen die Regierung, die sie sonst immer belügt, ausgerechnet über den 11.9. die Wahrheit sagt. Ich frage sie dann: Wie kann das sein? Hat die Regierung einmal aus Versehen die Wahrheit gesagt? Meine Frage veranlasst sie nicht, ihren Glauben an die 9/11 Story der Regierung nochmals zu überdenken. Statt dessen fallen sie wütend über mich her, weil ich (angeblich) ihre Intelligenz, ihre Integrität oder andere noble Charakterzüge anzweifele.

Die Probleme mit der Wahrheit erwachsen aus den emotionalen Bedürfnissen der Menschen. Wenn es um die Anschläge am 11. September geht, meinen viele Amerikaner, dass sie ihrer Regierung glauben müssen, um nicht als gleichgültig oder unpatriotisch zu erscheinen, und sie sind sehr besorgt, als „Sympathisanten der Terroristen“ verdächtigt zu werden. Andere, eher links Einzuordnende haben das emotionale Bedürfnis, zu glauben, dass von den Vereinigten Staaten unterdrückte Menschen zu einem „Gegenschlag“ ausgeholt haben. Einige Linke denken, dass Amerika diese Gegenwehr verdient hat und glauben deshalb die Regierungs-Propaganda, Muslime hätten die Vereinigten Staaten angegriffen.

Naive Leute reden sich ein, wenn die 9/11 Story der US-Regierung falsch wäre, würden alle Physiker und Ingenieure dagegen protestieren. Einige haben das – wie bereits erwähnt – ja auch getan. Aber für die meisten Physiker und Ingenieure wäre das gleichbedeutend mit einem beruflichen Selbstmord. Die Karrieren von Physikern hängen an staatlichen Zuschüssen, denn ihre Fachbereiche werden vor allem von der Regierung finanziert. Ein Physiker, der die Wahrheit sagt, beendet damit seine Universitäts-Karriere. Wenn er Lehrstuhlinhaber ist, würde ihn seine Universität bei weiterlaufenden Bezügen von seiner Lehrtätigkeit freistellen – wie das die Bringham Young Universtity / BYU in Fall des freimütigen Professors Steven Jones getan hat – um Washington zu beschwichtigen. (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Brigham_Young_University und http://de.wikipedia.org/wiki/Steven_Jones )

Wenn eine Konstruktionsfirma die offiziellen Untersuchungsergebnisse anzweifelte, erhielte sie nie wieder einen Regierungsauftrag. Außerdem würden patriotische, Fahnen schwenkenden Kunden das Unternehmen verdächtigen, Terroristen zu unterstützen, und aufhören, Geschäfte mit ihm zu machen.

In New York werden die Forderungen von Familien, die Opfer der Anschläge zu beklagen haben, nach einer unabhängige Untersuchung der Ereignisse am 11. September 2001 immer
lauter. Zehntausende New-Yorker haben die notwendigen Unterschriften unter eine Petition geleistet, die den Staat (New York) dazu aufgefordert, ein Volksbegehren über einen Antrag auf Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission durchzuführen. Der Staat ist seiner gesetzlichen Verpflichtung (zur Durchführung des Volksbegehrens) jedoch bisher nicht nachgekommen.

Warum werden die mehreren zehntausend New-Yorker, die eine unabhängige Untersuchung fordern, als Verschwörungstheoretiker verunglimpft? Die Skeptiker, die eine Untersuchung zum 11. September wollen, wissen viel mehr über die Ereignisse dieses Tages, als die uninformierten Leute, die sie anfeinden. Die meisten mir bekannten Menschen, die mit der offiziellen Erklärung der Regierung zufrieden sind, haben sich nie mit den Beweisen der Kritiker befasst. Und doch versuchen diese Unwissenden, diejenigen, die sich gründlich mit den Anschlägen beschäftigt haben, einfach niederzuschreien.

Es gibt natürlich auch einige Irre. Ich habe mich häufig gefragt, ob diese Irren sich absichtlich lächerlich machen wollen, wenn sie kenntnisreiche Skeptiker zu diffamieren versuchen.

Ein weiteres Problem der 9/11 Truth Movement besteht darin, dass ihre natürlichen Verbündeten, die Gegner der Bush/Obama-Kriege und die Websites der Kriegsgegner (die Anschläge am 11. September kaum thematisieren, weil sie) fürchten, für verräterisch und antiamerikanisch gehalten zu werden. Es ist schwer genug, gegen einen Krieg zu opponieren, den die US-Regierung gegen Menschen (muslimischen Glaubens) führt, die sie so erfolgreich dämonisiert hat. Die Betreiber von Antikriegs-Websites befürchten, ihre Opposition gegen den Krieg könnte ihnen als Sympathie für die Terroristen ausgelegt werden, wenn sie die 9/11 Story in Frage stellen. Eine Ausnahme ist die (in der LUFTPOST häufig zitierte) Website INFORMATION CLEARING HOUSE.

Die Betreiber von Antikriegs-Websites begreifen nicht, dass sie mit (ihrem Schweigen und) dem Akzeptieren der 9/11 Story ihre eigene Opposition gegen den Krieg untergraben haben. Wer akzeptiert, dass muslimische Terroristen für die Anschläge verantwortlich gewesen sein sollen, hat es schwer, ihre Bestrafung dafür abzulehnen. In den letzten Monaten haben wichtige Antikriegs-Websites wie antiwar.com Schwierigkeit mit der Sammlung von Spenden, denn die fließen viel langsamer als früher Sie haben immer noch nicht verstanden, dass man unmöglich gegen einen Krieg opponieren kann, wenn man den Vorwand der Regierung für diesen Krieg unangefochten lässt.

So weit ich das beurteilen kann, setzen die meisten Amerikaner viel größeres Vertrauen in die Regierung als in der Wahrheit. Während der Weltwirtschaftskrise haben es die Liberalen mit ihrem New Deal (s. http://de.wikipedia.org/wiki/New_Deal ) geschafft, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass sie der Regierung als ihrem Beschützer vertrauen können. Das gilt auch heute noch für das ganze politische Spektrum von den Linken bis zu den Rechtsradikalen. Keine politische Strömung stellt das Verhalten der Regierung grundsätzlich in Frage. Das erklärt die Unangefochtenheit, mit der unsere Regierung die Menschen täglich betrügen kann.

Demokratie beruht auf der Annahme, dass Menschen vernünftige Wesen sind, die Argumente abwägen können und sich nicht einfach manipulieren lassen. Studien haben diese Annahme leider nicht bestätigt. Nach meinen eigenen Erfahrungen als Wissenschaftler, Politiker und Journalist haben alle Menschen, vom Professor bis zum Schulabbrecher, Schwierigkeiten, Tatsachen und Analysen zu akzeptieren, die nicht zu dem passen, was sie bereits glauben. Die Annahme, „wir hätten keine Angst, der Wahrheit zu folgen, wohin auch immer sie uns führen kann“ (die dem 3. US-Präsidenten Thomas Jefferson zugeschrieben wird), ist eine äußerst romantische und idealistische Ansicht. Ich habe auch im akademischen Diskurs und in höchsten Regierungskreisen selten unvoreingenommene, offene Geister getroffen. In der breiten Öffentlichkeit ist die Fähigkeit, der Wahrheit zu folgen, wohin auch immer das führen möge, so gut wie nicht vorhanden.

Die Erklärung der US-Regierung zu den Anschlägen am 11. September 2001 hat unseren Staat für immer verändert – völlig unabhängig davon, wer für die Anschläge verantwortlich ist. Unsere bürgerlichen Freiheiten werden niemals wieder ebenso sicher sein, wie sie einmal waren. Amerikas Finanzkraft und sein Lebensstandard werden für immer niedriger sein. Das Ansehen unseres Landes und seine führende Stellung in der Welt werden für immer beschädigt bleiben. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist mit sinnlosen Kriegen verschwendet worden, und es scheint so, als werde auch das zweite Jahrzehnt auf die gleiche sinnlose, uns in den Bankrott reißende Art und Weise vergeudet.

Die verstörendste Tatsache bleibt dabei, dass die Ereignisse am 11. September 2001, die alle diese nachteiligen Entwicklungen ausgelöst haben, nie ernsthaft untersucht wurden.

(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Anmerkungen in Klammern versehen. Die Hervorhebung im Text stammt von Paul Craig Roberts. Der Autor geht auch auf die Weigerung der Linken und der Friedensbewegung in den USA ein, sich kritisch mit der 9/11 Story der US-Regierung zu befassen, und sucht nach Erklärungen für ihr inkonsequentes Verhalten. Diese Inkonsequenz ist leider auch bei vielen Linken und Friedensbewegten in der Bundesrepublik festzustellen und wirkt sich auch in unserem Land sehr nachteilig auf beide Bewegungen aus. Es wäre schön, wenn Paul Craig Roberts, der mittlerweile auch in den genannten Kreisen viel gelesene Wissenschaftler, Politiker und Publizist aus den USA, eine an den Realitäten orientierte Diskussion in Gang setzen könnte, mit der eine solide gemeinsame Grundlage für die kommenden Auseinandersetzungen zu schaffen wäre.)

Quelle: luftpost-kl.de

Written by mohart

6. Oktober 2009 at 18:43

Veröffentlicht in Medien / Demokratie, Terror / Krieg

Tagged with