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Israels Wegbereiter in den USA: Wie Elie Wiesel die Lüge aufrecht erhält

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AUTOR: Esam AL-AMIN عصام الامين

Übersetzt von Ellen Rohlfs

Wiesel ist einfach “ein schrecklicher Schwindler”
Noam Chomsky

Immer wieder beginnen Israels Wegbereiter in den USA mit einer öffentlichen Kampagne, um so viel wie möglich politischen Druck auf US-Politiker auszuüben. Elie Wiesel, ein Holocaustüberlebender und Nobelpreisträger (1986), ist einer jener Apologeten, die Israel beschäftigt, wenn es in Nöten ist.

Wiesels skandalöse Geschichte, indem er das Leiden einiger zugunsten anderer abtut, ist gut dokumentiert. Der verstorbene Historiker Howard Zinn nannte Wiesels Verweigerung, das Leiden von Nichtjuden unter den Nazis im Holocaust-Museum bei einer Ausstellung, die das jüdische Leiden dokumentiert, einzuschließen, einen der „schändlichsten Momente“ aus letzter Zeit. Bei dieser Episode beschrieb Wiesel die Aufnahme des schrecklichen Leidens von Nicht-Juden durch die Nazis im Museum als einen Versuch, die „Realität zu verfälschen“ und dass solche Aufrufe einem „Stehlen des Holocaust von uns“ gleichkäme.

Vor zwei Monaten war Wiesels Name auf einer ganzseitigen Anzeige in der New York Times, mit der er grauenhafte und tödliche Aktionen gegen den Iran wegen seines Nuklear-Programmes fordert [S. KASTEN 1 UNTEN]. Am 18. April kam ein von Wiesel unterstütztes Inserat in mehreren prominenten US-Tageszeitungen, einschließlich der NYT und der Washington Post, wobei das Jerusalemproblem aufgegriffen wird [S. KASTEN 2 UNTEN]. . Der Grund: der öffentliche Knatsch zwischen der Obama-Regierung und der Netanjahu-Regierung.

Da man sich kaum denken kann, dass Wiesel die Fakten nicht kennt, war die Anzahl der bewussten Lügen und der irreführenden Information in dem Inserat erstaunlich. Er behauptete, dass Jerusalem „dem jüdischen Volk gehört“, während er die islamischen und christlichen Dimensionen abweist. Seine Begründung war, dass Jerusalem in der Torah „mehr als 600 mal“ erwähnt wird, während es im „Koran nicht ein einziges Mal“ genannt wird. Solch ein ignorantes Statement zeigt nicht nur eine vollkommene Wissenslücke – die islamischen Schriften betreffend – auf, sondern auch eine Verdrehung der Geschichte.

Indem er allein die Anzahl der Erwähnungen in den heiligen Schriften erwähnt, legt dies die Leere von Wiesels Argumentation offen. Ist es für den Ort Mekka, dem heiligsten Ort im Islam von Bedeutung, wenn es nur einmal im Koran erwähnt wurde? Außerdem werden die historischen Figuren der Bibel wie Moses, Aaron, Maria und Jesus im Koran 136, 20, 34, bzw. 25 mal erwähnt, während Mohamed nur fünfmal mit Namen genannt wird. Was beweist dies? Doch Wiesel ignoriert praktisch, welche Bedeutung in der islamischen Doktrin die Reise des muslimischen Propheten nach Jerusalem hat, wo er in der Al-Aqsa-Moschee betete – ein Ereignis, das nicht nur lebendig in den islamischen Schriften erwähnt wird, sondern jedes Jahr von den Muslimen rund um die Welt seit 1400 Jahren gefeiert wird.

Wiesel ignoriert nicht nur die Geschichte und das internationale Recht, sondern verbreitet auch die Lüge, dass Israel 1967 angegriffen wurde, um die Besatzung von Jerusalem und anderem arabischen Land zu rechtfertigen. Indem Israels Aggression im Juni 1967 beschrieben wird, deklariert die Resolution 242 des UN-Sicherheitsrats „die Unzulässigkeit von gewaltsamer Aneignung von Land“, und ruft zu vollkommenem Rückzug Israels aus dem vor kurzem besetzen arabischen Land auf. Im Mai 1968 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 252, die das Versäumnis von Israels Einwilligung in das internationale Recht beklagt und in Erwägung zieht, dass alle legislativen und administrativen Maßnahmen und Aktionen, die von Israel unternommen wurden, einschließlich der Enteignung von Land und Besitz, die den rechtlichen Status von Jerusalem zu verändern versuchen, ungültig sind und diesen Status nicht verändern kann.

Wiesel, der die Realität nicht kennt, behauptet fälschlicherweise, dass „Juden, Christen und Muslime das erste Mal in der Geschichte freien Zugang zu ihren heiligen Stätten haben.“ Aber die Realität des palästinensischen Lebens ist, dass Israel jedem Mann unter 50 das Beten in der Al-Aqsa-Moschee oder im Felsendom verbietet. Diese diskriminierende Politik ist seit Jahren in Kraft und wird durch über 500 israelische Militärkontrollpunkte überall in der Westbank, durch eine Apartheid-ähnliche Kontrolle aller Aspekte des palästinensischen zivilen Lebens ermöglicht. Vor kurzem hielt der Historiker Professor Walid Khalidi vor der UN eine bemerkenswerte Rede über Jerusalems Geschichte, in der er seine islamischen und christlichen Wurzeln aufzeichnete und die brutale zionistische Politik der Diskriminierung und der Ausschließung aufdeckte.

In seinem Vortrag stellte Khalidi fest, dass „israelische Kolonisierung in und rund um Ost-Jerusalem die geostrategische Kontrolle, die demographische Vorherrschaft, den psychologischen Druck, den wirtschaftlichen und sozialen Bruch, die doktrinale Bestätigung, die religiöse Erfüllung und territoriale Ausdehnung zum Ziel hat.“ Also war das wirkliche Ziel von Wiesels Inserat, den Druck von Obamas Regierung und der internationalen Gemeinschaft gegenüber Israel zu lindern, um ihm die Zeit zu geben, die es benötigt, seine Kolonisierungspläne zu vollenden.

Israels anhaltende Versuche, in Jerusalem neue Fakten vor Ort zu schaffen, indem es die arabischen Bewohner (Muslime wie Christen) zugunsten der jüdischen Siedler vertreibt, ist gut dokumentiert. Die israelische Menschenrechtsorganisation B’tselem berichtet, dass es das primäre Ziel der israelischen Regierung sei, in Jerusalem eine „demographische und geographische Situation zu schaffen, die jeden zukünftigen Versuch, Israels Herrschaft über die Stadt herauszufordern, vereitelt.“ Sie listet die verschiedenen Methoden auf, die angewandt wurden, um dieses Ziel zu erreichen, einschließlich der Politik institutionalisierter Diskriminierung, Enteignung und Schikanen. Rabbiner Brant Rosen von Evanston, präsentiert auch ein spannendes in Israel produziertes Video, das die systematische, diskriminierende und brutale Politik der israelischen Regierung dokumentiert. So viel zu Wiesels falscher Erklärung zur Möglichkeit der Palästinenser, dass sie ihr Haus überall in der Stadt bauen könnten.

Außerdem verloren nach Ziad Hammouri, dem Direktor des Jerusalemzentrums für soziale und wirtschaftliche Rechte, mehr als 30 000 Palästinenser in Jerusalem in den letzten 20 Jahren ihre Wohnrechte. Rund 165 000 Leute wohnen außerdem östlich der Trennungsmauer, die Jerusalem von der Westbank trennt. Anfang April dieses Jahres verkündete die israelische Militärbehörde in der Westbank, dass in der nahen Zukunft mehr als 70 000 Palästinenser aus ihren Häusern in der Westbank und Jerusalem deportiert werden, weil „Sie keine Wohnrechte haben.“


Elie Wiesel demonstriert gegen Präsident Ahmadinejad bei der UNO in Genf am 20. April 2009

Wiesels Geschichte, Israels aggressive Politik zu rechtfertigen, ist lang und umfangreich.

Schon 1948 arbeitete Wiesel als Journalist für die zionistische Terroristengruppe (wie sie von den Briten bezeichnet wurde) Irgun. Er kennt die Details des berüchtigten Deir Yassin-Massakers an unschuldigen Palästinensern (als auch von anderen Massakern), die von seiner Organisation begangen wurden, die damals von Menahem Begin und Yitzak Shamir geleitet wurde.

Er behauptet noch immer, dass Hunderttausende Palästinenser 1948 freiwillig ihre Häuser verlassen haben und ignoriert dabei den überwältigenden Beweis, der nicht nur in Dutzenden von UN-gesponserten Berichten und in Zeugenaussagen von Hunderttausenden von Palästinensern existiert, sondern auch von Beweisen, die von Israels „neuen Historikern“ wie Ilan Pappe und Benny Morris ausfindig gemacht wurden. Wiesel besteht darauf, öffentliche Entschuldigungen für Verbrechen an Juden zu fordern, aber niemals drückt er irgendein Mitgefühl für Brutalitäten gegenüber den Palästinensern aus. Wiesel sagte einmal öffentlich:

„Ich unterstütze Israel – Punkt. Ich identifiziere mich mit Israel – Punkt. Ich greife Israel nie an und kritisiere es nicht.“

Heuchelei im Überfluss: Wiesel stand 1986 während der Verleihung des Friedens-Nobel-Preises vor der Welt und sagte: „Die Welt wusste und schwieg. Deshalb schwor ich, niemals zu schweigen, egal wo Menschen Leiden und Demütigung durchmachen. Wir müssen immer Partei ergreifen.“

Gewiss ergreift er Partei, indem er den Unterdrücker preist und das Opfer verurteilt, indem er schweigt und der Brutalität den Weg bereitet und den Ausschluss/ Vertreibung rechtfertigt – trotz des täglichen Leidens und der Demütigung der Palästinenser.

IRAN OPEN LETTER 2:

As published in The New York Times on February 7, 2010 and The International Herald Tribune on February 9th, 2010:

DEAR PRESIDENT OBAMA, PRESIDENT SARKOZY, PRESIDENT MEDVEDEV, PRIME MINISTER BROWN AND CHANCELLOR MERKEL,

HOW LONG CAN WE STAND IDLY BY AND WATCH THE

SCANDAL IN IRAN UNFOLD?

We the undersigned urgently appeal to you and the other leaders of the world, to use your prestige and power to put an end to this outrage. The situation in Iran is not improving; in fact, it is worsening every day. The cruel and oppressive regime of “Supreme Leader” Ali Khamenei and President Ahmadinejad, whose irresponsible and senseless nuclear ambitions threaten the entire world, continues to wage a shameless war against its own people. Human rights violations have now attained new levels of horror. Thousands of the regime’s political adversaries are being arrested, imprisoned, tortured, raped, and killed, many by hanging. Seyed Ali Mousavi, nephew of the opposition leader Mir Hossein Mousavi, has been assassinated. Former Foreign Minister Ibrahim Yazdi is among the detained. Human rights activist Emad Baghi and so many other dissidents are behind bars. The Basij militia and police continue to fire indiscriminately on unarmed, peaceful demonstrators. According to the press, riot tanks have appeared in the capital.

And yet, overcoming fear and ignoring threats, tens of thousands of freedom-loving men and women, many of them young students, are marching in the streets shouting their faith in democracy and liberty. They must know that we are on their side.

IN THE NAME OF CONSCIENCE AND HONOR, WE APPEAL TO THE LEADERS OF THE INTERNATIONAL COMMUNITY TO DO WHAT IS NEEDED TO HELP THESE COURAGEOUS FIGHTERS WHO RISK THEIR LIVES STANDING UP TO THEIR GOVERNMENT’S IMMORAL, INHUMAN AND ILLEGAL OFFICIAL POLICY.

More forceful and unequivocal condemnations of Tehran’s repulsive practices must be heard from Washington and Paris, Moscow, London and Berlin, the Security Council and important NGO’s. Harsher sanctions must be imposed. And yes, concrete measures must be taken to protect this new nation of dissidents, so that their sacrifice is not – and will not – be in vain.

All of us who care must offer our full support and solidarity to the brave people of Iran.

They deserve nothing less.

Robert J. Aumann, Nobel Prize, Economics (2005)

Richard Axel, Nobel Prize, Medicine (2004)

Baruj Benacerraf, Nobel Prize, Medicine (1980)

Paul Berg, Nobel Prize, Chemistry (1980)

Günter Blobel, Nobel Prize, Medicine (1999)

Thomas R. Cech, Nobel Prize, Chemistry (1989)

Aaron Ciechanover, Nobel Prize, Chemistry (2004)

Georges Charpak, Nobel Prize, Physics (1992)

ClaudeCohen-Tannoudji, Nobel Prize, Physics (1997)

Edmond H. Fischer, Nobel Prize, Medicine (1992)

Val Fitch, Nobel Prize, Physics (1980)

Jerome I. Friedman, Nobel Prize, Physics (1990)

Donald A. Glaser, Nobel Prize, Physics (1960)

Sheldon Glashow, Nobel Prize, Physics (1979)

David J. Gross, Nobel Prize, Physics (2004)

Roger Guillemin, Nobel Prize, Medicine (1977)

James Heckman, Nobel Prize, Economics (2000)

Alan Heeger, Nobel Prize, Chemistry (2000)

Dudley R. Herschbach, Nobel Prize, Chemistry (1986)

Avram Hershko, Nobel Prize, Chemistry (2004)

Roald Hoffmann, Nobel Prize, Chemistry (1981)

David H. Hubel, Nobel Prize, Medicine (1981)

Eric R. Kandel, Nobel Prize, Medicine (2000)

Walter Kohn, Nobel Prize, Chemistry (1998)

Harold W. Kroto, Nobel Prize, Chemistry (1996)

Finn E. Kydland, Nobel Prize, Economics (2004)

Leon M. Lederman, Nobel Prize, Physics (1988)

Eric S. Maskin, Nobel Prize, Economics (2007)

Craig C. Mello, Nobel Prize, Medicine (2006)

George A. Olah, Nobel Prize, Chemistry (1994)

Douglas D. Osheroff, Nobel Prize, Physics (1996)

John C. Polanyi, Nobel Prize, Chemistry (1986)

Stanley Prusiner, Nobel Prize, Medicine (1997)

Robert C. Richardson, Nobel Prize, Physics (1996)

Richard J. Roberts, Nobel Prize, Medicine (1993)

Thomas C. Schelling, Nobel Prize, Economics (2005)

Jens C.Skou, Nobel Prize, Chemistry (1997)

Wole Soyinka, Nobel Prize, Literature (1986)

Klaus von Klitzing, Nobel Prize, Physics (1985)

John Walker, Nobel Prize, Chemistry (1997)

Steven Weinberg, Nobel Prize, Physics (1979)

Elie Wiesel, Nobel Prize, Peace (1986)

Betty Williams, Nobel Prize, Peace (1976)

Jody Williams, Nobel Prize, Peace (1997)

FOR JERUSALEM:

As published in The International Herald Tribune, The Washington Post and The Wall Street Journal on April 16, 2010 and in The New York Times on April 18, 2010:

It was inevitable: Jerusalem once again is at the center of political debates and international storms. New and old tensions surface at a disturbing pace. Seventeen times destroyed and seventeen times rebuilt, it is still in the middle of diplomatic confrontations that could lead to armed conflict. Neither Athens nor Rome has aroused that many passions.

For me, the Jew that I am, Jerusalem is above politics. It is mentioned more than six hundred times in Scripture—and not a single time in the Koran. Its presence in Jewish history is overwhelming. There is no more moving prayer in Jewish history than the one expressing our yearning to return to Jerusalem. To many theologians, it IS Jewish history, to many poets, a source of inspiration. It belongs to the Jewish people and is much more than a city, it is what binds one Jew to another in a way that remains hard to explain. When a Jew visits Jerusalem for the first time, it is not the first time; it is a homecoming. The first song I heard was my mother’s lullaby about and for Jerusalem. Its sadness and its joy are part of our collective memory.

Since King David took Jerusalem as his capital, Jews have dwelled inside its walls with only two interruptions; when Roman invaders forbade them access to the city and again, when under Jordanian occupation, Jews, regardless of nationality, were refused entry into the old Jewish quarter to meditate and pray at the Wall, the last vestige of Solomon’s temple. It is important to remember: had Jordan not joined Egypt and Syria in the war against Israel, the old city of Jerusalem would still be Arab. Clearly, while Jews were ready to die for Jerusalem they would not kill for Jerusalem.

Today, for the first time in history, Jews, Christians and Muslims all may freely worship at their shrines. And, contrary to certain media reports, Jews, Christians and Muslims ARE allowed to build their homes anywhere in the city. The anguish over Jerusalem is not about real estate but about memory.

What is the solution? Pressure will not produce a solution. Is there a solution? There must be, there will be. Why tackle the most complex and sensitive problem prematurely? Why not first take steps which will allow the Israeli and Palestinian communities to find ways to live together in an atmosphere of security. Why not leave the most difficult, the most sensitive issue, for such a time?

Jerusalem must remain the world’s Jewish spiritual capital, not a symbol of anguish and bitterness, but a symbol of trust and hope. As the Hasidic master Rebbe Nahman of Bratslav said, “Everything in this world has a heart; the heart itself has its own heart.”

Jerusalem is the heart of our heart, the soul of our soul.

– Elie Wiesel


Quelle: Israel’s Enabler in the U. S.

Originalartikel veröffentlicht am 21.4.2010

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem internationalen Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=10417&lg=de

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Written by mohart

29. April 2010 at 17:39

Veröffentlicht in Naher Osten, Terror / Krieg, USA

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Jerusalem: Die Polizei im Dienste von Räubern

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Verrücktes Land


AUTOR: Adam KELLER אדם קלר
Übersetzt von Ellen Rohlfs

Es geschah am Freitagnachmittag (d. 18.12.2009). Die tapferen und fleißigen Männer der Jerusalemer Polizei stürmten direkt auf Demonstranten zu, die durch die Straßen liefen, einige von ihnen trommelten, einige waren wie Clowns gekleidet. 27 Demonstranten wurden in die Polizeiwagen gezerrt und fürs Wochenende im Russischen Compound-Haftzentrum hinter Gittern gesteckt.

Nein, diese Demonstranten machten keinen Aufstand, sie blockierten auch keine Straßen, sie verletzten auch die Straßenordnung nicht. Sie gingen nur gerade und ordentlich auf dem Fußgängerweg mit dem Ziel zu einer Protestdemo in Sheikh Jarrah in Ost-Jerusalem. Ein Protest an der Stelle, wo Siedler offen und am hellerlichten Tage in palästinensische Häuser einbrechen, die Bewohner auf die Straße schmeißen, sich selbst in diesen Wohnungen einrichten und die blau-weiße Fahne aufs Dach stecken.

Die Jerusalemer Polizei ist sehr um die Sicherheit der Siedlerräuber besorgt. Sie dürfen nicht gestört werden, weder während des Raubs noch danach. Demonstranten sollte es nicht erlaubt werden, in die Nähe dieser Häuser zu kommen, erklärt der Polizeisprecher – das sei streng verboten. Gott bewahre, die Demonstranten könnten einige der Siedler daran hindern, bei Zeiten nach Hause – also in eines der geraubten Häuser – kommen, um den Schabbat nach den jüdischen Traditionen zu halten und die Chanukkakerzen anzuzünden und das Lied vom Heldentum der Makkabäer zu singen.

Zwei Stunden nach der Verhaftung der Demonstranten kommen die Siedler und ihre Freunde nach draußen und halten ein öffentliches Gebet auf den Straßen von Sheikh Jarrah. Wohl vom Gebet in Stimmung versetzt, werfen sie mit Steinen, schlagen auf vorbeigehende Palästinenser, brechen in Häuser ein und schlagen dort zwei Kinder krankenhausreif, dass sie von einer Ambulanz abgeholt werden müssen. Die Jerusalemer Polizei scheint noch erschöpft zu sein vom Jagen der Peaceniks. Denn für die Possen der Siedler hat die Polizei keine Kraft mehr.

PS. Am Samstagabend werden die 27 Verhafteten vor den Richter Liran des Jerusalemer Stadtgerichts gebracht. Ihre Kameraden protestieren trommelnd außerhalb des Gebäudes. Die Polizei fordert, dass sie wegen „Aufstand“ angeklagt werden sollten und dass sie die Order erhalten, die nächsten 90 Tage die Stadt nicht mehr zu betreten. Der Richter weist dies sofort zurück und befiehlt, dass alle Verhafteten auf eigene Gefahr sofort entlassen werden.

Der Polizeivertreter beklagt sich, dass „linke Demonstranten in Sheik Jarrah der Polizei große Mühe machen“. Das Gericht wiederholte, dass es die Verpflichtung in einer demokratischen Gesellschaft sei, für genügend Kräfte zu sorgen, um politischen Protest in Grenzen zu halten.

Fortsetzung folgt nächsten Freitag in Sheikh Jarrah.

Solidarity march with Sheikh Jerrah evicted families, Jerusalem, 18/12/2009. par activestills

Netanyahu kauft billig

In ihrer Debutrede verurteilte die neue EU-Außenministerin heftig die Vertreibung von palästinensischen Bewohnern aus ihren Häusern in Ost-Jerusalem und sagte, dass, das was Benjamin Netanyahu „Siedlungs freeze“ nennt, nur ein Teil und ungenügend sei.“

Ben Kaspit, politischer Korrespondent von Maariv, bekannt für seine extensiven Kontakte in den Korridoren der Macht, schrieb gestern in seiner Kolumne: Israels diplomatischer Status ist dabei, zu kollabieren, wie wir es noch nie erlebt haben. Wir haben schon Krisen durchgemacht während des 1. Libanonkrieges, während der 1. Intifada und bei anderen Gelegenheiten – aber niemals fielen wir aus so größer Höhe in solch eine Tiefe und können noch viel tiefer fallen.“ Maariv, 18. Dezember.

Und Kaspit fügte hinzu, dass Netanyahu seine Wunden vom Siedlungsbaustopp leckt. Im Nachhinein bedauert er es sehr. Der Preis ist hoch und keine Waren wurden geliefert.“ Täglich streitet sich der Ministerpräsident öffentlich mit den Siedlern, den Rabbinern der extremen Rechten Hotobeli Fraktion innerhalb seiner Partei – und immer noch versäumt es die Welt, seine Verdienste als großer Friedensucher anzuerkennen, die internationale Kritik geht weiter und wird intensiver. Netanyahus Büro neigt dazu, ihr Feuer auf den Anwalt Yitzhak Molcho zu lenken, auf den Mann der die langen Gespräche mit dem Vertreter von Präsident Obama geführt hat und den „Freeze deal“ ausgekocht hat.

Es ist aber nicht nett, alle Schuld Molcho zu geben, einen treuen Botschafter und raffinierten Anwalt, der persönliche Instruktionen vom Ministerpräsidenten bekommen hat und sie voll ausgeführt hat. Er führte zähe und anstrengende Verhandlungen mit den Amerikanern durch, und es gelang ihm, den Preis niedriger zu setzen: erhielt ein leichtes, ein sehr leichtes Siedlungseinfrieren. Nicht ein volles Einfrieren, ohne Ausnahme, aber ein Einfrieren, das ein Weiterbauen von 3000 Wohneinheiten in den Siedlungen möglich macht, ein Einfrieren, das Ost-Jerusalem nicht einschließt, ein Einfrieren, das der weiteren Vertreibung der Palästinenser aus ihren Häusern in Sheikh Jarrah keinen Einhalt bietet.

Anwalt Molcho bekam Waren für den Preis, den der Ministerpräsident zu zahlen bereit ist, ein wirklicher Handelspreis. Aber die Waren sind nicht gut. Drum ist es kein guter Deal, auch wenn der Preis spottwillig war.

Quelle: Police in the service of robbers & Netanyahu buys cheaply

Originalartikel veröffentlicht am 19.12.2009

Über den Autor

Ellen Rohlfs ist eine Mitarbeiterin von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, die Übersetzerin als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9628&lg=de

Written by mohart

29. Dezember 2009 at 12:35

Veröffentlicht in Naher Osten

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Netanyahu sollte zugeben, dass Israel keinen Frieden wünscht

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von Gideon Levy

Morgen sind es sechs Monate, seitdem der Ministerpräsident seine Außenpolitikrede in der Bar-Ilan-Universität gehalten hat. Jetzt ist die Zeit reif für eine andere historische Rede. In nächster Zukunft benötigt der Ministerpräsident die richtige Zuhörerschaft, den richtigen Ort, um die Rede seines Lebens zu halten: wir wollen keinen Frieden, sollte er sagen und würde damit in die Geschichte eingehen, als der erste israelische Führer, der die Wahrheit, die ganze Wahrheit sagt . Im Gegensatz zur oberflächlichen Rede der „Zwei Staaten für zwei Völker“. Dieses Mal würden seine Bemerkungen voller Bedeutungen sein und die wirkliche Absicht zeigen. Die Rede würde Vertrauen wecken und mehr als ein bisschen Sympathie für einen Mann, der die Wahrheit spricht.

Sie wären nicht noch einmal in der Lage, den Ministerpräsident Netanyahu wegen verbaler Taschenspielertricks fertig zu machen. Es ist nicht länger nötig, ermüdende und lächerliche Manöver zu führen. Statt hoffnungslos wegen so vielem Zwinkern und Nicken sein Gesicht zu verziehen, kann er damit endlich aufhören.

In seiner Rede werden wir hören, was sich verändern wird. Es werden Netanyahus und Israels Täuschungen aufhören. Die Wahrheit wird befreien. Solch ein Schritt wird den Ministerpräsidenten von internem und internationalem Druck befreien. Es ist kein weiteres Einfrieren des Siedlungsbaus nötig; in der nächsten Minute werden sie zu „nationalen Prioritätszonen“ erklärt. Da werden keine weiteren sich entschuldigende Inspektoren auf bizarren Trecks durch die Westbank gesandt. Es werden keine weiteren Baustopporder vor den Kameras zerrissen und behauptet, wir seien ein Rechtsstaat. Dass es dort einen Baustopp gebe, im nächsten Augenblick wird aber massiv weitergebaut.

Die Siedler haben keinen Grund, ihre lächerlichen Proteste zu machen, sich auf die Straßen zu legen und einstimmig zu schreien. Netanyahu muss sie nicht länger „Brüder“ nennen und die Polizei gegen sie aufbringen. Es muss auch nicht länger die Phrase benützt werden „Ohne Vorbedingungen“, während die Situationen vor Ort ständig verändert wurden …

Der Vorhang wird fallen. Die Vorstellung wird zu Ende sein. Dann werden die Make-ups, die Masken und Kostüme abgelegt werden und dann wird man den Pfad der Tugend folgen. Dann wird Netanyahu vielleicht das erste Mal in seinem Leben von der Macht der Wahrheit überzeugt sein.

Ein israelischer Führer, der die Wahrheit spricht, wird sich auch vom internationalen Druck befreien wollen. Die Welt wird begreifen, dass es sich hier um eine tiefe, anhaltende Aufsässigkeit gegen Frieden handelt , die kein Druck überwinden kann. So wird die Welt ihre Hände hochwerfen und sich ergeben. Und einige Araber werden dasselbe tun. Sie werden alle wissen, dass es einen nord-koreanischen Führer in Jerusalem gibt, der so störrisch ist wie ein Esel … die Welt, die Israels Lügen- und Entschuldigungsnetz gekauft hat, hat ihren Mund nicht auf gemacht. Dies schließt Europa ein, das unfähig ist, eine einzige feste und mutige Entscheidung zu treffen und Amerika, das nach der Pfeife der jüdischen Lobby tanzt – auch sie werden froh sein, von dieser Lügenbürde befreit zu sein.

Weil dies die Wahrheit ist: wir wollen keinen Frieden. So einfach ist das. Es ist gut für uns, sich in der Situation, wie sie ist, zu suhlen. Es gibt keine terroristischen Angriffe, also sind auch keine Araber da. … Die Gesellschaft liegt im Koma. Sie regt sich nicht auf, sie fragt nicht mal; sie benimmt sich wie eine Herde Schafe. Sie fragt nicht, warum das Bauen eingefroren werden soll, während gleichzeitig mehr und mehr Geld den Siedlungen zugeteilt wird. Sie fragt nicht, warum es für die Westbanksiedlungen von Kiryat Arba ok ist und nicht für Kiryat Shmona. Sie kümmert sich überhaupt nicht darum, was in ihrem Hinterhof geschieht und fragt nicht, warum die ganze Welt gegen uns ist. Sie will nur das Leben genießen. Wer macht sich schon Gedanken über zwei Staaten oder das Ende der Besatzung?.

Netanyahu sollte diese Wahrheit in seiner profilierten Rede aussprechen.

Nachdem wir von der Bürde von Lug und Trug befreit sind, können wir ohne Behinderung das ansehen, was wir wirklich tun wollen: in den (besetzten) Gebieten zu bauen und zu bauen und für immer auf jedem Hügel und in jedem Tal und auf den Golanhöhen und natürlich an den „Heiligen Stätten“ zu bleiben. Alles sind heilige Stätten. Und wir wollen die Besatzung verstärken und zu den Palästinensern sogar noch grausamer sein.

Vielleicht werden sie dann endlich unseren Traum erfüllen und verschwinden. Wir können noch mehr rassistische Gesetze verabschieden und einstimmig gegenüber dem syrischen Präsidenten ‚nein’ sagen, der uns mit seinem Wunsch nach Frieden verrückt macht; auch ‚nein’ gegenüber dem palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas, der verzweifelt Fehlschläge hat. Wir können die restlichen guten Absichten des US-Präsidenten Barack Obama vollkommen unterdrücken , wie wir das so gerne tun würden.

Netanyahu sprich die Wahrheit und du wirst sehen, was eine gute Rede bewirkt.
Gideon Levy Gideon Levy ist israelischer Journalist aus Tel Aviv und arbeitet für die Tageszeitung Ha’aretz unter anderem als Chefredakteur der Wochenendbeilage. Er gehört zu den wenigen israelischen Journalisten, die über das Leben der Palästinenser unter der israelischen Besatzung berichten, und ist wegen seiner kritischen Berichte, Angriffen seitens der israelischen Leser und Kollegen ausgesetzt.

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT auf www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von: Ellen Rohlfs

Quelle: znet

Written by mohart

20. Dezember 2009 at 10:53

Schweizer verfallen in rassistische Panik

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Minarettverbot für Moscheen „moderne Version des Antisemitismus der 1930er Jahre“

Eric Margolis

Die schöne, friedliche, reiche Schweiz stand in den letzten Jahren unter keinem guten Stern. Der derzeitige weltweite Aufschrei gegen die Schweiz aufgrund des Verbots von Minaretten für muslimische Moscheen ist nur der letzte Fluch, der die Helvetische Republik getroffen hat.

Es began 1998, als eine DC 10 der Swissair mit 229 Menschen an Bord vor Nova Scotia abstürzte.

Nach einer Reihe katastrophaler geschäftlicher Entscheidungen ging Swissair, einst bekannt als „die fliegende Bank“ bankrott.

Als nächstes kam die Holocaust-Krise, als jüdische Amerikaner anfingen, die Schweiz dafür zu bestrafen, dass sie sich angeblich geweigert hat, Juden vor der nationalsozialistischen Verfolgung zu retten. Tatsächlich haben die Schweizer so viele Juden gerettet wie sie abgewiesen haben – viel mehr als Kanada oder die Vereinigten Staaten von Amerika – aber der Schaden war bereits passiert. Die Schweizer mussten große Reparationszahlungen an jüdische Organisationen leisten und stießen dennoch überall auf bittere Feindseligkeit seitens vieler Juden.

Dann ging die größte Schweizer Bank UBS, viermal so viel wert wie das ganze Land, im Jahr 2008 fast bankrott. Von U.S.-Steuerfahndern wurde die USB gezwungen, das geheiligte Schweizer Bankgeheimnis zu verletzen und schamlos Kunden den Wölfen preiszugeben, um nicht das Geschäft in den Vereinigten Staaten von Amerika aufgeben zu müssen.

Im vergangenen Monat, nach einem Blitzkrieg von Xenophobie, Angstmacherei und Rassismus seitens der weit rechts stehenden Volkspartei stimmten die Schweizer in einem Referendum mit 57% für ein Verbot der weiteren Errichtung von Minaretten für Moscheen. Die Volkspartei behauptete, das Verbot würde der Bedrohung einer „Islamisierung der Schweiz“ Einhalt gebieten und die Rechte der Frauen gegen angebliche muslimische Unterdrückung verteidigen. In der Schweiz gibt es nur vier kleine Moscheen.

Europas antimuslimische Rechte frohlockte. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy, die italienischen Neofaschisten und der französische rechtsextreme Jean-Marie Le Pen lobten das rassistische Abstimmungsergebnis.

Wie ich mitbekam, als ich dort lebte, sind die Schweizer heftig nationalistisch und argwöhnisch gegenüber allen Fremden. Lange haben sie hungrige Nachbarn gefürchtet, die ihr kleines alpenländisches goldenes Ei begehren. 1939 – 1949 wären Deutschland und Italien fast einmarschiert, beschlossen aber, das nicht zu tun, nachdem die 800.000 Schweizer Bürger-Soldaten sich darauf vorbereiteten, bis zum letzten Mann zu kämpfen.

Heute sind 25% der Schweizer Bevölkerung im Ausland geboren. Das macht Schweizer – besonders die deutschsprachige Mehrheit – sehr nervös und ausländerfeindlich. Die viel abgeklärteren kultivierten französischsprachigen Schweizer haben eine weit offenere Einstellung. Es gibt eine Schweizer Geheimpolizei, die alle Ausländer im Land überwacht; die Landesbewohner werden ermutigt, sich an der Überwachung nichtschweizerischer Nachbarn zu beteiligen.

Die Schweizer Volkspartei, wie rechtsgerichtete Parteien in Kanada, den Vereinigten Staaten von Amerika, im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Frankreich, Italien und Australien, hat sich den Anti-Islamismus als ihre zugkräftigste populäre Ideologie angeeignet. Wie ich schon seit Jahren geschrieben habe, ist Hass auf und Furcht vor Moslems die moderne Version des Antisemitismus der 1939er Jahre.

Gerade wie die Nazis die Juden als bösartige gefährliche Untermenschen hinstellten, haben die heutigen westlichen Rechten, christlichen Fundamentalisten und Neokonservativen einfach das Etikett von den Juden auf die Moslems übertragen.

Die kleine muslimische Minderheit in der Schweiz stammt weitestgehend aus dem Balkan und ist kaum religiös. Die einzigen verschleierten Frauen, die man in der Schweiz sieht, sind reiche Touristinnen aus Saudiarabien und der Golfregion, die Juwelen einkaufen.

Sei´s auch. Die Schweizer haben vor der rassistischen Panikmache klein beigegeben.

Schweizer und europäische Gerichte werden wahrscheinlich dieses hässliche Ergebnis aufheben, aber Volksabstimmungen wiegen in der Schweiz schwerer als Gerichte. Ich bleibe weiterhin ein Befürworter des Schweizer Systems der Referenden. Die Abstimmung über Moscheen zeigt allerdings, dass es einige gesetzliche Vorkehrungen braucht, um zu verhindern, dass sich Angstmacherei, Vorurteile und Ignoranz bei weniger gebildeten Menschen durchsetzen.

Umsichtige Schweizer sind entsetzt und empört. Die muslimische Welt ist dabei, eine erboste Antwort zu geben, etwa den Boykott von Schweizer Gütern und den Abzug von Milliarden von Schweizer Banken, was der bereits ramponierten Schweizer Wirtschaft weiter zusetzen wird.

Viele der schwerfälligen deutschschweizerischen Tölpel, die für das Verbot gestimmt haben, werden vielleicht zum Käsemachen und Kühehüten zurückkehren müssen.

Das Abstimmungsergebnis könnte so nicht ausgefallen sein ohne große Unterstützung durch Frauen. Die vielen Schweizer Frauen, die das Verbot in einer Aufwallung antimuslimischer Gefühle unterstützt haben, könnten sehen, wie ihr dummes Stimmverhalten die Sache der muslimischen Frauen zurückwirft, da dieses antiwestlichen muslimischen Extremisten Munition liefert.

Die meisten Schweizer Frauen, die ihr Stimmrecht erst 1971 bekommen haben, hatten keine Ahnung, dass die Muslim-Frauen aus dem Balkan in der Schweiz genau so frei sind wie sie.

Ich liebe die Schweiz, das Land meiner Jugend, noch immer sehr. Diejenigen allerdings, die eine „muslimfreie“ Schweiz wollen, haben ihre Nation entehrt.

13th December 2009

Quelle: antikrieg.com

Written by mohart

14. Dezember 2009 at 19:20

Veröffentlicht in Europa

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Wir sind alle Kriegsverbrecher

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Fort Hood und PTBS

AUTOR: Dahlia WASFI الداليا وصفي

Übersetzt von Einar Schlereth

Unsere Nation erholt sich immer noch von der Schießerei vom 5. November 2009 in Fort Hood in Killeen, Texas. Wir warten darauf, daß nach solch einem schockierenden Ereignis wieder ein Gefühl der Normalität eintritt. So unglaublich es ist, daß so eine Tragödie geschehen kann, wo unsere Besetzungen bisher so gut verlaufen sind. Fragt nur die irakischen Menschen. Einen Moment, streicht das. Ok, fragt die afghanischen Leute. Vergiß es. Fragt die US-Veteranen. Oh, mein lieber Mann Wenn wir die Leute fragen, die den Horror leben, dann ist vielleicht das, was in Ft. Hood passierte, gar nicht so schockierend. Das eigentlich Überraschende ist, daß wir nicht mehr von dergleichen gesehen haben.

In den ersten zehn Monaten von 2009 haben sich zehn Soldaten in Ft. Hood selbst erschossen; dies war die zweithöchste Zahl im Land nach den sechzehn Selbstmorden in Ft. Campbell, Kentucky. Allein im Januar 2009 haben 24 Soldaten im ganzen Land Selbstmord begangen. ”Das ist erschreckend”, sagte ein Offizier. ”Wir wissen nicht, was da vor sich geht.” Nun, Herr x-beliebiger Offizier, lassen Sie mich Ihnen helfen. Wenn Sie illegale Befehle an Leute erteilen, loszuziehen, um in Übersee Greueltaten zu begehen (denn das ist das beste Wort, um das zu kennzeichnen, was in Irak und Afghanistan vor sich geht), und jene es unterlassen, die Befehle zu verweigern in Übereinstimmung mit dem Uniform Code of Military Justice (Einheitliches Gesetz der Militärgerichtsbarkeit), dann haben Sie am Ende Leute mit Problemen, mit PTBS (posttraumatische Belastungsstörung). Manche unter ihnen wenden ihr Trauma nach innen, selbstzerstörerisch und begehen Suizid. Manche wenden ihr Trauma nach außen und begehen Homizid. Ein Bericht dokumentiert den Fall von PFC (Private first Class = Soldat nach 1 Jahr Dienst) Johnathon Klinker, 22, der zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, weil er im Oktober 2006 seine 7 Wochen alte Tochter Nicolette ermordete. Ein anderer Bericht erzählt den Blutrausch dreier Irak-Veteranen in Ft. Carson, der zum Tod von einer 19-jährigen Schwester-Studentin führte, die sechs Messerstiche erhielt, nachdem das Trio sie mit ihrem Wagen im Oktober 2007 überfahren hatte. Und nun haben Sie Major Nidal Hasan, der möglicherweise Folgeerscheinungen einer PTBS hatte (von den Erniedrigungen durch seine Waffenbrüder wegen seiner Ethnizität und Religion ganz zu schweigen). DAS ist es, was vor sich geht; alles ist verknüpft mit unseren illegalen Besetzungen.

Wir hören jetzt Berichte, daß die Armee sich nicht um ihre Soldaten kümmert. Laut Vorwürfen von Klinik-Psychiater Dr. Kennan Manion – der glaubt, er sei wegen seiner Anklagen entlassen worden – erhalten die Marinesoldaten in Camp Lejeune wenig Hilfe für ihre PTBS. Und in der Armee sei es nicht viel besser, laut Veteran-Feldwebel Chuck Luther, der nach 12 Jahren Dienst wegen ”Persönlichkeitsstörung” entlassen wurde, statt eine Diagnose zu erhalten und Unterstützung für seine PTBS zu bekommen. Ich möchte gerne dies hier wissen: WARUM SIND WIR ÜBERRASCHT? Wissen wir nicht, wie diese Geschichte endet mit einem Viertel Veteranen von allen Obdachlosen in Amerikas Straßen? Begreifen wir nicht die Brutalität und Entmenschlichung – der Rekruten und der ”Feinde” (wer immer gerade in Mode ist) – die die Basis der Grundausbildung bilden? Glauben wir wirklich, daß das Militär und die Regierung eines Tages sich der bewaffneten Streitkräfte annehmen werden,wenn sie die nach Übersee geschickt haben, um für den Profit der großen Unternehmen zu sterben? Ich würde nicht das Wohlergehen meines Hundes in die Hände eines Drill-Feldwebels der Armee legen; und die Amerikaner händigen ihnen ihr Fleisch und Blut aus. Richtig, es gibt eine Rezession und Jobs sind Mangelware, aber das Militär macht weniger als ein Prozent der Bevölkerung aus. Es gibt eine Menge Leute, die ökonomische Schwierigheiten haben und sich dennoch nicht werben lassen. Wir leugnen schlicht die Tatsachen.

Aber die Leugnung ist nicht einfach eine bürgerliche Störung. Wie Luther auf seiner Webseite beschreibt, ”wurde (er) nach Taji (Irak) vom Oktober 2006 bis Juli 2007 geschickt. Feldwebel Luther litt unbewußt an PTBS, nachdem er in einer Kriegsumgebung gelebt hatte.” Er ”lebte” in einer Kriegsumgebung. Wie unschuldig das klingt. Schaut man genauer hin, so fährt Luther fort: ”Gewalt gebiert Gewalt. Ich wurde getrimmt, im Kampf als Kundschafter sehr gewalttätig zu sein … wir töteten und nahmen Iraker fest, bevor irgendwer sonst dazukam.” Bevor es irgendwelche Zeugen der Verbrechen gab. ”Was immer der Mensch säet, das wird er auch ernten.” Ja, jetzt leidet Luther. Und nur er und seine Kundschafterkameraden kennen das Elend und die Qual, die sie über wer weiß wie viele Familien gebracht haben, die uns nichts getan haben. Wenn du in das Haus eines anderen eindringst, dann ist es nicht ”Selbstverteidigung”, wenn man die Leute angreift, die dort wohnen. Es ist Angriff und Schläge. Es ist Terrorismus. Es ist Mord. Die Macht des Stolzes? Ich glaube nicht.

Und weil diese Verbrechen in unser aller Namen begangen werden, sind wir alle Kriegsverbrecher. Wir laden die Waffen; die Soldaten und Marinesoldaten tun unser dreckiges Handwerk. Am 5. November 2009 war im Ft. Hood eine Art ”Nimm deine Familie mit zur Arbeit”-Tag. Die Soldaten-Familien konnten aus der Nähe die Umgebung sehen, in denen ihre Lieben ihr Monatsgehalt verdienen. Wir alle bekamen einen kurzen Blick auf die Schrecknisse, die wir täglich bei den irakischen und afghanischen Familien besichtigen können.

Aber wir hatten Glück, denn es war nicht ganz dasselbe. Die Opfer wurden nicht vergewaltigt, bevor sie ermordet wurden; ihre Körper wurden nicht in Brand gesteckt, bevor sie ihren letzten Atemzug taten. Die Kinder der Opfer wurden nicht gefesselt, bevor ihre Väter verhaftet wurden, bevor sie erschossen wurden. Die Soldaten von Ft. Hood wurden nicht zu nackten Pyramiden gestapelt und zu Tode gefoltert, noch wurden ihre Familien in ihren Häusern durch Luftangriffe getötet. Das ist die Wirklichkeit der Besatzung, und niemand von uns ist ohne Blut an den Händen – Zivilist oder Militär. Amerikanische Soldaten und Marinesoldaten sind nicht schuldiger als der Rest von uns, aber sie sind verdammt noch mal nicht unschuldiger als wir. Wenn wir wollen, daß der Wahnsinn endet, dann müssen wir alle den Wahnsinn beeenden.

Quelle: Information Clearing HouseWe Are All War Criminals

Originalartikel veröffentlicht am 24.11.2009

Über den Autor

Einar Schlereth ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl die Autorin, der Übersetzer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9390&lg=de

Written by mohart

30. November 2009 at 10:36

Veröffentlicht in Terror / Krieg, USA

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Der Dornröschenschlaf der Weltöffentlichkeit anläβlich des Welternährungstages

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AUTOR: Vladislav MARJANOVIC

„Mein Stamm schläft den Schlaf eines Toten“

Petar II. Petroviæ-Njegoš
Montenegrinischer Dichter und Fürstbischof
19. Jahrhundert

Und die Weltöffentlichkeit? Sie schläft auch, aber offensichtlich nicht mit dem Schlaf eines Gerechten. Allem Anschein nach ist sie durch Gewissensbisse gequält. Vergeblich dreht sie sich um, um davor zu flüchten. Die Quellgeister sind aber zäh. Sie lassen nicht nach. Ununterbrochen stellen sie die Fragen: was hast du gegen die Ungerechtigkeiten gegen die Menschheit unternommen? Bekämpfst du überhaupt die Verursacher der Verelendung der Welt, die sich im Namen des Wirtschaftswachstums unaufhörlich vertieft? Die Nachrichten sind beunruhigend: am Anfang des 21. Jahrhunderts hungert bereits jeder siebte Mensch. Außerdem ließ die Auswanderungswelle nicht nach. Die ganze demographische Struktur des noch (scheinbar) heilen Westens droht umzukippen. Was wird vom christlichen Abendland übrig bleiben, wenn bereits im katholischen Italien die Kreuze aus den Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen entfernt werden? Ein multinationaler Wirrwarr!

Nation, Religion, Kultur, Zivilisation, ihre Symbole und Institutionen, all dies muss man berücksichtigen. Und die Menschen? Wo bleibt der Mensch? Die Zahlen, Statistiken und Paragraphen haben ihn so gut bedeckt, dass man ihn praktisch nur noch als mediales Kuriosum zu sehen bekommt. Solche individuellen Schicksale werden einige Herzen berühren. Die werden sogar versuchen, individuell so viel wie möglich für die Menschen in Not zu tun. Doch, wie der oben erwähnte Dichter sagte: „Wenige Hände, wenig Kraft!“ Um etwas zu bewegen, damit die Welt menschlicher und sozialer wird, braucht es Solidarität – weltweit. Ist so etwas gegenwärtig aber zu erkennen?

Ja! Der UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und der Direktor der Welternährungsorganisation FAO Jacques Diouf haben Montag, den 16. November 2009 für Fastentag zu Gunsten des Kampfes gegen die (steigende) Hungersnot aufgerufen. Sie selber werden fasten, haben sie gesagt. Einen Tag, immerhin! Mahatma Gandhi, der für die Befreiung Indiens und gegen die Ungerechtigkeit gewaltlos kämpfte, scheute sich nicht davor, bis zum eigenen Tod zu fasten. Dadurch hat er etwas für die Gesellschaft erreicht. Die UNO-Prominenzen setzten ein Zeichen. Für einen Tag. Immerhin. Dann wird alles beim Alten bleiben. Schon hat der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi 500 fesche Mäderl aus ganz Italien zu sich eingeladen, um mit ihnen „Meinungen auszutauschen“, für 50 Euro und einen Koran. Wahrscheinlich über die Hungersnot, genau nach dem Sinn des arabischen Spruches: „Alte Zähne brauchen zartes Lammfleisch!“ Mahlzeit!

Niemand hat einen Einwand gegen diese Art von Welternährungskonferenz erhoben. Warum auch? Es scheint doch alles in Ordnung zu sein. Man jongliert mit den Ziffern, lässt Krokodiltränen fließen. Das verlangt das Ritual. „Meine Schuld, meine große Schuld“. Gehet hin in Frieden. Nach einem Fasten und zwei Fettentagen mit üppigen Mahlzeiten in keineswegs billigen Hotels ist die Show vorbei. Bis zum nächsten Mal. Gute Nacht!

Die Nacht scheint dennoch nicht so gut zu sein. Ist das nicht das Gewissen, das wieder plagt? Ja, man hat sich bei der Welternährungskonferenz toll amüsiert. Was aber, wenn jemand seine Stimme erhöbe und verlangte, die Protagonisten des neoliberalen Weltwirtschaftsystems zur Rechenschaft zu ziehen oder gar konkrete Maßnahmen zur Abschaffung dieses Systems und seiner Ersetzung durch eine humanere und sozial gerechtere Ordnung einzuleiten? Keine Finanzinstitution, kein multinationaler Konzern wurden bei der Welternährungskonferenz in Rom angeprangert. Das versteht sich.

Auch waren keine Fachleute aus dem alternativen Spektrum eingeladen. Auf solchen Konferenzen sitzt man unter seinesgleichen. Wie heißt es so schön: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Aber wo war die Öffentlichkeit? Gab es Mobilisationen durch alternative Organisationen, linke Parteien, religiöse Institutionen, Intellektuelle? Niemand hat sich bewegt.

Mein Stamm schläft, aber nicht den Schlaf eines Toten, sondern mit der Unruhe dessen, den sein Gewissen plagt. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, denn es ist Zeit, aufzustehen und zu handeln.

Quelle: der Autor

Originalartikel veröffentlicht am 24.11.2009

Über den Autor

Vladislav Marjanovic ist ein mit Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt, assoziierter Autor. Dieser Artikel kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=9344&lg=de

Written by mohart

24. November 2009 at 18:05

Wahlen in Honduras: Mehr als 240 Lateinamerika-Experten und Akademiker schreiben an Obama

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von Many Signatories

Claremont. Mehr als 240 Akademiker und Lateinamerika-Experten haben Präsident Obama gestern einen Brief geschickt, in dem sie ihn dringend auffordern, die kontinuierlichen Menschenrechtsverstöße des Putschregimes – im Vorfeld der Wahlen am 29. November -, zu verurteilen. Zudem fordern sie die sofortige Wiedereinsetzung von Präsident Manuel Zelaya. Obama solle sich für eine Verlängerung des Wahlkampfes um volle drei Monate bemühen. Zuvor müsse der Putsch allerdings rückgängig gemacht werden und „Debatten, Organisierungsarbeit und alle übrigen Aspekte“, die zu einem Wahlkampf gehörten, „in einer angstfreien Atmosphäre“ praktiziert werden können, „wobei freie Meinungsäußerung für alle Haltungen und Parteien gelten“ müsse „und nicht nur für jene, die während einer illegalen Militärbesatzung erlaubt sind“. Das bedeutet, die Wahlen, die Ende November stattfinden sollen (Lateinamerika und die EU haben bereits gesagt, dass sie sie nicht anerkennen werden), sollen verschoben werden.

„Bis zu den geplanten Wahlen am 29. November sind es nur noch wenige Tage“. Daher müssten die USA sich entscheiden, steht in dem Brief. Die USA könnten sich entweder auf die Seite der Demokratie stellen – zusammen mit allen Regierungen Lateinamerikas – oder aber auf die Seite des Putschregimes und Amerika dadurch in der Hemisphäre zusätzlich isolieren, steht darin.

Am vergangenen Donnerstag trat die ‚Gruppe von Rio‘ zusammen. Ihr gehören fast alle lateinamerikanischen Staaten und die meisten Karibikstaaten an. Die Gruppe verfasste ein Statement, in dem sie erklärt, dass sie die Wahlen am 29. November als illegal betrachten wird, falls Zelaya nicht noch vor den Wahlen wiedereingesetzt wird.

Zurück zu dem oben genannten Brief. Die USA könnten es sich nicht leisten, „bei ihrer ohrenbetäubenden Stille zu bleiben“ – angesichts zahlloser, schwerer Menschenrechtsverstöße durch die Putschregierung von Honduras, heißt es darin. Diese Stille sei „zu einer unübersehbaren internationalen Schande geworden“.

In zahlreichen Presseberichten wurden die Menschenrechtsverstöße und die Verstöße gegen bürgerliche Freiheitsrechte beschrieben, zu denen es in den (letzten) drei Monaten in Honduras gekommen war. Gemäß honduranischem Recht darf eine Wahlkampfperiode maximal drei Monate dauern. Zu den Verstößen zählen illegale Massenverhaftungen, Prügel, Folter und Erschießungen durch staatliche Sicherheitskräfte. Es kam zu Angriffen gegen die Versammlungsfreiheit, gegen die freie Meinungsäußerung und die Presse. Diese Repression ist gut dokumentiert und wurde von honduranischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen – einschließlich der Inter-American Commission on Human Rights, Human Rights Watch und Amnesty International – verurteilt.

Dennoch hat die Regierung Obama diese Menschenrechtsverletzungen bisher weder verurteilt noch Sanktionen oder andere massiven Aktionen angedroht, die das Putschregime davon abhalten könnten, in diesem Sinne weiterzumachen.

In der vergangenen Woche appellierte auch Bertha Oliva an die Obama-Administration, die „gravierenden Menschenrechtsverletzungen“ in Honduras zu verurteilen (1). Sie erklärte, „für Wahlen am 29. November ist es schon zu spät“. Bertha Oliva ist Leiterin der bekanntesten und anerkanntesten Menschenrechtsorganisation in Honduras: COFADEH (Komitee für die Familien Verschwundener und Inhaftierter in Honduras).

BRIEF AN OBAMA:

11. November 2009

President Barack Obama

The White House

1600 Pennsylvania Avenue, NW

Washington, DC 20500

Kopien an:

Hillary Clinton, Secretary of State

Thomas Shannon, Assistant Secretary of State for Western Hemisphere Affairs

Dan Restrepo, Special Assistent to the President and Senior Director of Western Hemisphere Affairs, National Security Council

Sehr geehrter Präsident Obama

Wir schreiben Ihnen, um Sie zu drängen, sich – bezüglich Honduras – auf die Seite der Menschenrechte und der Demokratie zu stellen. Es sind nur noch wenige Tage bis zu den Wahlen am 29. November. Die US-Regierung muss daher eine Entscheidung treffen: Entweder, sie stellt sich, zusammen mit allen Regierungen Lateinamerikas auf die Seite der Demokratie. Sie kann sich aber auch auf die Seite des Putschregimes stellen und sich weiter isolieren. Darüberhinaus können es sich die USA nicht leisten, ihre ohrenbetäubende Stille beizubehalten – angesichts zahlloser, gravierender Menschenrechtsverstöße durch die honduranische Putschregierung – eine Stille, die zu einer unübersehbaren internationalen Schande geworden ist. Die USA müssen diese Verstöße massiv verurteilen – und ihren Worten auch Taten folgen lassen. Die USA müssen dem Putsch-Regime klarmachen, dass die amerikanische Regierung die Gewalt und Unterdrückung, die die Regierung Micheletti seit dem Putsch am 28. Juni 2009 gegenüber dem honduranischen Volk praktiziert, nicht länger toleriert.

Honduras steht am Rande eines gefährlichen Abgrunds. Die Putschregierung ist nach wie vor entschlossen, die Wahlen durchzuziehen – während durch die US-Regierung kein signifikanter Druck ausgeübt wird. Die Putschregierung hofft, dass die internationale Gemeinschaft die Resultate letztendlich akzeptieren wird. Auf diese Weise, so hofft sie, ihre illegale, nicht verfassungsgmäßige Regierung legitimieren zu können.

Es ist bereits klar, dass es am 29. November keinesfalls zu freien und fairen Wahlen kommen kann: Zweidrittel der Zeit, die das honduranische Recht einem Wahlkampf einräumt, ist bereits verstrichen. In dieser Zeitspanne kam es überall im Land zu Angriffen auf die Versammlungsfreiheit, auf die Rede- und Pressefreiheit. Diese Repression ist gut dokumentiert und wird von honduranischen und internationalen Menschenrechtsorganisationen – einschließlich der Inter-American Commission on Human Rights, Human Rights Watch und Amnesty International – verurteilt.

Die ‚Gruppe von Rio‘, der 23 Nationen angehören (fast alle lateinamerikanischen Länder und ein Großteil der Karibikstaaten) hat vehement erklärt, die Wahlen am 29. November nicht anerkennen zu wollen, sollte Präsident Zelaya nicht vor der Wahl wiedereingesetzt werden. Indem die USA sich bereiterklärten, diese illegalen Wahlen anzuerkennen, befinden sie sich im Widerspruch zum Rest der Hemisphäre.

Freie und faire Wahlen können nur in einer Atmosphäre durchgeführt werden, in der Debatten, Organisationsarbeit und alle übrigen Aspekte, die zu Wahlkämpfen gehören, in einer angstfreien Atmosphäre praktiziert werden können, wobei freie Meinungsäußerung für alle Haltungen und Parteien gelten muss und nicht nur für jene, die unter einer illegalen Militärbesatzung erlaubt sind. Daher fordern wir die US-Regierung auf, für Honduras einen Wahlprozess einzufordern, der volle drei Monate dauert – wie es das honduranische Recht vorsieht – damit, nach der Wiedereinsetzung von Präsident Manuel Zelaya, ein (echter) Wahlkampf stattfinden kann. Dies ist der einzige Weg, der zu einem legitimen Wahlprozess führen kann – sowohl in den Augen des honduranischen Volkes, als auch in den Augen der internationalen Gemeinschaft.

Die Monate seit dem Amerika-Gipfel im April haben uns traurig gemacht, weil wir gesehen haben, wie sich Ihr Versprechen, die lateinamerikanischen Nationen als Gleiche zu behandeln, in Luft aufgelöst hat. Damals erklärten Sie: „Ich möchte absolut klarstellen, dass ich alle Versuche, demokratisch gewählte Regierungen zu stürzen, absolut ablehne und verurteile – wo immer diese in der Hemisphäre stattfinden sollten“. in Ihren Aussagen, die aufgezeichnet wurden, die zitiert und in der ganzen Welt gesendet wurden, versicherten sie: „Der Test für uns alle besteht nicht einfach nur aus Worten sondern auch aus Taten“. Seither hat es Ihre Regierung versäumt, Herr Präsident, den Worten Taten folgen zu lassen – was den Staatsstreich in Honduras angeht. Die Folge ist, dass sich die USA auf dem amerikanischen Kontinent erneut isoliert haben.

Die USA müssen ihren rhetorischen Verpflichtungen für Demokratie konkrete Taten folgen lassen und die sofortige Wiedereinsetzung von Manuel Zelaya – als Präsident von Honduras -unterstützen, und sie müssen freie und faire Wahlen garantieren.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschriftenliste siehe Original http://www.zmag.org/znet/viewArticle/23123

Anmerkung d. Übersetzerin

(1) http://www.cepr.net/index.php/press-releases/press-releases/honduras-human-rights-expert

Orginalartikel: Honduran Elections: Over 240 Academics and Experts on Latin America Call on Obama to Denounce Human Rights Abuses by Honduran Dictatorship
Übersetzt von: Andrea Noll

Quelle: zNet

Written by mohart

15. November 2009 at 00:31